Trinité : Reject, Ewen Merrick & Die Letzte (2010) © Florian R. Guillon

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Trinité : Reject, Ewen Merrick & Die Letzte (2010) © Florian R. Guillon
Kapitel 1 (2/4)
Sacoma lief einen schmalen Pfad folgend durch den Wald. Er war ihr Zuhause, bot ihr Schutz und Heimat. Sie kannte nur ein Leben umgeben von hohen Stämmen und dämmrigen, grünen Licht. In ihrem fünften Sommer bei Zaf war sie einmal bis an den nördlichen Rand des Waldes gelaufen. Allein dieser Weg hatte sie über zwei Wochen gekostet und weiter hatte sie sich noch nicht einmal getraut. Zaf hatte sie nur einen Moment angesehen und gefragt, ob sie gefunden hätte, wonach sie gesucht habe und das hatte sie. Sie war glücklich mit ihrem Leben, so wie es war. Sie kannte jeden Baum, jeden Strauch innerhalb des Schutzwalls der Bäume. An dieser großen Eiche dort, hatte sie Klettern gelernt und sich bei ihren ersten Versuchen den Arm gebrochen. Dahinten hatte sie zum ersten Mal ohne Hilfe ein Feuer entfacht. Genau hier hatte sie ihre erste Falle ausgelegt. Für sie war das nicht einfach nur ein Wald, nicht nur Bäume und Sträucher. Für Sacoma war jedes Blatt, jeder Grashalm eine Erinnerung. Blind hätte sie den Weg zum kleinen See gefunden, der eine Stunde östlich von Zafs Hütte lag. In seinen kühlen Wassern hatte er ihr das Schwimmen beigebracht. Wollte sie zur Höhle, aus der er sie gerettet hatte, müsste sie noch einmal zwei Stunden nördlich laufen. Sie wusste, dass der alte Wald an drei Seiten von Grasland umgeben war und nur an den gesamten Südrand drückte sich ein junger, lichter Wald, wie ein verängstigtes Kind an seinen Vater. Bald erreichte sie die erste ihrer Fallen und fand darin einen kleinen Hasen vor. Freudig befreite sie ihn von der Schlinge und nahm in gleich vor Ort und Stelle aus. Sie hatte schon ein Weilchen kein Fleisch mehr gegessen und freute sich daher umso mehr auf den Geschmack des flinken Tieres. Sacoma verstand nicht, wie Zaf vollkommen auf diese Köstlichkeit verzichten konnte. Als sie ihn einmal danach gefragt hatte, war seine Antwort undurchschaubar gewesen. Er hatte sich seine geliebte Pfeife angesteckt und nur gemeint, dass sein Gewissen es ihm nicht erlauben würde etwas zu essen, das einmal Gefühle gehabt hatte. Irritiert hatte sie damals gesagt, dass das aber der Lauf der Welt wäre. Die Starken würden immer die Schwachen jagen. Doch er war bei seiner Meinung geblieben und sie hatte sich damit abgefunden.
Als Sacoma zur kleinen Hütte zurückkehrte, war Zaf schon wach. „Ich dachte schon, du hättest unseren Unterricht vergessen.“ „Um nichts in der Welt würde ich den vergessen!“, ihre Worte troffen vor Ironie. „Womit darf ich mich denn heute beschäftigen?“ Während sie sprach hängte sie den Hasen an einen Haken und warf ihren Mantel über das Fußende ihres Bettes. Ihr Mentor reichte ihr stumm eine Rolle Pergament. Neugierig las Sacoma die ersten Worte darauf. Ein Igel ernährt sich hauptsächlich von Insekten und Würmern. Sacoma warf ihm mit hochgezogenen Augenbrauen einen kritischen Blick zu. „Jedes Lebewesen unter der Sonne ist wichtig. Selbst das kleinste kann den Lauf der Geschichte verändern!“ Die junge Frau verdrehte bei seinem belehrenden Tonfall nur die Augen. „Ich sag doch gar nichts.“ Seufzend setzte sie sich an den Tisch und begann die Schrift zu studieren. Dann lass mal hören, was du für ein ungemein spannendes Leben hast, mein stacheliger Freund. Seit fünfzehn Jahren verbrachte sie jeden Vormittag über Schriftrollen. Zuerst hatte Zaf ihr Lesen und Schreiben beigebracht und dann folgte die große und vielfältige Welt der Tiere. Sacoma konnte nicht einmal zählen, wie viele Arten sie im Laufe der Zeit schon kennen gelernt hatte. Aber damit war es nicht genug. Sie spielten oft ein Spiel, indem Zaf ihr Geschichten erzählte und sie musste die Handlungen der Menschen darin bewerten. Hatten sie gut gehandelt? Was hätte sie anders gemacht? Manchmal musste Sacoma mehrere Tage überlegen, bevor ihr eine Antwort einfiel, mit der Zaf zufrieden war.
