Januar 2023
Mein neues Telefon ist genau so dumm wie das alte. Aber auf dem Stand der Technik!
Seit Jahren nutze ich (auch) ein dummes Mobiltelefon – dumm deshalb, weil es im Unterschied zu einem Smartphone auf die Funktionen Telefonieren und SMS beschränkt ist. Also ein Telefon und nicht die Internetzugriffsmaschine im Hosentaschenformat. Das hat verschiedene Gründe, nicht der unwichtigste: Ohne (vergleichsweise) großen Bildschirm und ohne Datentransfer hält der Akku auch schon mal ‘ne Woche. Und, haha, die per SMS zugesandten Phishing-Links gehen ins Leere, weil sie ja gar nicht erst geöffnet werden.
Nun habe ich in den vergangenen rund 15 Jahren diese Telefone mehrfach ersetzt, besser: ersetzen müssen (vgl. Foto oben). Im Unterschied zu Smartphones nicht etwa deshalb, weil die Software nicht mehr aktualisiert werden konnte. Nein, sie waren einfach mechanisch kaputtgenutzt, die Tasten funktionierten nicht mehr, das Gehäuse war gebrochen... Vielleicht nicht ganz so überraschend bei einem ausgesprochenen Billigartikel, der in der Regel für umgerechnet 15 bis 20 Euro zu haben ist.
(Und im Gegensatz zur Annahme, die Kathrin Passig im Techniktagebuchredaktionschat äußerte: Nein, ich kaufe solche Handys nicht ausschließlich bei afghanischen Hufschmieden. Tatsächlich habe ich mir eines aus Südafrika mitbringen lassen, weil Nokia dieses Billigmodell damals auf dem europäischen Markt schlicht nicht anbot. Ein weiteres habe ich bei einem Straßenhändler auf Bali gekauft, aber auch welche ganz normal im deutschen Elektronikhandel.)
Technisch hat sich also bei diesen Dummphones über das vergangene Jahrzehnt nix geändert. Bis jetzt. Denn mein neuestes Handy dieser Art, in der Reihe oben ganz rechts, bietet im Grunde genommen nichts anderes als seine Vorgänger. Bis auf die Funkanbindung.
Denn inzwischen ist mir ein schwer wiegendes Problem der simplen Mobiltelefone aufgefallen: Sie funktionieren im älteren technischen Mobilfunkstandard der 2. Generation (2G), nämlich Global System for Mobile Communications (GSM) Das wird zwar, heißt es bei Wikipedia, so schnell in Deutschland nicht abgeschaltet werden. Aber Lücken sind dennoch spürbar: Mitten in Berlin habe ich in Telefonaten immer wieder Aussetzer oder gestörte Gesprächsverbindungen.
Als ich mich im Zusammenhang mit dem bundesweiten Warntag vor einigen Wochen mit der Frage befasste, ob denn auch die 2G-Telefone per Cell Broadcast gewarnt werden (so wie ich das mitbekommen habe, nein), stieß ich zufällig auf die Lösung: Mein Dummphone von Nokia wird inzwischen auch in einer 4G-Variante angeboten. Zwar dann fast doppelt so teuer wie das 2G-Modell, aber mit rund 40 Euro immer noch vergleichsweise günstig.
Und das neue Telefon vermittelt ein ganz neues Telefoniererlebnis. Mit einer Sprachqualität halt wie ein Smartphone. Nur ohne das smarte. Mal schauen, wie lange das (mechanisch) durchhält.
(Thomas Wiegold)










