ich verschwinde.
Eines Tages bin ich weg. Und die Haare im Abfluss die Bücherhaufen das Chaos verschwinden mit mir. Erst gibt es ein Mordsgebrüll, aus dessen Einzelteilen sich auf wutverzerrten Lippen das Wort „Weltuntergang“ formt, aber dann sind sie milde erleichtert - ein Patient weniger auf der Liste und ein Haken hinter meinem Namen. Letztlich ein gescheitertes Projekt, das man nur zu gern verdrängt, das macht es leichter für alle. Ich trage trotzdem eine Perücke; nur für den Fall. Der Herbstwind treibt mich aus der Stadt, Leprakranke, die ich hier gewesen aber viele, viele Kilometer weiter, hundert, tausend vielleicht auch nur zehn wird es anders sein. Soll es anders sein. Es muss anders werden.
Ich habe fünf Briefe geschrieben, einen für jeden: Glaube, Liebe, Hoffnung an meine Familie - erinnert du dich, Mama? - denn das wünsche ich:
meiner Schwester ihren eigenen Glauben, oh süßeste Schleh jetzt lächeln sie stolz und wärmen dich unter einer Decke, die Oma aus Erwartungen an dich gestrickt hat, aber glaub einer, die es wissen muss: es kommt ein Tag an dem du sie enttäuschst, unweigerlich kommt der, dann nehmen sie dir alles fort, das Wärme spendet, dann musst du dir deine eigene Decke sein.
Und Mama, ich schenk dir die ganze Liebe die ich immer von dir wollte (wollte ich je etwas anderes?) und die du nie zu geben oder zu zeigen bereit warst, warum auch immer, du hast deine Gründe, man kann Gefühle nicht erzwingen ich aber liebe dich. Ich liebe dich.
Und Linus.. mein Linus. Ich kann mir nichts besseres für dich wünschen als dass du niemals jemand anderes Hoffnung zu werden brauchst; merk es dir, baby: du musst gar nichts erfüllen nicht mal deine eigenen Träume.
In die restlichen zwei Umschläge stopfe ich, was von meinen Tugenden übrig ist, was von meiner Hoffnung Bestand hat und gebe sie euch.
Ina und Nono öffnen zeitgleich an diametralen Punkten der Stadt einen Brief, als wir schon längst weg sind, meine Dämonen und ich, auf und davon.
(ausatmen nicht vergessen.)














