Am Flohmi gestern wollte mir der Mann da diese zwei Korkzieher verkaufen, bei denen das Spiraldings der Pimmel vom Bub ist. Stattdessen hab ich einen Güggel-Kleiderhaken gekauft. Ich wollte einen Löwen oder Hasen oder sowas in die Richtung, aber so ists eigentli no easy, weil ich bin glaubs im Chinasternzeichen eh Güggel. Oder ein Schwein. Man weiss das halt amigs nie so genau, wenn man sich nicht um entsprechende Aufklärung bemüht. So auch im Falle meines ausser Kontrolle geratenen Projekts, dem Flur: An irgendeinem Tag zu irgendeiner Zeit in irgendeinem Bett wohl über Umwege dem Gedanken aufgesessen, dass meinem Flur ein sattes Violett gut stehen würde. Also ein Purpur. Also einfach diese Farbe, die mir eben noch gefällt, obwohl ich sie nie als Lieblingsfarbe erwähne. Dazu ist sie mir dann doch zu New Age. Aber seit jenem Einfall muss ich meine Affinität zu dieser Farbe ja auch nirgends mehr bekannt geben, weils eh jeder bei mir zuhause nachsehen kann. Jedenfalls dulden solche Pläne keinerlei Aufschub. Und deswegen schon gar keinen zweiten Gedanken oder so etwas wie eine kleine Machbarkeitsstudie vorab, einfach um auch mal abzuchecken, wie dieser Plan denn eigentlich mit dem Ablauf eines Wochenendes harmonieren könnte. Die Disharmonie ist in diesem konkreten Fall also signifikant, wie ich jetzt mal zu Protokoll geben möchte. Nicht, dass ich nicht mein Möglichstes getan hätte, das Ding durchzuziehen, aber ich wurde überrascht von den Wänden. Vom ersten Tag in dieser Wohnung habe ich mit einem nicht ganz unbedeutenden Ekel immer mal wieder meinen Blick zur Decke schweifen lassen und mit ebensolchem Missfallen diese komischen, quadratischen und vor allem so irre strukturierten Platten beobachtet, aus denen meine Decke zusammengesetzt ist. Es sieht aus wie Wurmfrass durch einen dieser Mensa-Börger aus zusammengestampften unidentifizierbaren Substanzen und ist eigentlich bi Goscht nicht das, was man über sich haben möchte, wenn man im Bett oder auf der Couch oder überm Esstisch liegt oder meinetwegen auch auf dem Boden. Den neu erworbenen Farbroller erwartungsvoll von unten nach oben rollend musste ich dann aber feststellen, dass es diese zerfurchte Decke nicht in ihren kühnsten Träumen mit meinen Wänden im Flur aufnehmen kann. Ich war aso durchaus überrascht. Und was ich auch nicht wusste: Es gibt so Löchli, da will die Farbe ums Verrecken nicht hin - und davon gibts reichlich. Sie sind zwar mega klein, und man würde meinen, darum seien sie unbedeutend. Aber: uh huere falsch gedacht. Diese winzigen Siechen machen mich fertig. Gestern Abend war das noch nicht so ein Problem, da fand ichs irgendwie romantisch, auf dem schmutzigen Boden zu sitzen, zur Musik zu krächzen und mit dem Spezialpinsel für Dispersionsfarben und einem Gutsch New Age diese renitenten Dellen zur Konformität zu zwingen. Aber da fand ich die farbige Wand insgesamt auch noch schön.