Rückblick Dackel-Treff: Auf den Grünflächen rund ums Museum herrschte am Freitagvormittag, 19. Juni 2026 ein kurzbeiniges Gewusel. Es wurde geschnuppert, gespielt, gebellt und sich für den Welttag der Dackel am Sonntag, 21. Juni vernetzt.

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Rückblick Dackel-Treff: Auf den Grünflächen rund ums Museum herrschte am Freitagvormittag, 19. Juni 2026 ein kurzbeiniges Gewusel. Es wurde geschnuppert, gespielt, gebellt und sich für den Welttag der Dackel am Sonntag, 21. Juni vernetzt.
Rund 80 Dackel mit ihren Menschen waren der Einladung der Kunsthalle Bremen zum Dackel-Treff gefolgt. Dafür kamen Dackel aus Bremen und Umgebung. Außerdem waren sie extra angereist aus Achim, Bad Zwischenahn, Blender, Bahlum, Delmenhorst, Emden, Lemwerder, Rotenburg (Wümme), Schortens, Stuhr, Oyten und Worpswede. Manches Frauchen und Herrchen hatten sich extra dafür Urlaub genommen. Die ältesten Dackel waren Barcley und Dunja mit 13 Jahren. Außerdem waren schau- und streichelustige Dackel-Fans gekommen.
Schön, dass ihr da wart: Freya, Emmi, Scotty, Fritz, Hilda, Lilo, Nana, Cody, Taco, Rosa, Janosch, Susi, Ella, Turkels, Fiete, Cleo, Jonah, Gonzo, Aiko, Lulu, Odin, Gismo, Amsel, Kalle, Emil, Wickie, Ingrid, Dunja, Lucy, Luna, Fridolin, Carla, George, Bo, Bella, Krümel, Skip, Nina, Buddy, Barcley, Libby, Henri, Susi, Carlo, Balim, Minnos, Friedrich, Charly, Ludwig, Axel, Primel, Lups, Tschutschu, Peanut, Zara, Bella, Stella, Eduardo, Schorse, Fritzi und viele mehr.
Ab dem 31. Oktober 2026 wird der Dackel wörtlich auf den Sockel gestellt. In der Ausstellung „Der Dackel. Eine Ikone geht Gassi“ werden Kunstwerke präsentiert, die den Dackel im Blick haben in Form von Gemälden, Skulpturen, Fotografien, Holzschnitten, Installationen und Videoarbeiten. Die Arbeiten stammen anderem von Pierre Bonnard, Thorsten Brinkmann, Elina Brotherus, Otto Dix, David Hockney, Max Liebermann, Pablo Picasso, Rosemarie Trockel, Édouard Vuillard, Andy Warhol und Ylla. Euer kostenfreies Ticket für Vierbeiner für die Dackel-Ausstellung könnt ihr hier buchen:
Aqua Claudia: Ein römisches Aquädukt
Die Aqua Claudia ist ein Meilenstein der Wasserbautechnik und zählt zu den beeindruckendsten Bauwerken der römischen Antike. Bereits zeitgenössische Autoren hoben die technische Innovation und die exzellente Wasserqualität hervor. Der Romantiker Friedrich Nerly setzte die Ruinen des Aquädukts als einer der ersten in einem großformatigen Gemälde in Szene. Eine neue Ausstellung und ein Vortrag widmen sich diesem Bauwerk.
Vom Bau bis zur Inbetriebnahme des Aquädukts Aqua Claudia dauert es vermutlich 6 Jahre: Unter Kaiser Claudius wurde die Wasserleitung 52 n. Chr. feierlich eingeweiht. Sie transportierte große Mengen sauberen Wassers aus Quellen bei Subiaco über etwa 69 Kilometer bis nach Rom.
Besonders innovativ war dabei die hohe, oberirdisch auf mächtigen Bogenreihen geführte Trasse, die alle Stadtteile Roms versorgen konnte. Etwa 25 % der Aqua Claudia wurden auf Bögen und Brücken errichtet. „Verglichen mit den überwiegend unterirdisch verlaufenden älteren Aquädukten war dies ein sehr anspruchsvolles Projekt und eine bahnbrechende technische Leistung. Neben dem Transport großer Wassermengen ist der hochgelegene Wasserspiegel zu nennen, der es erlaubte, alle Stadtteile Roms zu erreichen.“ schreibt Jens Köhler im aktuellen Nerly-Katalog. Die Baukosten müssen immens gewesen sein: Eine Quelle nennt 350 Millionen Sesterzen. Der Sesterz war die Standardmünze im römischen Reich.
Archäologisch betrachtet war die Aqua Claudia ein technisches Meisterwerk: Das Aquädukt wurde aus lokalen Peperin- und Tuffsteinen gebaut, die präzise geschnitten und ohne Mörtel gesetzt wurden. Die Bogenreihen trugen den wasserführenden Kanal, der wasserfest verputzt und abgedeckt war, um den sauberen Wassertransport zu sichern. „Es ist erstaunlich, wie bei einer angenommenen Bauzeit von nur etwa sechs Jahren die langen, hoch aufragenden Bogenreihen der Aqua Claudia errichtet werden konnten, also jener Abschnitt entlang der letzten sieben Meilen vor der Stadt, der auf einem Mauersockel und als Arkaden konstruiert wurde. Frontinus nennt eine Höhe von bis zu 36,8 Metern.“ schreibt Jens Köhler weiter. [Anm.: Frontinus war römischer Wasserbauinspektor]Allerdings war kontinuierliche Wartung nötig, um Kalkablagerungen zu entfernen und illegale Entnahmen zu unterbinden. Wiederholten Erdbeben und kriegerischen Angriffen hielt die Leitung weitgehend stand.
