Wie hat das Internet Liebe und Partnerschaft verändert? Fünf Antworten
Anlässlich der aktuellen Ausstellung „What is Love? Von Amor bis Tinder“ (bis 27. Januar 2019) haben wir vier verschiedenen Personen die Frage gestellt, wie ihrer Meinung nach das Internet Liebe und Partnerschaft beeinflusst. Hier die Antworten der Sexshop-Inhaberin, der Kuratorin der Bremer Ausstellung, der Sexualtherapeutin, der Traurednerin und Theaterregisseurin.
„Die Idee, dass es unüberschaubar viele Optionen für die Partnerwahl gibt, hat sich verstärkt. Das kann eine rastlose, ewige Suche motivieren. So bedeutet Liebe vielleicht, die scheinbar am allerbesten zu dir passende Partnerin gefunden zu haben.“
– Rosa, Fuck Yeah Shop
Der in Hamburg eröffnete Sexshop hat ein klares Ziel: mit Produkten zu Lust, Körper und Sexualität verhelfen. Aufgrund der Begeisterung zu Sex, unterschiedlichen Körpern und Begehren möchte der Fuck Yeah Shop eine Alternative zu den üblichen Läden schaffen – mit einem klaren feministischem Anspruch.Neben ausgewählten Sextoys, Gleitgel & Safer-Sex-Zubehör gibt es auch alternative Menstruationsprodukte, Gender Expression, Literatur, Filme, Pornos und Kunst, sowie Workshops und Kulturprogramm.
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„Wie die Bar sich als Ort in der Gesellschaft etabliert hat, so ist auch das Internet als neuer Ort hinzugekommen. Jeder Ort hat seine Eigenarten. Es gibt Orte an denen fühlen wir uns (nicht) in unserem Element, manche Orte passen für eine Partnersuche besser zu uns als andere.“
– Jasmin Mickein, Kuratorin der „What is Love?“ Ausstellung
„What is Love? Von Amor bis Tinder“ ist die erste museale Ausstellung die sich mit dem Phänomen Online-Dating auseinandergesetzt. Die Ausstellung umfasst Werke aus verschiedenen Epochen, die sich mit Liebe, Erotik oder Online Dating befassen. Die rund 60 Werke stammen vorrangig aus der Kunsthalle Bremen, die Arbeiten zum Thema Online-Dating sind internationale Leihgaben, die erstmals im Museum präsentiert werden.
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„Sex verabschiedet sich zunehmend aus verbindlichen Partnerschaften, da der Sog hin zu Alternativangeboten wie Pornografie, Casual-Dating und käufliche Sexualpartnern massiv zugenommen hat.“
- Frau Dr. med. Heike Melzer, Neurologin, Paar- und Sexualtherapeutin und Autorin
Die Sexualtherapeutin Heike Melzer beobachtet in ihrer Praxis täglich die Entwicklungen von Beziehungen, Sex und Liebe. Dabei geht Sex heutzutage auch ohne Partner. Denn dank zahlreicher Portale und Apps kann jede Vorliebe rund um die Uhr befriedigt werden. Intimität und Sexualität entkoppeln sich nach und nach von der Partnerschaft. Dies und die rasant wachsende Pornoindustrie bleiben nicht ohne Folgen für Beziehung, Privat- sowie Arbeitsleben. In ihrem Buch „Scharfstellung: Die neue sexuelle Revolution“ geht sie dieser Annahmen auf den Grund.
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„Durch die Erfindung des Internets gibt es jetzt Liebesgrüße immer und überall, egal wie spät, auch wenn es zu spät ist und auch egal wo Du bist (sogar hinterm Mond). „
- Alize Zandwijk, Künstlerische Leitung und Leitende Regisseurin Schauspiel vom Theater Bremen.
In der spartengreifenden Inszenierung „Amour“ befasst sich Alize Zandwijk mit Demenz und Mitmenschlichkeit. Was bedeutet es, die Kontrolle über Körper und Geist zu verlieren und auf eine mehr oder weniger bewusste Art und Weise unseren Mitmenschen ausgeliefert zu sein? Und was bedeutet das für all jene, die dies beobachten?
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„Durch das Internet werden viele Paare reizüberflutet. Ich sag nur: Hochzeit und Pinterest. Oft ertappe ich Bräute, die vor Ideen nicht mehr aufzuhalten sind: Da reichen selbst eine tolle Candybar und ein selbstgeschmückter Traubogen nicht aus. Hier kann ich nur sagen: Manchmal ist weniger auch mehr! Konzentriert euch lieber auf eure Liebe und den Tag, den ihr mit all euren Lieben feiern werdet.“
- Selina Wilson, freie Traurednerin
Als freie Traurednerin erhält Selina Wilson viel Einblick in die Planung von Hochzeiten und ist am Ort des Geschehens dabei. Durch ihre unterschiedlichen Erfahrungen mit Paaren, die kurz vor dem Bündnis der Ehe stehen weiß die Radio-Moderation genau welche Hindernisse und Hürden gemeistert werden müssen sowie welch tolles Gefühl durch die Liebe hervorgerufen wird.
Die Ausstellung „What is Love? Von Amor bis Tinder“ (7. Juli 2018 bis 27. Januar 2019) präsentiert rund 60 Werke aus verschiedenen Epochen. Aus der Sammlung der Kunsthalle Bremen werden circa 40 Werke präsentiert, das irdische Liebesglück, mythologische Paare, Selbstliebe, Erotik und die Idealisierung von Schönheit thematisieren. Ergänzt wird die Auswahl durch fünf Leihgaben zeitgenössischer Künstler, die sich mit dem Phänomen des Online-Datings beschäftigen.
Abbildungen:
1. Installationsansicht What is Love- Ausstellung; Foto: Melanka Helms
2. Portrait Rosa Schiling
3. Portrait Jasmin Mickein; Foto: Melanka Helms
4. Portrait: Heike Melzer; Foto: Anette Hausschild
5. Portrait: Alize Zandwijk
6. Portrait: Selina Wilson