Normalerweise machte Sacoma das Lernen Spaß, doch heute gelang es ihr nicht richtig sich auf die Worte zu konzentrieren. Ihre Gedanken wanderten immer wieder zu der vergangenen Nacht und ihrem Traum zurück. Sie hatte Zaf noch nie davon erzählt. Sie wusste nicht genau warum das so war, doch bisher hatten sie die Bilder auch nicht so verfolgt, wie heute. Unsicher sah sie zu ihrem Mentor. Wie immer saß er ihr Pfeife rauchend gegenüber und durchsuchte eine Kiste voller Schriftrollen nach neuem Lehrmaterial. Seit dem Tag, als er sie aus dem Sturm gerettet hatte, hatte er sich so sehr verändert. Sein einstmals dichtes Haar, war ihm Stück für Stück ausgefallen, sodass ihm die Vögel nun auf die altersfleckige Haut seiner Glatze schauen konnten. Zum Gehen brauchte er schon eine ganze Weile einen dicken Stock, auf den er sich schwer stützte. Seine starken Arme, die sie aus der Höhle getragen hatten, konnten nur noch leichte Lasten heben. Doch für Sacoma, sah er so aus, wie immer. Sie sah nicht seinen dahinscheidenden Körper, sie sah die Kraft in seinen Augen, hörte die Macht in seinen Worten und spürte die Stärke seines Geistes. Vielleicht weiß er ja, wieso ich immer wieder von diesem Mann träume. Warum er mich verfolgt. In diesem Moment sah Zaf auf, als hätte er ihren Blick gespürt. Vorsichtig ließ er die Schriftrollen in seiner Hand zurück in die Kiste gleiten. „Komm mit.“ Schon verschwand er durch die Tür nach Draußen. Jetzt oder nie. Entschlossen stand Sacoma auf und folgte ihrem Mentor auf die Lichtung. Sie fand ihn bei dem kleinen Gehege ihrer Ziege Imi. „Bring mir doch bitte den Milchkrug von dort drüben!“, er deutete in die Richtung des Kruges. Seelenruhig begann er die Ziege zu melken und Sacoma fragte sich schon, ob er vorhatte überhaupt noch etwas zu sagen. „Erzähl mir, was dich so ablenkt.“ Die junge Frau sah ihm eine ganze Weile zu und versuchte, ihre Gedanken in Worte zu fassen, zu erklären, was an einem einfachen Traum, sie so verunsicherte. Zaf drängte sie nicht. Das hatte er nie getan. Geduldig, wie er war, hatte er ihre jede Frage beantwortet. Eine Welle der Liebe für den alten Mann vor sich überschwemmte Sacoma. Ja, er würde Rat wissen. „Ich habe diesen Traum. Beim ersten Mal konnte ich mich nicht an viel erinnern. Doch in der letzten Zeit träume ich immer wieder das Gleiche.“ „Was passiert in deinem Traum?“ Seine Hände arbeiteten unablässig weiter, während er sprach. Sacoma schluckte schwer. Mit der Erinnerung kam das bedrückende Gefühl zurück, verfolgt zu werden. Fast konnte sie den Schwefelgestank wieder auf ihrer Zunge schmecken und die Stimme des Fremden klang in ihren Ohren nach. „Er verfolgt mich. Ich weiß nicht, wer er ist oder wo ich bin. Die Luft ist heiß und es stinkt. Er ruft mich!