2. Mai 2024
Die letzten raren Papierschätze
"Ich habe deine Uni übrigens bestohlen. Ich habe vier Blatt Druckerpapier aus dem Drucker in deinem Büro mitgenommen", sage ich zu Aleks.
Das Papier brauche ich, um mir darauf Notizen zu machen für eine Arbeit, bei der es günstig wäre, zwei Geräte zu haben. Weil Tee das Mainboard meines Laptops zerstört hat, habe ich im Moment nur durch Glück überhaupt ein einziges Gerät, das gute alte Chromebook.
Bisher habe ich für meine Notizen die Rückseite einer Ebay-Rechnung über dauerelastischen Schuhkleber verwendet. Den Schuhkleber habe ich gebraucht, um das reparierte Handy von Aleks wieder zuzukleben. Meine Schuhe habe ich damit auch geklebt (zwei Paar), und es gefällt mir, dass es Substanzen gibt, mit denen man so unterschiedliche Dinge wie Schuhe und Handys reparieren kann. Aber jetzt ist die Rückseite dieser Rechnung vollgeschrieben, und ich weiß schon von anderen Gelegenheiten, dass dieser Haushalt kein leicht auffindbares Notizpapier enthält.*
"Das ist nicht mein Druckerpapier, das ist das von Roger", sagt Aleks. "Ich drucke schon lange nichts mehr, ich weiß gar nicht, ob der Drucker überhaupt noch funktioniert. Früher, als ich noch gedruckt habe, vor der Pandemie, hab ich ab und zu heimlich ein bisschen Papier aus dem Drucker von Roger geholt. Ob Roger selbst überhaupt noch druckt, weiß ich nicht. Und wo er sein Papier her hat, auch nicht."
* Update: Nachdem er diesen Beitrag gelesen hat, erklärt Aleks, sein Haushalt enthalte sehr wohl noch Notizpapier, und überreicht mir eine blassgrüne, linierte Karteikarte im A4-Format, "noch aus der DDR". Davon ist ein etwa zwei Zentimeter hoher Stapel vorhanden. Das reicht bei unserem Papierverbrauch für immer.
(Kathrin Passig)