Im Mittelalter verfiel die Bedeutung der Wasserleitung schließlich derartig, dass sie vermutlich zu Beginn des 12. Jahrhunderts nach Christus aufgegeben werden musste. Doch die eindrucksvollen Ruinen prägten weiterhin das Bild der römischen Campagna rund um Rom. Ab dem 16. Jahrhundert begann die wissenschaftliche Beschäftigung mit diesen Bauwerken, und im 19. Jahrhundert rückten sie zudem in den Blick der Landschaftsmalerei. Besonders Friedrich Nerly setzte die majestätischen Bogenreihen der Aqua Claudia als einer der Ersten als zentrales Motiv in Szene. Sein Gemälde „Campagnalandschaft mit Aqua Claudia“ und vorbereitende Zeichnungen sind kulturhistorisch bedeutende Dokumente:„Sie sind historische Zeugnisse, die die Situation vor nunmehr fast zweihundert Jahren festhalten, also in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, bevor Rom über die antiken Aurelianischen Stadtmauern hinauswucherte.“ schreibt Jens Köhler.
Nerlys Darstellungen spiegeln viele technische Details wider und belegen seine genaue Kenntnis der baulichen Substanz – von den Pfeiler- und Bogenkonstruktionen bis zu den sichtbaren Spuren antiker Reparaturen. Zugleich integrierte Nerly landschaftliche und kulturelle Elemente: Ruinen antiker Grabbauten, ein damals existierendes Mosaik am Aquädukt und sogar einen Bach, der längst abgeleitet wurde. Seine realitätsnahe, dokumentarische Herangehensweise macht seine Arbeiten zu wichtigen Quellen für den Zustand der Aqua Claudia vor der späteren Bebauung und Veränderungen im Umland (z. B. Eisenbahnbau 1890 und Wohnblocks nach 1950).
Veranstaltungshinweis:
Am Sonntag, 15. März, 11:30 – 13 Uhr hält Dr. Jens Köhler (John Cabot University, Rom) in der Kunsthalle Bremen einen Vortrag zum Thema: „Aqua Claudia – Neue Archäologische Forschungen und Nerlys Gemälde“. Kosten (inkl. Ausstellungsbesuch): regulär 18,- €, ermäßigt 12,- €, für Mitglieder 6,- €.
Über die Ausstellung „Natur und Antike“ (14. März bis 5. Juli 2026):
Mindestens 150 Jahre lang war das Gemälde „Campagnalandschaft mit Aqua Claudia“ von Friedrich Nerly nicht öffentlich zu sehen. Seit 1954 befindet es sich im Besitz der Kunsthalle, doch bis vor kurzem war es nicht ausstellbar. Gut ein Jahr dauerte die Restaurierung mit eindrucksvollem Ergebnis: Ein vergessenes Hauptwerk des deutschen Malers Friedrich Nerly (1807–1878) kam ans Licht! Das Gemälde zeigt die antike Wasserleitung Aqua Claudia vor den Toren Roms. Vom 14. März bis 5. Juli 2026 steht es im Mittelpunkt der Ausstellung „Natur und Antike. Der Romantiker Friedrich Nerly in Rom“. Die Ausstellung nimmt Nerlys frühe Schaffensjahre in Rom von 1829 bis 1835 in den Fokus. https://www.kunsthalle-bremen.de/nerly
Katalog: Zur Ausstellung „Natur und Antike. Der Romantiker Friedrich Nerly in Rom“ erscheint ein gleichnamiger Katalog mit zahlreichen Abbildungen und Beiträgen von Maria Aresin, Börries Brakebusch, Dorothee Hansen, Maren Hüppe, Jens Köhler und Dorothea Ritter. Der Katalog erscheint im Hirmer Verlag. Im Museumsshop der Kunsthalle kostet der Katalog 39,90 €; im Buchhandel kostet er 50,00 Euro. ISBN 978-3-7774-4659-2
Abbildungen: Die Arkaden der Aqua Claudia am Quadraro in Rom, die Friedrich Nerly gemalt hat, hier von Süden aus gesehen, Fotografie von 2025 | Ein Pfeiler am Quadraro, unten einige Lagen aus rötlichen Tuffsteinen, darüber die Lagen aus grauem Peperin, Fotografie von 2025 | Die Bögen tragen den Kanal (specus) der Aqua Claudia und darüber den des Anio Novus, Fotografie von 2025 | Friedrich Nerly, Campagnalandschaft mit Aqua Claudia, 1836, Öl auf Leinwand, 124 x 148,5 cm, Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen Friedrich Nerly, Aquädukt des Claudius mit Blick auf den Monte Cavo, um 1833, Bleistift, Pinsel in Braun, 39,6 x 55,8 cm, Angermuseum Erfurt, Foto: Stadtverwaltung Erfurt, Dirk Urban
Tinder für Kunstwerke und Ausstellungen selbst kuratieren
Wer benutzt eigentlich noch einen Raumplan? Die neue Web-App „It’s an Art Match“ dient als individuelles Besucherleitsystem durch die Dauerausstellung. Und wer wollte schon immer mal eine Ausstellung mit eigenen Kreationen und Werken aus der Kunsthalle kombinieren? Mit „Mein Pinnwand-Museum“ können Einzelpersonen und Schulklassen Ausstellungen entwickeln. Beide Web-Apps sind ab sofort über die Multimediaplattform www.artsurfer.de abrufbar – ohne Download, kostenfrei und auch von zu Hause.