“, ihre Worte wurden immer kürzer. Sprudelten immer schneller aus ihr heraus. „Er nennt mich seine Geliebte! Ich versuche zu entkommen und dann…“, sie brach ab, um flüsternd den Satz doch noch zu beenden, „dann falle ich in brennendes Gestein.“ Plötzlich packten sie kräftige Hände und Zafs Gesicht erschien wenige fingerbreit vor ihrem eigenen. „Wie sieht er aus? Der Mann?“ Als Sacoma nicht sofort antwortete, wurde sein Griff schmerzhaft eng. In seinen Augen konnte die junge Frau die nackte Angst erkennen. „Sag es mir! Wie sieht dein Verfolger aus?“ Stotternd wandte Sacoma ihren Blick ab. Zafs Angst wachte ihre eigne nur um so mehr an. „Ich kann ihn nicht sehen. Nur… dieses Mal hat er mich gepackt und sein Arm… sein ganzer Arm besteht aus…“ „… Lava.“ Zaf hatte sie losgelassen, doch sie konnte sehen, dass er seine Hände zu Fäusten ballte. „Bitte, was hat das zu bedeuten?“ „Der Mann in deinem Traum. Der Mann, der dich verfolgt, das ist ParvanGor.“ Die Stimme ihres Mentors brach vor Abscheu, als er den Namen aussprach. Endlich drehte er sich zu ihr um und Sacoma war entsetzt in seinen Augen Tränen zu sehen. „Es gibt etwas, das ich dir schon sehr lange erzählen wollte. Doch du bist so jung.“ Es schien als würde Zaf nun mehr zu sich selbst, als zu der jungen Frau sprechen. „Ich wollte dich nur noch ein bisschen länger beschützen. Die Welt ist so grausam.“ „Ich verstehe nicht.“ Ihre Angst mischte sich nun mit Verwirrung. Von was redete Zaf da? „ParvanGor ist die Geisel Alomandriëns. Seit fast dreihundert Jahren sitzt er auf dem glühenden Thron in seiner Burg Muterces und in all dieser Zeit hat er nichts als Gewalt und Zerstörung über das Land gebracht. Doch seine größte Gräueltat wurde vergessen oder sollte ich besser sagen, wurde aus dem Gedächtnis der Menschen gebrannt. Damals, als er ganz Alomandriën von den weiten Eisfeldern im Süden über die grünen Lande bis hin zum Kliff im Norden, von den trockenen Sandmeeren im Osten über den großen Wald bis hin zur Arii-See in Flammen steckte.“ Zafs Blick glitt in die Ferne. Es war Sacoma als könnte sie in seinen Augen die dreijahrhundertealten Feuer lodern sehen. Seine Stimme, leise, wie ein Windhauch, klang rauer, als der Felsen Grund. „Das Blut. So viel Blut. Es färbte die Flüsse rot, bedeckte Wiesen und Felder. Seine schwarze Armee zog über das Land her, wie eine Plage. Er hat sie alle getötet. Sie alle!“ Die Tränen hatten sich endlich einen weg ins Freie gebahnt und liefen nun als stumme Zeugnisse entsetzlicher Trauer über seine vernarbten Wangen. Sacoma konnte nicht mehr tun als ein Wort zu flüstern. „Wen?“
Kapitel 1 (1/4)
Nachdem ich euch bereits den Prolog vorgestellt haben, soll im folgenden Monat nun jede Woche ein Teil des ersten Kapitels folgen. Ich werde es euch in insgesamt vier Stücken präsentieren, sodass ihr unsere Protagonistin Sacoma kennen und hoffentlich auch bald genau so lieben lernt, wie ich.
