Warum das Drachengame wichtig ist
Letzte Woche habe ich dem Drachenlord ein Paket geschickt. Ich hatte ihm eine 5XL-Jacke mit "France" als Aufschrift bei einem Online-Shop gekauft und vorab bezahlt.
Das Geschenk erschien mir passend, weil es für einen fränkischen Drachenlord mit Lese- und Rechtschreibschwäche keinen Unterschied macht, ob "Franke" mit "c" oder "k" geschrieben wird. Stattdessen ist wichtig, dass 5XL gerade noch passt.
Ich ließ das Packerl vom Händler direkt nach Altschauerberg schicken, doch die Annahme wurde vom Drachenlord verweigert. Logisch, dachte ich danach: der Bub kriegt andauernd auf seinen Namen bestellte Waren zugeschickt - an Altschauerberger Realitäten hatte ich noch gar nicht gedacht. Ich dachte, er nimmt das Paket, sieht beim öffnen, dass das Zeugs bezahlt ist und freut sich. Eindeutig zu kurz gedacht.
Auf YouTube und anderen Formaten wird viel darüber gesprochen, ob das, was dem Drachen passiert, Mobbing darstellt und der Drachenlord dafür Mitleid verdient.
Ich persönlich vertrete die Meinung: nein, auf gar keinen Fall. Denn das Drachengame stellt für den Drachenlord die Grundlage seiner Existenz dar. Würde man diese ihm nehmen, wäre er in jeglicher Hinsicht nicht mehr existenzfähig und würde entweder nur noch dahinvegetieren oder sich umbringen.
Die Lebensgrundlage des Drachenlords
Rainer Winkler lebt von Streaming-Werbeeinnahmen, Spenden, Care-Paketen von Fans und dem Verkauf von Merchandise-Produkten wie Poster oder T-Shirts.
Das ganze Konzept funktioniert, weil sich um ihn herum wie eine Blase eine Haider-Gemeinde gebildet hat, die das mediale Aufmerksamkeitskarussel am laufen hält und aufgrund ihrer Handlung Mitleid generiert. Denn wieviel Menschen schicken Rainer Winkler gutwillig Geld, damit er endlich mit streamen aufhört und von der Netz-Gemeinde in Ruhe gelassen wird?
Viele seiner früheren Unterstützer sind selber zu Haider geworden, weil der Drachenlord gutgemeinte Ratschläge und Hilfen als Angriffe auf seine Person wahrnahm und darauf aggressiv reagierte. Selbst Nietzsche’anische Übermenschen wie Imp und Dorian haben das Drachengame ursprünglich als Supporter begonnen.
Daraus schlussfolgere ich, dass der Drachenlord das Konzept von Hass und Liebe nicht begreifen kann. Ebenso wenig wird er wahrscheinlich mit Begriffen wie Mitleid und Mitgefühl anfangen können.
Drachenlord sagt ab und zu, dass er unter dem Drachengame leidet, mitunter baut er aber noch in denselben Satz die Aussage ein, dass er als Symbol für Cybermobbing gelten will. Und will er ein Symbol sein, braucht er dafür das Cybermobbing.
Ich gehe davon aus, dass "leiden” für den Drachenlord nichts weiter als ein Wort ist, den er im Laufe des Lebens mal aufgeschnappt hat. Ob er unter dem Begriff dasselbe fühlt und versteht wie Otto-Normalbürger, bezweifle ich.
Ich will hier nicht darüber urteilen, ob der Drachenlord Mobbing verdient oder als Person gut oder böse ist. Das einzige, was ich vermitteln möchte, ist, dass der Drachenlord das Drachengame braucht.
Das Drachengame ermöglicht Rainer Winkler trotz offensichtlicher Geistesschwäche ein selbständiges Leben zu führen. Er kann ohne amtliche Aufsicht alleine in Altschauerberg wohnen und schafft es irgendwie, dass sein baufälliges Elternhaus nicht ganz in sich zusammenbricht.
Um das zu können, braucht der Drachenlord Geld. Und würde das Drachengame beendet werden, sei es indem ihm die Menschen keine Aufmerksamkeit mehr schenken oder Bayerns Behörden ihm die Veröffentlichung von Online-Videos zu seinem Schutz verbieten - beispielsweise, indem man ihn irgendwann rechtlich entmündigt -, gäbe es wahrscheinlich nichts mehr, was den Drachenlord am Leben hält. Zurück bliebe der Junge, der zuhause im Keller eine Dildowand besaß und deren Funktion seinen Zuschauer vorführte, um dadurch Spenden zu generieren.
Was sollte der Drachenlord ohne das Drachengame machen? Oder anders gefragt: wer stellt eine 170 Kilogramm schwere Person mit Sonderschulabschluss ein, die für’s Nachmittagsprogramm absurde Selbstbefriedigungspornos dreht? Du etwa? Mit Sicherheit nicht! Wer dann? Richtig: wahrscheinlich keiner! Und selbst wenn: als was? Vielleicht als Tierpfleger? Zwei erfrorene Hamster und ein verhungertes Pferd sprechen dagegen.
Verliert Drachenlord das Drachengame, indem es aufhört, verliert Rainer Winkler die Existenzgrundlage. Was ihm dann bleibt, keine Ahnung. Möglicherweise Selbstmord. Und wer will das schon?
Deshalb bin ich ein Befürworter des Drachengames: was für andere Menschen Gift darstellt, ist das Elixier, das den Drachenlord am leben hält. Will man ihn zerstören, muss das Drachengame zu spielen aufhören. Und das will wahrscheinlich niemand außer solchen, die es ohne viel Ahnung von Hintergründen gut mit anderen meinen.