Alle, die schon mal im Museum waren, kennen das: Man steht im Foyer und schaut auf den Lageplan, der mehrere Etagen mit mehreren tausend Quadratmetern abbildet. Weil man es nicht besser weiß, beginnt man den Rundgang in Raum 1. In Raum 20 ist man müde und will nur noch ins Café – dabei kommt jetzt endlich die Kunst, die einen anspricht! Kurzum: Dauerausstellungen sind meistens zu groß. Aber wo fängt man an mit dem Rundgang, wenn man noch nicht weiß, welche Kunst man mag? Dafür ist „It‘s an Art Match“ die Lösung. Die Web-App ist Tinder für Kunstwerke und matcht Besuchende mit 15 Werken. Somit bietet sie einen individuellen Rundgang durch die 2.500qm der Dauerausstellung der Kunsthalle Bremen.
Anfangs erstellen die Nutzer*innen ein Persönlichkeitsprofil, fern von Kunstkategorien. Dafür werden unterschiedliche Vorlieben abgefragt. Daraus ergeben sich schließlich 15 Art-Matches. Die Werke werden – ähnlich wie bei einem Online-Dating-Profil – mit einem Profilbild, einem Vornamen, Alter, einem Kurztext und Standort vorgestellt. Der Name entspricht immer dem Vornamen des*der Künstler*in. Das Alter entspricht dem Alter, in dem der*die Künstler*in das Werk schuf. Manche Werke warten in der Dauerausstellung auf ihr Date, andere sind unerreichbar im Depot. Sowas soll es geben – in der Liebe wie im Museum. Teil der 15 Art-Matches sind auch Epochen, die zum Profil passen. Jeder Epoche ist ein Raum mit mehreren Werken zugeteilt, für alle die mit dem Konzept von Polyamorie liebäugeln. www.artsurfer.de/artmatch #ItsAnArtMatch
Die Web-App „Mein Pinnwand-Museum“ ist für Menschen, die gerne selbst kreativ tätig sind und einen Blick für Ähnlichkeiten haben. Nach einer kostenlosen Anmeldung kann man eine eigene Online-Ausstellungen erstellen. Dafür kann man sich online in der Sammlung der Kunsthalle Bremen bedienen und gleichzeitig eigene Motiven hochladen – selbst gezeichnete, abfotografierte oder gefundene. Auch Audio- und Textkommentare können hinzugefügt werden. Die Online-Ausstellung kann mit unterschiedlichen Wandfarben, einem Titelmotiv und einem Meme-Slogan versehen werden. Daraus ergibt sich eine Online-Ausstellung, ähnlich wie bei Pinterest. Die Themen sind vielfältig wählbar, entsprechend der eigenen Interessen und Lieblingswerke aus der Sammlung: Ob Blumen, Tiere oder Menschen, den Ausstellungsthemen sind keine Grenzen gesetzt.
Das Teilen mit anderen Menschen erfolgt innerhalb von Messenger-Diensten oder über Social Media. Für die Nutzung des Angebotes ist eine Anmeldung im Art Surfer erforderlich. Dieses Format bietet sich zum Beispiel für Schulklassen oder Kunstkurse an, die gemeinsam zu einem konkreten Thema arbeiten möchten. www.artsurfer.de/pinnwandmuseum #MeinPinnwandMuseum
Beide Web-Apps greifen auf rund 600 Werke aus der Sammlung zurück, darunter auch Gemälde und Arbeiten auf Papier aus dem Depot. Insgesamt umfasst die Sammlung der Kunsthalle circa 1.600 Gemälde, über 500 Skulpturen und rund 220.000 Arbeiten auf Papier. In „Remix“ werden aktuell rund 500 Werke präsentiert.
Auf der Multimediaplattform Art Surfer findet sich ein umfangreiches hybrides Kunstvermittlungsprogramm: Darunter DIY-Video-Tutorials, Audioguides zu aktuellen Ausstellungen für Kinder und für Erwachsene sowie barrierefreie Angebote (Videoguide in deutscher Gebärdensprache, Audioguide für blinde und sehbehinderte Menschen, Audioguide in Einfacher Sprache in Deutsch und ausgewählten Fremdsprachen). #ArtSurferHB
„It’s an Art Match“ und „Mein Pinnwand-Museum“ wurden entwickelt im Rahmen von „dive in. Programm für digitale Interaktionen“ der Kulturstiftung des Bundes, gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) im Programm NEUSTART KULTUR.
Reine Männerriege? Manet, Astruc und die Künstlerinnen
In der aktuellen Sonderausstellung „Manet und Astruc“ fällt auf, dass sie rein männlich besetzt ist. Dabei hatten die beiden enge Beziehungen zu Künstlerinnen. Im Folgenden erläutern wir, warum Künstlerinnen in der Ausstellung nicht präsent sind und in welchem Verhältnis Manet und Astruc zu ihren weiblichen Kolleginnen standen.
Neben Werken von Edouard Manet und Zacharie Astruc werden in der Ausstellung „Manet und Astruc. Künstlerfreunde“ (bis 27. Februar 2022) auch Arbeiten ihrer damaligen Künstlerkollegen präsentiert, darunter maßgebliche Werke von beispielsweise Henri Fantin-Latour oder Pierre-Auguste Renoir. Dadurch mag der Eindruck entstehen, dass damals keine weiblichen Künstlerinnen existierten oder dass sie bei der Ausstellungsplanung einfach vergessen wurden. Weder das eine noch das andere ist der Fall.