Kapitel 1
Sacoma konnte ihn hinter sich hören. Ihr Atem ging schwer im donnernden Schlag ihrer Schritte. Die Nacht schloss sie bedrohlich ein und der Mond am Himmel, nicht mehr als eine schmale Sichel, vormochte die Dunkelheit nicht zu durchdringen. In ihrem Nacken konnte sie den kühlen Hauch seines Atems spüren. Seine Finger griffen nach ihr, doch sie riss sich mit einem verzweifelten Aufschrei los. Nur weg von ihm! Blindlings stürzte sie weiter durch eine ihr unbekannte Landschaft. Scharfe Felsen schnitten in ihre nackten Sohlen. Sie bemerkte den roten Schimmer gar nicht, der glühend über allem lag und lange Schatten warf. „Wo willst du hin, meine Gefährtin?“ Seine Stimme stahl sich in ihren Kopf, wie der stinkende Rauch, der aus den zahlreichen Felsspalten quoll und in ihren Augen brannte. Sacomas Herz raste und das Blut rauschte in ihren Ohren. Ihre Lunge schmerzte vom andauernden Rennen und der schwefelgeschwängerten Luft. Schmerzhaft blieb sie an einem schwarzen Felsen hängen, stürzte schwer auf alle Viere, doch sie rappelte sich sofort wieder auf. Plötzlich stand sie an einem steilen Abhang und unter ihr floss ein reißender Fluss – ein Fluss aus glühendem Gestein. Von der Lava ging eine solche Hitze aus, dass sie keuchend zurückstolperte. Da stand er vor ihr. Ein dunkler Schatten vor rotem Gestein. Er erschien Sacoma riesig. Sein Gesicht lag im Dunkeln unter der weiten Kapuze seines Umhangs verborgen. „Meine Auserwählte, wieso flüchtest du vor mir?“ Er streckte ihr eine Hand, weiß, wie Marmor, entgegen. „Komm zu mir!“ Tief in ihrem Innersten spürte Sacoma, dass seinen Worten eine enorme Macht inne lag. Er ruft nach mir. Nein! Er befielt mich zu sich. Wie in Trance nahm sie seine Rechte und ließ sich von ihm aufhelfen. Als sie vor ihm stand, zog er sie noch näher an sich. Sacoma war, wie erstarrte. Sie vermochte sich nicht zu rühren, obwohl alles in ihr sie zur Flucht antrieb. Er besaß eine Macht über sie, die sie bewegungslos verharren ließ. Sein Gesicht nährte sich dem ihren bis es nur noch wenige fingerbreit entfernt war. Sie konnte seine geflüsterten Worte auf ihrer Wange spüren. „Komm zu mir, Geliebte!“ Da konnte sie seine Augen sehen. Entsetzt schrie sie auf und stieß ihn von sich. „Nein!“ Rückwärts wich sie vor ihm zurück. Doch er hielt sie fest. Mit Grauen erkannte sie, dass sein linker Arm glühte. Steinern gruben seine Finger sich in ihr Fleisch und hinterließen dabei eine schwarze Spur aus verbrannter Haut. Sein ganzer Arm bestand aus Lava. „Du kannst mir nicht entkommen! Du bist mein!“ Er drängte sie mit jedem Wort weiter zurück. Plötzlich spürte sie den Boden unter ihren Füßen wegbrechen und mit einem stummen Schrei fiel sie in den brennenden Fluss aus Gestein. Das Letzte, was Sacoma sah, waren seine Augen, die aus grenzenloser Schwärze zu bestehen schienen.
Sacoma erwachte schweißgebadet. Ihre Decke hatte sich eng um sie geschnürt, während sie sich im Traum herumgeworfen hatte. Es war dunkel in der kleinen Hütte, doch vor ihren Augen flimmerte noch die rote Glut aus ihrem Traum. Nur langsam beruhigte sich Sacomas Atmung wieder. Unwirsch strampelte sie sich aus ihrem Bettzeug frei und zog sich stumm an. Leise, um Zaf nicht zu wecken, trat sie nach draußen. Wieder dieser Traum. Warum träume ich immer wieder das gleiche? Wer ist er? Wenn Sacoma ihre Augen schloss, konnte sie ihn vor sich sehen. Es war immer der gleiche Mann. Er verfolgte sie durch eine Felsenlandschaft. Nannte sie seine Geliebte und dann fiel sie. Schwer ließ sie sich in das Gras am Rand der kleinen Lichtung sinken, die seit fünfzehn Sommern ihr Zuhause war. Das Schwarz der Nacht macht langsam einem sanften Grau Platz und im Osten kleidete sich der Horizont in immer hellere Farben. Der Morgen nahte. Doch noch behielt die Nacht die Oberhand. Kalt und klar schmückte sie sich mit abertausenden von Sternen. Vor langer Zeit hatte Zaf ihr einmal eine Geschichte erzählt. * Als die Zeit noch jung und die Welt gerade erst geboren war, gab es keine Lichter in der großen dunklen Weite des Nachthimmels. Jede Nacht wachte der Mond einsam auf und wünschte sich eine Gefährtin. Seine Schwester, die Sonne, konnte ihn nicht weinen sehen, doch jeden Morgen sah sie die Erde benetzt mit seinen Tränen. Sie hatten sich zu kleinen Tropfen auf Blätter und Gräser, auf Bäume und Büsche, auf