Im ersten Leben Professor - Interview mit Eric Affocou
Gestern ist er noch über die Bühne gewirbelt, hat die Nacht durchgetanzt, wir haben uns heute getroffen. Unter freiem Himmel. Eric Affocou lebt und arbeitet in Niamey der Hauptstadt von Niger in Westafrika. Er ist im Ensemble des Arène Theaters, das sich um den Autor und Regisseur Alfred Dogbé gegründet hat, der letztes Jahr verstarb. Sein Tod hinterließ eine große Lücke in der westafrikanischen Theaterszene. Beto und Eric sind Schüler von Alfred gewesen und machen weiter. Mit dem Theater. Auch wenn dazu fast alle Mittel fehlen.
Niagara Kate: Ich stelle allen Schauspielern die selben Fragen. Die Leute wechseln, die Fragen bleiben. Eric Affocou: Gute Idee. Niagra Kate: Es geht los: Marx oder Gandhi? Eric Affocou: Wiebitte? Niagara Kate: Karl Marx oder Mahatma Gandhi. Eric Affocou: Gandhi, der Inder? Niagara Kate: Ja genau. Eric Affocou: Und Marx? Niagara Kate: Ja. Eric Affocou: Marx. Marxmarxmarxmarx. Das war doch der, der gesagt hat, dass das Proletariat über die Bourgeoise herrschen soll. Niagara Kate: Genau. Wenn du zwischen den beiden wählen müsstest? Eric Affocou: Ich sehe Gandhi als Weiterentwicklung, weil Marx und keinen Weg aufgezeigt hat. Ich glaube, die Zeiten der Waffen sind vorbei, wir sind die Waffe, wir können uns auf den Weg machen, mit den Worten in unseren Mündern, gemeinsam. Niagara Kate: Also Gandhi? Eric Affocou: Beide sind auf der Seite der Unterdrückten. Niagara Kate: Und wenn du dich entschieden müsstest? Eric Affocou: Dann Gandhi. Niagara Kate: Ist das dein erstes Mal in Luxemburg? Eric Affocou: Ja. Es ist mein erstes Mal in Europa überhaupt. Weißt du, bei der Einreise hatten wir in Paris Visa-Probleme und wurden festgehalten. Wir wurden befragt und ich musste alle Fragen mit 1. Mal beantworten, das war sehr lustig. Niagara Kate: Wenn du Luxemburg mit einem Wort beschreiben müsstest? Eric Affocou: Schöne Stadt. Alle sind so freundlich, ich fühle mich wirklich sehr wohl hier. Einmal, das war 2005, da war ich in Algier, da konntest du nichtmal jemandem in die Augen sehen ohne, dass du gleich angemacht wurdest, da hatte ich zwischendurch richtig Angst, hier, hier ist es so angenehm, ich komme wirklich zu mir, es ist sehr schön hier. Niagara Kate: Und wenn du Niamey beschreiben müsstest? Eric Affocou: Zuhause. Niagara Kate: Hast du einen Herzenswunsch? Eric Affocou: Ja, darf ich ihn sagen? Niagara Kate: Ja, klar. Eric Affocou: Ich möchte als Schauspieler in meinem Beruf wachsen. Niagara Kate: Ist das euer Stil, der Komödienstil des Ensembles, mit dem du gestern aufgetreten bist? Eric Affocou: Es ist etwas sehr eigenes. Großes. Wenn du es vergleichst mit zum Beispiel dem was Patrick Corrilon gemacht hat mit seinem Tisch und den ganzen unglaublich tollen kleinen Sachen, das würden die Leute bei uns nicht angucken, weil der sich ja nur um den Tisch herum bewegt hat, da würden sich die Leute bei uns langweilen, die würden denken, der arbeitet ja gar nicht, der bewegt sich nicht auf der Bühne. Also nehmen wir uns die ganze Bühne. Niagara Kate: Was liebst du? Eric Affocou: Das Leben. Niagara Kate: Und dein Lieblingsgetränk? Eric Affocou: Wasser. Niagara Kate: Warum hast du dir diesen schwierigen Beruf ausgesucht? Eric Affocou: Aus Leidenschaft. Ich liebe das Theater, ich fühle mich auf der Bühne am wohlsten. Mein Vater hat 2 Jahre nicht mehr mit mir geredet, nachdem ich meine Professur aufgegeben habe, um professionell Theater zu spielen. Niagara Kate: Seit wann machst Du professionelles Theater? Eric Affocou: Seit 2002. Davor auch schon, aber nicht ausschließlich. Niagara Kate: Was ist dein Lieblingsort? Eric Affocou: Das Theater. Niagara Kate: Danke für das Interview. Eric Affocou: Was? Schon vorbei? Das ging ja schnell.