Manet hatte ab Ende der 1860er Jahre engen Kontakt zu den Künstlerinnen Berthe Morisot und Eva Gonzalès. Von beiden finden sich Werke in der Sammlung der Kunsthalle Bremen. Dazu zählt das Meisterwerk „Erwachendes Mädchen“ (1877/78) von Eva Gonzalès beispielsweise, aber auch mehrere Arbeiten auf Papier von Berthe Morisot. Außerdem gibt es in der Sammlung von Manet angefertigte Portraitradierungen der beiden Künstlerinnen.
Manet stand beiden Künstlerinnen nah: Gonzalès war seine einzige Schülerin. Ihre Arbeiten wurden wiederholt im Pariser Salon ausgestellt, wo auch Bilder von Manet zu sehen waren. Mit Morisot verband ihn nicht nur eine enge Freundschaft: Sie wurde sogar Mitglied seiner Familie, als sie Manets Bruder Eugène heiratete. Sie nahm als einzige Frau an der ersten Impressionismusausstellung 1874 teil, bei der auch Astruc vertreten war.
Im Unterschied zu ihren männlichen Kollegen konnten Frauen der höheren Gesellschaftsschichten sich nicht frei und allein in der Öffentlichkeit bewegen, um beispielsweise an den regelmäßigen Künstlertreffen in Cafés teilzunehmen wie ihre männlichen Kollegen. Sie lebten überwiegend im privaten, häuslichen Umfeld – entsprechend wählten sie ihre Themen: Die Motive von Gonzalès und Morisot kreisen oftmals um das alltägliche Familienleben, Interieurs, Stillleben, regionale Landschaften, Kinder- und Frauenportraits. In der Ausstellung „Manet und Astruc“ geht es jedoch um Künstlerporträts mit dezidierten ästhetischen Botschaften, um spanische Motive und die Rezeption japanischer Kunst.
Auch Astruc nahm die Künstlerinnen wahr und ernst. Er war der erste Kritiker überhaupt, der ihnen einen eigenen, ausführlichen Feuilletonartikel widmete. Dies ist insofern von Bedeutung, als solche Besprechungen für viel Aufmerksamkeit sorgten und den Blick der Öffentlichkeit auf die Malerinnen lenkten. Astrucs Rezension „Das weibliche Dekameron“ (1) von 1870 war für damalige Zeiten äußerst ungewöhnlich. Der Text zeigt, dass Astruc die Arbeiten der Frauen nach hohen Ansprüchen bewertete.Er betont, die Frauen würden nicht weniger gut, sondern einfach anders arbeiten als die Männer, und er begreift das Fehlen einer akademischen Ausbildung nicht als Makel, sondern als Chance: „Verlassen Sie die Ateliers der Männer und zeigen Sie uns das ‚weibliche Werk‘“, forderte er sie auf.
Weitere Informationen dazu finden sich im Katalog zur Ausstellung im Artikel von Sharon Flescher. Der Katalog ist auf Deutsch (ISBN 978-3-422-98760-9) und Englisch erschienen. Er kostet € 34,- im Museumsshop und circa € 54,- im Buchhandel.
Die Sonderausstellung „Manet und Astruc. Künstlerfreunde“
Der weltberühmte Maler Édouard Manet gilt als einer der Väter des Impressionismus, der malende Kunstkritiker Zacharie Astruc ist heute hingegen weitgehend unbekannt. Ihre ungewöhnliche Freundschaft steht nun erstmals im Mittelpunkt einer Ausstellung. „Manet und Astruc. Künstlerfreunde“ (23. Oktober 2021 bis 27. Februar 2022) veranschaulicht darüber hinaus mit Werken von Zeitgenossen wie Claude Monet, Henri Fantin-Latour und Pierre-Auguste Renoir den damaligen künstlerischen Kontext in Paris. Damit setzt die Kunsthalle Bremen die Reihe großer Ausstellungen zu französischen Malern des 19. Jahrhunderts wie Vincent van Gogh, Claude Monet, Gustave Caillebotte und Émile Bernard fort.
Abbildungen: - Édouard Manet, Die Musikstunde, 1870, Öl auf Leinwand, Museum of Fine Arts, Boston - Eva Gonzalès: Erwachendes Mädchen, um 1877/78, Öl auf Leinwand, Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen - Berthe Morisot, Ruhende, 1889, Radierung, Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen, Kupferstichkabinett
Anmerkung: (1) Der Artikel von Astruc ist im Internet zugänglich: Zacharie Astruc: Décaméron féminin, in: „L’Echo des Beaux-Arts“ vom 26. Juni 1870, Seite 1-3, im Internet unter https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k5786151d
Links oder rechts: Welches Manns-Bild soll gezeigt werden?
Ab dem 6. Juli zeigt die Kunsthalle Bremen eine Auswahl nackter Männer im Rahmen der Ausstellung „Manns-Bilder“. Bei einigen Werken darf das Publikum erstmals mit entscheiden.
Im Rahmen der Ausstellung „Manns-Bilder. Der männliche Akt auf Papier“ geht es um die ganze Bandbreite männlicher Akte in der Kunst des 15. bis 20. Jahrhunderts: Von Sportlern über christliche Märtyrer bis zu antiken Helden, echte Männer und ideale Akte, alle sind vertreten. Bei den Darstellungen drängen sich Fragen nach Männlichkeit und Schönheit auf, die jede Zeit, jede Kultur, jedes Individuum anders beantwortet. Bei gewissen Werkgruppen ist die Entscheidung für ein Manns-Bild gleichzeitig die Entscheidung gegen ein anderes. Dabei stellt sich die Frage, welches kunsthistorische Manns-Bild aus heutiger Perspektive besonders spannend ist. Deshalb möchte die Kunsthalle die Meinung des Publikums bei drei Gegenüberstellungen einholen und erstmals mit entscheiden lassen, was ausgestellt wird.