Mensch und Tier gelegt. Als die Sonne das Leid ihres Bruders sah, beschloss sie ihm zu helfen. Geschwind schnitt sie einen Teil ihres Herzens aus ihrer Brust. Das Herzstück war voller Liebe für den Mond und sie formte einen Stern daraus. Dieser Stern würde niemals seinen Platz am Himmel verlassen. Doch wie sollte sie den Stern zu ihrem Bruder bringen? Da übergab sie ihr Herzstück einem Menschen. Es war ein junger Knabe. Die Sonne hatte ihn nie Böses tun sehn. Er hielt den Stern sicher in seinen Händen. Und die Sonne versprach ihm, würde er den Stern des Nachts zum Himmel schicken würde jede Seele nach dem Tode zu einem Stern. Der Knabe willigte ein, denn sein Großvater war alt und würde bald für immer die Augen schließen. Als es dann dunkel wurde und der Mond wieder allein seine Bahn zog, stieg der Knabe auf den höchsten Berg, den er kannte und schickte den Stern zum Himmel. Endlich war der Mond nicht mehr alleine und vor lauter Freude begann er zu weinen. Glücklich legte der Knabe sich schlafen. Doch am Morgen wurde er von einer wütenden Stimme geweckt. Verängstigt trat er aus dem Haus. Die Sonne schrie ihn zornig an, wieso hatte er sein Versprechen nicht gehalten? Sah er denn nicht die Tränen ihres Bruders. Aber der Knabe widersprach. Das waren keine Tränen der Trauer, es waren Freudentränen. Die Sonne glaubte ihm jedoch nicht und ergriff ihn mit brennender Hand. Sie drückte ihn an sich in eine tödliche Umarmung. Der Junge schrie nicht. Stattdessen wiederholte er seine Worte und die Sonne konnte spüren, dass er die Wahrheit sprach. Doch die Erkenntnis kam zu spät – der Junge war tot. Trauernd hielt sie in drei Tage in den Armen und kleidete sich in ein schwarzes Gewand zum Zeichen ihrer Trauer. Nach dieser Zeit verwandelte sie seine Seele in einen unsterblichen Stern und schickte diesen zu ihrem Bruder, auf dass er jetzt und in alle Zeit über die Seelen der Toten wachen solle. * Da hatte Zaf geendet und ihr entschieden erklärt, dass dies nur eine der vielen Geschichten war, mit denen die Menschen versuchten sich die Dinge zu erklären, die sie nicht verstanden. Die Sterne am Himmel waren nichts weiter als Sonnen, soweit entfernt, dass sie es sich nicht einmal vorstellen konnten und der Mond war kein Wesen, das an einem einsamen Herzen litt, er war nichts weiter als kalter Stein. Doch sie hatte ihm schon gar nicht mehr zugehört. Ihre Gedanken waren über den grenzenlosen Nachthimmel gewandert, zwischen unzähligen Sternen hindurch, von den zwei vielleicht ihre Mutter und ihr Vater waren. Auch in dieser Nacht rief der Glanz der Sterne Erinnerungen an ihre Eltern wach. Oder besser gesagt, an das riesen große schwarze Loch, das dort war. Sie konnte sich einfach nicht an sie erinnern. Ihre Eltern waren tot. Dessen war Sacoma sicher, obwohl Zaf es nie ausgesprochen hatte. Wo seid ihr jetzt? Sie konnten doch nicht verschwunden sein. Es musste einfach noch mehr da sein! Aber sie konnte es sich nicht vorstellen. Sollte es ein Leben nach diesem geben? Ein unendlicher Kreislauf, indem der Tod nur ein Schritt auf dem Weg war? Das würde bedeuten, dass irgendwo auf der Welt ihre Eltern noch lebten. Müsste ich sie dann nicht irgendwie spüren können? Doch es fühlte sich nicht so an. Vielleicht waren sie nach ihrem Tod, aber auch an einen anderen Ort gegangen. Ein Ort, den es auf dieser Welt nicht gab, indem Leid und Schmerz keine Rolle spielten. Vielleicht würden sie sich dort alle wieder sehen. Das war ein tröstlicher Gedanken. Sacoma wollte dran glauben, an eine Chance ihren Eltern wieder begegnen zu können. Doch wo soll dieser Ort sein? Im Himmel? Sind die Sterne tatsächlich die Seelen der Toten? Zaf sagt, nein. Er sagt, dass man nach seinem Tod aufhört zu existieren, dass ein Leben genug sein muss. Und ich… ich glaube, es auch nicht. Das Leben es zu schön, zu großartig, als dass wir auf mehr hoffen dürften. Sie konnte nicht sagen warum, aber tief in ihrem Innern, war sie sich sicher, dass sie die wahre Antwort auf die Frage noch nicht gefunden hatte. Der Traum und die Erinnerung an ihre Eltern hatten Sacoma in eine melancholische Stimmung versetzt. An Schlaf war jetzt nicht mehr zu denken, also machte sie sich auf den Weg ihre Fallen vom Vortag zu kontrollieren. Vielleicht würde ja das saftige Fleisch eines würzig angebratenen Hasen sie auf andere Gedanken bringen.
