Ca. 1991
Press Fire To Play
Ich studiere bereits in Berlin, fahre aber natürlich gelegentlich zu meinen Eltern in die niedersächsische Kleinstadt. Dort schaue ich manchmal im Kellergeschoss einer Kaufhausfiliale vorbei, wo einsam und quasi von der Welt vergessen ein Space Invaders-Automat steht, auf dem noch die ursprüngliche Version des Spiels von 1978 läuft. Das ist auch Anfang der 90er bereits ein bemerkenswerter Anachronismus und aus purer Nostalgie spiele ich dort gern ein paar Runden.
Einmal ist der Automat von einem ca. 12-jährigen Jungen belegt. Ich beschließe zu warten, aber er spielt überraschend gut und dementsprechend lange. Doch schließlich erscheint auch für ihn das ‘Game Over’.
Der Junge dreht sich zu mir um und fragt “willste auch?” Ich bejahe und er zieht den Piezo-Zündmechanismus eines Feuerzeugs aus der Tasche. Ich erkenne das sofort, weil wir uns damit in der Schule gern gegenseitig geärgert haben. Der Zündfunke wird durch hohe elektrische Spannung erzeugt, weswegen man dieses Ding auch als Miniatur-Elektroschocker einsetzen kann.
Er hält den Zündkontakt an die Metallplatte, in die der Joystick des Automaten eingelassen ist, drückt dreimal – zap! zap! zap! – und der Automat zeigt Credits für drei Spiele an, wofür man eigentlich drei Mark hätte einwerfen müssen.
Er grinst mich an und wünscht “viel Spaß!” Ich bedanke mich brav und beginne zu spielen.
(Virtualista)