Das erste Voting endete am 6. Februar und stellte zwei Darstellungen des Heiligen Sebastian einander gegenüber. Das Publikum sprach sich eindeutig aus für die rechte, individuelle und leidende Darstellung (Dürer). Ein Teil sprach sich aber auch für die Präsentation beider Werke und damit für die Gegenüberstellung aus. Denn besonders durch die Konfrontation von Dürers Werk mit dem von Raimondi werden die Unterschiede deutlich. Raimondi präsentiert den Märtyer idealisiert und an der Antike orientiert. Erst bei genauerem Hinsehen sieht man, dass der elegante und aufrechte Körper von Pfeilen durchbohrt ist. Dürer hingegen zeigt den Heiligen Sebastian leidend und naturalistisch. An einen Baum gefesselt kann er sich vor Schmerzen kaum aufrecht halten.
Ab heute stehen zwei Werk von Paula Modersohn-Becker zur Auswahl: Paula Modersohn-Becker ist für ihre Bilder von Frauen, auch nackten, berühmt. Aber wer kennt auch ihre männlichen Akte? Von ihren rund 1.000 erhaltenen Zeichnungen sind fast die Hälfte Aktzeichnungen, darunter finden sich erstaunlich viele männliche Aktstudien Die hier gegenübergestellten Arbeiten sind ein frühes und ein spätes Beispiel ihrer zwischen 1896 und 1906 entstandenen, großformatigen akademischen Männerakten.
Aktstudien sind der Höhepunkt der zeichnerischen Grundausbildung. Doch Frauen war das Studium an staatlichen Kunstakademien bis in das 20. Jahrhundert hinein nicht oder nur zum Teil möglich. Insbesondere die Kurse im Aktzeichnen standen ihnen nicht offen. Deshalb übte Paula Modersohn-Becker sich ab 1896 an einer privaten Berliner Kunstschule für Frauen im Aktzeichen.
Das linke Werk entstand 1897 in Berlin. Es ist ein ideales Aktmodell: Das Modell ist athletisch gebaut, hat eine sportliche Pose mit Ball und angespannte Muskeln – eine klassische Aktstudie nach dem lebenden Modell.
Auch in Paris lernte Paula Modersohn-Becker ab 1900 an privaten Akademien und besuchte dort auch gemischte Kurse im Aktzeichnen. Das rechte Manns-Bild entstand 1906 in Paris und zeigt einen männlichen Rückenakt mit in die Hüfte gestemmten Armen. Das Modell posiert vergleichsweise natürlich, auch entspricht sein Körper keinem Idealbild. Der Rückenakt gewinnt seine Attraktivität vielmehr durch seine Natürlichkeit. Das Gewicht ist gleichmäßig auf beide Füße verteilt. Er steht mit hängenden Schultern nicht besonders aufrecht. Das Modell ist ein südländischer Typ mit langen Haaren. Damals verdingten sich wohl hauptsächlich in Paris lebende Italiener als Aktmodelle.
Beide Aktdarstellungen stammen von der gleichen Künstlerin und doch sind die Männer ganz unterschiedlich dargestellt. Deshalb möchten wir von euch wissen: Welchen der beiden Typen wollt ihr in der Ausstellung sehen? Den linken, der seine Muskeln zur Schau stellt oder den rechten, der vom Betrachter angewandt steht? Kommentiert mit rechts oder links bis 13. Februar für welche Darstellung ihr euch entscheiden würdet. Erklärt eure Entscheidung gerne!
Am 1. März startet das dritte und letzte Voting auf allen Social Media-Kanälen (Instagram, Facebook, Twitter, Tiktok) der Kunsthalle mit zwei Werken von Hendrick Gotzius.
Weitere Informationen über die Ausstellung „Manns-Bilder“ (ab 6. Juli 2022) gibt es auf unserer Webseite:
Abbildungen:
1. Collage v.l.n.r.: Marcantonio Raimondi, Der heilige Sebastian, zwischen 1500 und 1520, Kupferstich | Albrecht Dürer, Heiliger Sebastian am Baume, 1501, Kupferstich | Beide: Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen, Kupferstichkabinett |
2. Collage v.l.n.r.: Paula Modersohn-Becker: Stehender männlicher Akt mit Ball in der rechten Hand, 1897, Kreide | Stehender männlicher Akt mit langem Haar in Rückenansicht, die Hände in die Hüften gestemmt, 1906, Kohle | Beide: Paula Modersohn-Becker Stiftung, Bremen
Call for Videos: Geschichten von Freundschaften gesucht
Am 30. Juli ist der Tag der Freundschaft. Die Kunsthalle nimmt diesen Tag und die kommende Sonderausstellung “Manet & Astruc. Künstlerfreunde” zum Anlass einen Aufruf zu starten. Denn Freundschaften sind ein universelles und vielfältiges Phänomen, das Menschen prägt. Das spiegelt sich auch in der Kunst wider.
Anlässlich der Ausstellung „Manet und Astruc. Künstlerfreunde“ (ab 23. Oktober 2021) sammelt die Kunsthalle Bremen Videos von Geschichten von Freundschaften. Die Kunstgeschichte zeigt, wie vielfältig und prägend Freundschaften sind: Freunde inspirieren sich gegenseitig, stehen sich in Krisen bei, kommen und gehen. Durch die Betrachtung freundschaftlicher Beziehungen innerhalb der Kunstgeschichte lassen sich ähnliche Motive, Darstellungsweisen oder Themenschwerpunkte besser verstehen.