Die Alten Völker
Wie versprochen werde ich euch heute etwas über die Alten Völker erzählen. Ich werde mich dabei den Worten Flims bedienen. Er ist ein weiser Mann, der Sacoma am Beginn ihres Abenteuers hilft sich mit ihren neugewonnenen Fähigkeiten vertraut zu machen und sie in die Mythen Alomandriëns einführt.
„Lange bevor die Menschen auf ihren Schiffen dieses Land entdeckten lebten hier Wesen. In der weiten, tiefen Arii-See im Westen lebten die Umihan, die zurückgezogen in ihrem Unterwasserpalast Schätze hüteten. Im Süden, in den kältesten Regionen wohnte die weitentwickelte Kultur der Geluprie. Ich rede von riesigen Muskelbergen mit einem messerscharfen Verstand und einem fast magischen Gespür für das Wesen einer Person. Weiter im Osten, in den Bergen, in Tälern, die nie das Sonnenlicht erreichte, lebten die Kamohri. Auf ihren Flügeln, die aus reinem Licht gemacht schienen, gaben sich die Farben der Welt selbst die Ehre. Am trockensten Ort des Landes, der östlichen Wüste lebten die Gessu. Gewaltige, nackte Stränge von der Länge eines jahrhundertealten Baums. Faltig und runzlig in der Trockenzeit, doch sobald der manchmal Jahrzehnte aussetzende Regen kam, füllten sie ihre Bäuche und wurden prall und glatt. Im Norden, in den Lavafeldern lebten dunkle Gestalten. Gestalten, deren Namen von solcher Bösartigkeit sind, wie ihr Wesen. Wir nannten sie Aetuarde.
Einige dieser Wesen leben noch heute, auch wenn die Welt sie schon längst vergessen hat. Zurückgezogen in ihren Verstecken warten sie auf die Zeit, in der sie zurück ans Licht geführt werden, in der sie nicht nur stumme Zeugen, sondern Mittelpunkt der Geschichte sind.
Doch eine Rasse fehlt noch. Über sie gibt es keine Aufzeichnungen, kein Gebäude, kein Kunstwerk, nichts. Laut unseren Gesetzen haben sie nie existiert. Nun nach all diesen Jahren werde ich ihren Namen wieder ins Gedächtnis der Zeit rufen. Die Verspiler.“
Sacoma zuckte zusammen. Flim sprach von ihr, von ihrer Rasse.
„Einst besaß schon ihr Name allein solche Magie, dass ein Raunen die Luft erfüllte und ein Windhauch blies. Die Versipeler lebten nicht an einem festen Ort, denn sie waren an nichts gebunden. Sie waren so frei, dass noch nicht einmal ihre eigene Gestalt sie halten konnte. Wollten sie ein Vogel sein – waren sie einer. Wollten sie ein Fisch sein – schwammen sie durch die Gewässer dieser Welt. Manche lebten seit ihrer Geburt in einer Gestalt und verließen sie nie, andere wandelten nicht einen Tag lang in der gleichen Form. Unter ihnen lebten die stärksten Kämpfer, die klügsten Wissenschaftler und die geschicktesten Künstler. Bei allen Rassen waren sie beliebte Gäste, denn ihre Ankunft verhieß Glück.“
Ich liebe es, wenn ein Buch auch eine Karte des Landes, in dem es spielt, enthält. Vielleicht kennt ihr das auch? Mir macht es Spaß, den Weg des Helden darauf nachverfolgen zu können.
