Dezemberabend
Kalter Dezemberregen der gegen die Scheibe schlägt.
Draußen ist es schon dunkel und der Himmel hat diesen Blauton, den du normalerweise nur in Gemälden findest. Eigentlich viel zu gesättigt für die Realität, viel zu intensiv, viel zu blau.
Deine Gedanken schweifen ab. Du erinnerst dich an einen früheren Dezemberabend. Einen Abend an dem dasselbe Blau im Himmel zu finden war. Und an dem es genauso kalt war wie jetzt. Und dennoch war dir damals warm.
Du erinnerst dich daran wie du spazieren gegangen bist und den Abend genossen hast. Aber es lag nicht am Abend. Oder am Blau des Abendhimmels. Es lag an deiner Begleitung.
Ihr habt viel zu lange gelacht und wart viel zu lange aus. Es war lange her dass du so gelacht hast wie an diesem Abend.
Du schmeckst noch den Kaffee und fühlst noch die Vorfreude die du damals spürtest. Du hast gedacht so könnte es ewig weitergehen.
Kalte Dezemberabende, gespickt mit Lachen und Kaffee und interessanten Gesprächen die dich warm hielten, trotz der Minustemperaturen.
Ist es nicht gegen die Natur, dass etwas im Winter aufblüht? Doch etwas blühte an diesem Abend auf. Keine Pflanze, sondern ein Gefühl was schon lange nicht mehr vorhanden war in dir. Hoffnung und Freude und Vertrauen in einen anderen Menschen. Urvertrauen. Und das an einem kaltem Dezemberabend.
Dann kam der Frühling, dann der Sommer, dann der Herbst und schließlich… ein weiterer Winter. Und dieses Gefühl, im Winter geboren und über das Jahr kultiviert und gepflegt, begann sich festzusetzen. Es war da, als wäre es schon ewig dagewesen, als wäre es nicht erst an diesem kalten Dezemberabend entstanden, als gehörte es in euer Leben. Als gehörte er in dein Leben.
Nun ist wieder Winter, zwei Jahre später. Und er und du sehen das Blau des Abendhimmels, dieses viel zu satte Blau, und könntet euch gemeinsam daran erinnern. Er bei ihm. Und du bei dir. An diesem kalten Dezemberabend.