Das Museum sucht deshalb ab sofort Videos, in denen Menschen von ihren Freundschaften erzählen: Ob Hommage oder Nachruf, gesucht werden Geschichten von Freundschaften, die im Rahmen der Manet-Ausstellung gezeigt werden sollen. Die Videos (maximal 3:00 Minuten lang, Querformat, vorzugsweise mp4 Format) können ab sofort eingereicht werden unter [email protected]. Die Videos der Geschichten dürfen so individuell (gestaltet) sein, wie Freundschaften es von Natur aus sind und sie auch in der Kunst zu finden sind: Denn das, was Freund*innen zusammenbringt, zusammenhält und manchmal wieder trennt, ist vielseitig. Unter Künstler*innen ist das nicht anders.
Die Freundschaft von Édouard Manet und Zacharie Astruc prägten ähnliche Interessen wie die Liebe zur Musik, die Bewunderung der spanischen Kunst und die Faszination für die japanische Kultur. Die gemeinsamen Interessen waren für ihren Austausch maßgeblich. Die Briefe, die sich die beiden schrieben, werden im Katalog zur Ausstellung erstmals auf Deutsch veröffentlicht. Auch das Porträt, das Manet von Astruc malte und heute Teil der Sammlung der Kunsthalle Bremen ist, macht auf vielen Ebenen ihre intellektuelle Nähe deutlich: Nicht nur der zugewandte Blick ist bezeichnend für das Verhältnis von Maler und Model, sondern auch die im Bild versteckte Widmung: „Dem Dichter Z. Astruc. Sein Freund Manet 1866.“ Später reduzierte sich ihr Kontakt. Entstand ein Ungleichgewicht in ihrer Freundschaft, weil der eine weniger berühmt war als der andere? Oder lag es am vorübergehenden Umzug von Astruc nach Spanien? Aus welchen Gründen sich ihr Verhältnis veränderte, lässt sich nicht verlässlich nachvollziehen.
Ein ambitioniertes Gemälde von Henri Fantin-Latours unterstreicht die besondere Bedeutung des Bremer Astruc-Porträts und veranschaulicht zugleich das freundschaftliche Netzwerk der beiden: Das großformatige Gruppenporträt „Ein Atelier in Batignolles“ (1879) von Fantin-Latour versammelt fortschrittliche Künstler jener Zeit um Manet, der an der Staffelei sitzt und das Porträt Astrucs malt. Das Gemälde ist heute Teil der Sammlung des Musée d’Orsay und im Rahmen der Manet-Ausstellung in Bremen präsentiert.
Die Beziehung von Édouard Manet und Emile Zola war für beide auf unterschiedliche Weise vorn Vorteil: Der Kritiker und Schriftsteller Zola stand öffentlich hinter der bahnbrechenden Kunst von Manet. Für diese öffentliche Unterstützung dankt Manet ihm mit einem Gemälde, das ihn unsterblich werden lässt und anfangs berühmter ist als die dargestellte Person selbst.
Im Rahmen der Sonderausstellung „Manet und Astruc“ werden auch Werke von Zeitgenossen wie Henri Toulouse-Lautrec präsentiert, der viele seiner Freunde im Studium kennenlernte. Toulouse-Lautrec studierte beispielsweise mit Louis Anquetin, Émile Bernard und Vincent van Gogh. Die drei standen untereinander im Austausch, gingen zum Teil gemeinsam auf Reisen oder kümmerst sich um den Nachlass.
Freundschaftspreis
Unter den Einreichungen (, die bis zum 3. Oktober 2021 eingesendet werden) verlosen wir ein Fotoshooting für zwei Personen und eine Teilnahme für zwei Personen an einem Atelierkurs der Kunsthalle Bremen. Die ersten 10 Einreichungen erhalten kostenlosen Eintritt für zwei Personen in die Manet-Ausstellung. Die Gestaltung, Ästhetik und Umsetzung der Videos ist den Einreichenden frei gestellt. Auf youtube findet ihr bereits erste Freundschaftsgeschichten.
Die Sonderausstellung „Manet und Astruc. Künstlerfreunde“
Der weltberühmte Maler Édouard Manet gilt als einer der Väter des Impressionismus, der malende Kunstkritiker Zacharie Astruc ist heute hingegen weitgehend unbekannt. Ihre ungewöhnliche Freundschaft steht nun erstmals im Mittelpunkt einer Ausstellung. „Manet und Astruc. Künstlerfreunde“ (23. Oktober 2021 bis 27. Februar 2022) veranschaulicht darüber hinaus mit Werken von Zeitgenossen wie Claude Monet, Henri Fantin-Latour und Pierre-Auguste Renoir den damaligen künstlerischen Kontext in Paris. Damit setzt die Kunsthalle Bremen die Reihe großer Ausstellungen zu französischen Malern des 19. Jahrhunderts wie Vincent van Gogh, Claude Monet, Gustave Caillebotte und Émile Bernard fort.
Abbildungen: 1) Henri Fantin-Latour, Ein Atelier im Batignolles-Viertel, 1870, Musée d’Orsay, Paris © RMN-Grand Palais (Musée d'Orsay) / Benoît Touchard/Mathieu Rabeau 2) Édouard Manet, Bildnis des Zacharie Astruc, 1866, Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen 3) Édouard Manet, Emile Zola, 1868, Öl auf Leinwand, Musée d’Orsay, Paris, © Photo RMN-Grand Palais (musée d’Orsay) / Hervé Lewandowski
Risse in Papier? Restaurieren für Manet
Für die kommende Sonderausstellung „Manet & Astruc“ werden in der Kunsthalle bereits jetzt Kunstwerke restauriert. Doch wie schließt man Risse bei Papierarbeiten und reinigt Kunst?