Wie jede Geschichte hat natürlich auch meine eine Welt, in der sie spielt. Der Kontinet, auf dem Sacoma ihre Gefechte schlägt, trägt den Namen Alomandriën.
Damit ihr in den folgenden Beiträgen nachvollziehen könnt, wo genau unsere Heldin sich gerade befindet, habe ich eine Karte von Alomandriën gezeichnet. Da ich weiß, dass meine Stärke nicht im Zeichnen liegt, bitte ich euch auch hier um ein wenig Nachsicht. Sie soll lediglich zur Orientierung dienen.
In meinem nächsten Beitrag möchte ich euch etwas über die Alten Völker Alomandriëns erzählen. Ihr werden von den einfühlsamen Geluprie, den geheimnisvollen Kamohri, den vergessenen Gessu, den bösartigen Aetuarde, den verborgenen Umihan und natürlich von den vernichteten Versipelern hören.
Von der ersten Seite an
Mich muss ein Buch direkt von der ersten Seite an fesseln, so dass ich es gar nicht mehr aus der Hand legen will. Vielleicht geht es euch ja genau so.
Um euch nun mein Buch etwas näher zu bringen, möchte ich euch mit einer kleinen Leseprobe gerade dieser ersten paar Seiten einen Vorgeschmack auf es geben:
Prolog
Riesige Blitzgebilde erhellten die Nacht und Donnergrollen, wie Paukenschläge, dröhnte durch den Wald. Regen durchtränkte die Erde. Ein wütender Wind beugte die jahrhundertealten Bäume. Das kleine Mädchen saß zusammengekauert in einer Höhle. Sie wusste weder wie sie hier her gekommen war, noch wusste sie ihren Namen. In der Tat wusste sie überhaupt nichts bis zu dem Moment, als ein Donner so laut wie ein einstürzender Berg, sie geweckt hatte. Ängstlich drückte sie sich an die Wand in ihrem Rücken, ohne dabei die Ecken und Spitzen zu bemerken, die sich in ihr Fleisch bohrten. Sie roch altes Laub, das in kleinen Haufen die Höhle füllte. Aber in dieser Nacht lag noch ein anderer Geruch in der Luft – ein Geruch nach Schicksal.
Ein Blitz, der ihre Augen blendete, vereinte sich mit einem Donnerschlag, der ihre Zähne auf einander schlagen ließ, zu einer schaurigen Gemeinschaft. Da stand plötzlich eine riesige Gestalt im Höhleneingang. Das Mädchen, das gerade einmal seinen sechsten oder siebten Sommer erlebt hatte, konnte nicht erkennen, welches Wesen dort draußen im Regen stand. Sie hatte solche Angst, dass sie noch nicht einmal einen Schrei herausbrachte. Es kam unaufhaltsam auf sie zu. Wimmernd versuche sie, weiter in die Höhle zu kriechen, doch es ging nicht. Hinter ihr war nur kalter, nasser Stein. Nur noch ein paar Meter und es hätte sie erreicht. Noch zwei Schritte. Sie hielt den Atem an. Es stand vor ihr, keine Armlänge entfernt.
Plötzlich erhellten drei dicht auf einander folgende Blitze die Szenerie und gaben der Gestalt eine Form. Es war ein einfacher Mann, der seine besten Tage schon hinter sich hatten. Er trug einfache Kleider, die vom strömenden Regen durchnässt an seinem Leib klebten. Sein rabenschwarzes Haar war mit Grau durchsetzt und eine lange Narbe entstellte seine rechte Gesichtshälfte. Struppige Augenbrauen und ein verfilzter Bart verlieh ihm ein buschiges Aussehen.
Keuchend begann das Mädchen wieder zu atmen. Der Mann roch wie ein Tannenwald im Frühling – nach Harz. Sie konnte sich nicht daran erinnern, woher sie das wusste. Er streckte ihr seine großen Hände, die zahlreiche Narben aufwiesen entgegen. Sie blickte in seine Augen. Sie waren braun mit grünen Punkten gesprenkelt, wie die Rinde eines alten Baums, der schon leicht von Moos bewachsen war. Eine glühende Wärme schien in seinem Blick zu liegen und das kleine Mädchen begab sich in seine Obhut. Feste hielt er sie und spendete ihr Geborgenheit. Er legte ihr vorsichtig seine nasse Jacke um den nackten Leib.
Plötzlich erklang die Stimme eines Wolfes in der Nähe, genau im selben Moment erleuchtete ein Blitz das Ganze und nur wenige Wimpernschläge später führten Donnerschläge das traurige Lied zu einem imposanten Höhepunkt. Als die Symphonie ein abruptes Ende fand. Selbst der Wald schien den Atem anzuhalten. Wieder erklang das Lied der Wölfin und es war ohne Zweifel eine Wölfin, denn nur eine Mutter, die ihr Kind verloren hatte konnte diesen Schmerz empfinden. Immer weiter entfernte sie sich bis nur noch ein einzelner Ton in der Luft schwebte. Der Abschiedsruf der Wölfin klang fast wie Menschenweinen.
Niemals im Leben würde das Mädchen dieses Trauerlied vergessen. Der Mann in dessen Armen sie lag, blickte sie direkt an.
„Wie ist dein Name?“
Doch sie konnte sich nicht erinnern.
„Ich weiß es nicht“, flüsterte sie.
„Ich denke, dein Name ist Sacoma.“ Es klang richtig in ihren Ohren. Ja, das war wohl ihr Name.
Beruhigt schlief Sacoma ein. Der Mann trug sie im Schutz seiner starken Arme durch die Nacht und den Sturm zu einer kleinen, kreisrunden Hütte. Im Inneren war es angenehm warm. Ein knisterndes Feuer erhellte mit seinem warmen Schein den Raum. Es roch nach Kräuterbüscheln, die an der ganzen Decke verteilt hingen. Er legte die schlafende Sacoma in sein weiches Bett aus Moos und breitete fürsorglich eine dicke Wolldecke über ihr aus. Dann ließ er sich in einen alten Lehnstuhl nahe dem Feuer sinken. Lange blickte er in die Flammen, die gierig an den für sie so lebenswichtigen Holzscheiteln nagten.
Hier in seiner kleinen Hütte in Mitten des alten Waldes schlief die letzte Hoffnung Alomandriëns. Er würde über sie wachen bis ihre Zeit gekommen war.
Der erste Eintrag
Dies ist mein erster Eintrag in meinem ersten Blog überhaupt. Also bitte seid nachsichtig mit mir, wenn noch nicht alles perfekt ist. Vielleicht sollte ich zu Anfang etwas über mich selbst erzählen und warum dieser Blog überhaupt entstanden ist
Ich heiße Alina und bin 22 Jahre alt. Solange ich mich zurückerinnern kann liebe ich Geschichten. Daher ist es nicht verwunderlich, dass ich nie ohne ein Buch aus dem Haus gehe. Ich gehöre zu der Art Lesern, die sich auf ein neues Buch gerade zu stürzen und es so schnell wie möglich durchlesen. Allerdings habe ich auch kein einziges Buch im Regal stehen, das ich nicht mindestens zweimal gelesen habe.
Seit ein paar Jahren habe ich entdeckt, dass ich neben dem Lesen noch eine andere Leidenschaft habe – das Schreiben. Es fing alles an mit ein paar kurzen Geschichten, die ich meist nebenbei aufschrieb. Doch nach und nach erwachte in mir der Wunsch, etwas Größeres zu schreiben. Seit nun mehr fünf Jahren ist eine Geschichte in meinen Gedanken herangewachsen, deren ersten Teil ich Stück für Stück niederschrieb.
Es ist diese Geschichte, die den Namen „Sacoma“ trägt, welche ich euch vorstellen möchte und für die ich diesen Blog geschaffen habe.
„‘Wenn Böses mit Angst herrscht, wird sie, die Letzte derer, die keine Gestalt haben, mit Licht und Mut kommen. Sie ist das Gegengewicht, was das Gleichgewicht bringt. ‘ Sacoma, das bist du. Du bist kein Mensch. Du bist eine Versipelerin, die Letzte. Wir brauchen dich, wir alle. Du bist unsere einzige Hoffnung auf Rettung.“
Es sind diese Worte, die Sacoma aus ihrem altbekannten Leben reißen, hinein in eine Reise, an deren Ende entweder ihr Tod oder die Befreiung aller Lebewesen des Landes Alomandriëns steht…