Normalerweise kommen Kunstwerke ein bis vier Wochen vor einer Eröffnung in einem Museum an. Aber für „Manet & Astruc. Künstlerfreunde“ (ab 23. Oktober 2021) sind jetzt schon Kunstwerke im Museum eingetroffen. Der Grund ist eine aufwendige Restaurierung. Da in der Restaurierung das Prinzip Photoshop und Strg+Z nicht existiert, benötigt die Arbeit eine gute Vorbereitung und einen klaren Plan. Denn eine Restaurierung kann unwiderruflich sein.
Derzeit werden zwei Werke in der Papierrestaurierung der Kunsthalle behandelt: Zum einen das Aquarell „Schlafende Frau in einem Künstlerinterieur (Somnambule Szene)“ von Zacharie Astruc. Es ist eine Leihgabe aus Frankreich, die in der Kunsthalle Bremen restauriert wird. Da nicht alle Museen eigene Restaurierungswerkstätten haben, müssen in Einzelfällen Leihnehmer fremde Werke restaurieren, wenn diese aufgrund ihres schlechten Erhaltungszustandes nicht gezeigt werden könnten. Und in diesem Fall gibt es tatsächlich viel zu tun. Das Werk hat Risse, Kratzer, Stockflecken und die Oberfläche ist stark verschmutzt.
Als erstes wird das Werk aus dem Passepartout gelöst. Die Restauratorin erläutert, weshalb im Anschluss das originale Passepartout ersetzt wird: „Das Passepartout muss abgelöst werden, um das eigentliche Werk, das Aquarell, behandeln zu können, welches auf den Rückkarton aufgeklebt ist. Auch wenn das Passepartout aus dem Entstehungsjahr ist, wird es durch ein neues ersetzt. Zum einen ist es stark verwölbt und säurehaltig, und schadet somit dem Kunstwerk. Zum anderen ist es derart verschmutzt und beschädigt, dass es für eine ansprechende Präsentation ungeeignet ist. Das originale Passepartout wird aber aufgehoben und archiviert.”
Als nächstes kann die Oberfläche mit einem Latexschwämmchen gereinigt werden, um losen Schmutz zu entfernen. „Im Anschluss an die Trockenreinigung teste ich die Farben, um zu erfahren, ob sie wasserlöslich sind. Nur wenn alle Farben stabil sind und nicht ausbluten, kann auch eine wässrige Reinigung durchgeführt werden, um Verbräunungen und Stockflecken zu reduzieren. Stockflecken entstehen durch eine Kombination aus Feuchtigkeit und Mikroorganismen im Papier. Die Risse schließe ich, indem ich sie rückseitig mit feinem Japanpapier hinterklebe, welches durch seine langen Fasern besonders reißfest ist.“, erklärt die Papier-Restauratorin Stella Ditschkowski.
Das Werk „Der tote Vogel“ von Astruc wurde extra für die Ausstellung vom Museum angekauft. Besonders ist, dass es im originalen Rahmen ins Haus kam, dessen Rückseite noch komplett versiegelt war. Oft wurden Werke namhafter Künstler im Laufe der Zeit aus- oder umgerahmt, weil sich der Zeitgeschmack geändert hatte, oder auch um die Rückseiten der Werke auf Inschriften zu untersuchen. Das Ausrahmen des Werkes bestätigt, dass alle originalen Bestandteile bis auf eine moderate Verschmutzung in einem guten Zustand sind. Sie bedürfen vor allem einer gründlichen Oberflächenreinigung. Beim Ablösen des Aquarells vom historischen Untersatzbogen zeigt sich allerdings, dass dieser einen deutlichen Lichtschaden aufweist: Der Bereich, der durch das Aquarell vor Lichteinstrahlung geschützt war, weist noch immer die ursprüngliche leuchtend blaue Farbe auf. „Gerade blaue Pigmente und Farbstoffe sind leider oftmals sehr licht- und pH-empfindlich und verbleichen schnell. Da der Untersatzbogen aber nicht holzhaltig ist und noch seine schönen dekorativen Einfassungslinien aufweist, möchte ich ihn gern erhalten. Es wird aber trotzdem, für den Betrachter kaum sichtbar, eine Trennschicht zwischen Aquarell und Untersatzbogen montiert.“, so Stella Ditschkowski.
Die Restaurierung der beiden Werke wird mehrere Wochen dauern. Ab dem 23. Oktober 2021 kann das Ergebnis in der Sonderausstellung „Manet & Astruc“ begutachtet werden. Für die Ausstellung reisen Leihgaben aus renommierten Museen aus aller Welt an. Darunter zentrale Werke aus dem Museum of Fine Arts in Boston, dem Philadelphia Museum of Art, dem Musée d'Orsay in Paris, dem Metropolitan Museum of Art in New York, der Albertina in Wien, der National Gallery in Washington, dem The Art Institute Chicago und der National Gallery in London.
Abbildungen 1) Restauratorin Stella Ditschkowski bei der Restaurierung des Aquaralles Der tote Vogel von Zacharie Astruc. 2) Restaurierung von: Zacharie Astruc, Schlafende Frau in einem Künstlerinterieur (Somnambule Szene), 1871, Aquarell, 56 × 42 cm, Fonds Musée de l’Opéra, Vichy 3) Restaurierung von: Zacharie Astruc, Der tote Vogel, Aquarell, um 1870, Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen, Kupferstichkabinett
Haarige Geschichten
In den Werken von Pablo Picasso findet sich oft die Darstellung von Achsel-, Brust- und Intimhaaren sowie von lichtem Kopf- oder Barthaar. Alles Haarthemen, die heutzutage vielfach mit Gefühlen von Scham oder Peinlichkeit besetzt sind. Um die Enttabuisierung von Körperbehaarung voran zu treiben, startet die Kunsthalle Bremen anlässlich der kommenden Picasso-Ausstellung einen Aufruf.
Ob Rücken, Brust, Beine, Achseln, Augenbrauen, Oberlippe oder Intimbereich: Rasieren, epilieren, zupfen, wachsen und sugarn ist angesagt – und das über alle Gendergrenzen hinweg. Denn heute gilt gemeinhin behaart = pfui, rasiert = hui. Was in Europa in den 1950er- und 1960er-Jahren noch nicht zur Norm gehörte, war in den USA schon längst verbreitet: Eine amerikanische Studie aus dem Jahr 1964 ergab, dass 98% aller US-amerikanischen Frauen Körperbehaarung entfernten. Wie eine Studie der Universität Leipzig aus dem Jahr 2016 belegt, hat dieser Trend heute auch Deutschland erreicht: Rund 80% der Frauen unter 55 Jahre entfernen ihre Achselhaare. Sieben Jahre vorher waren es noch rund 12,5 % weniger. Auch die Männerwelt bleibt von diesem Trend nicht verschont: 2016 entfernten über 35% der unter 55-jährigen Männer ihre Achselhaare, knapp 15 % mehr als sieben Jahre zuvor. Als Begründung für die Körperhaarentfernung geben Studienteilnehmer*innen individuelle Attraktivität und gesellschaftliche Normativität an.
Mit der zunehmenden Normisierung weitestgehend haarloser Körper in Europa und der Welt entwickeln sich unter dem Schlagwort der „Bodypositivity“ Gegenbewegungen, die eine große Bandbreite umfasst: Achselbehaarung als feministische Setzung, die Glatze bei Männern als Sexsymbol, die Glatze bei Frauen und die einhergehende Auseinandersetzung mit weiblicher Identität, die Frisurenvielfalt Schwarzer Menschen* als Empowerment, Gesichtsbehaarung über Gendernormen hinaus als Markierung queerer Körper und als politisches Statement, um nur eine Auswahl zu nennen.
Um die Sichtbarkeit verschiedener Bewegungen zu fördern und die Enttabuisierung von Körperbehaarung voran zu treiben, startet die Kunsthalle Bremen anlässlich der Picasso-Ausstellung einen Aufruf.
Denn für Picasso spielten heute geltende gesellschaftliche Normen keine Rolle. Selbst auf nur skizzenhaften Linolschnitten ließ Picasso Körperbehaarung, die heute auf Grund von normativem Druck meist abrasiert wird, nicht aus. Vielmehr nutzte Picasso Haare als Ausdrucksmittel, mit dem er komplexe Gefühlslagen aber auch erotisches Begehren transportieren konnte. Mit der kommenden Ausstellung „Die Picasso-Connection. Der Künstler und seine Bremer Galerist“ ziehen Körperhaare ins Museum ein und greifen gleichzeitig den Diskurs zu Darstellungen des menschlichen Körpers auf.
Bis zum 31. Januar 2021 können Fotos (maximal 5 MB) von Körperbehaarung digital eingereicht werden unter [email protected]. Von buschigen Achselhaaren bis lichtem Kopf- oder Barthaar über Damenbart und Härchen in der Nase ist alles zugelassen. Ausgeschlossen sind Fotos von primären Geschlechtsmerkmalen. Zusätzlich sollen auch dazugehörige Geschichten und Gedanken eingereicht werden. Die Texte sollten 1.000 Zeichen mit Leerzeichen nicht überschreiten.
Eine Auswahl von Fotos und ihren Geschichten wird im Anschluss in der neuen Dauerausstellung „Remix 2020“ im Skulpturen-Saal präsentiert. Der Skulpturen-Saal trägt den Titel „Bilder vom Menschen“ und zeigt Darstellungen des menschlichen Körpers. In der Antike wurde Körperbehaarung auf Skulpturen minutiös dargestellt, die präsentierten Skulpturen aus der Bremer Sammlung stammen jedoch aus späteren Epochen und zeigen nur Kopfhaar. Durch die Ergänzung um Fotografien von Körperbehaarung möchte das Museum den Diskurs über (Schönheits-)ideale bei der Darstellung menschlicher Körper erweitern.
Die Ausstellung „Die Picasso-Connection. Der Künstler und sein Bremer Galerist“ (ursprünglich ab 21. November 2020 bis 21. März 2021) wird eröffnet, sobald die Museen wieder für die Öffentlichkeit zugänglich sind.
Abbildungen:
Pablo Picasso, Liegende Frau und Mann mit großem Hut, 1959, Farblinolschnitt, Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen, © Succession Picasso / VG Bild-Kunst, Bonn 2020
Fotoreihe v.l.n.r.: Ohne Titel, 2013, Foto: Eylül Aslan Lara, Foto: Oliver Ahlbrecht, 2020 | Marla, Foto: Nicole Benewaah
Installationsansicht Skukpturen-Saal der Dauerausstellung, Foto: Marcus Meyer





