Systemversagen
Dieser Beitrag eines Hamburger PR-Beraters verdient ein bisschen Aufmerksamkeit - meine jedenfalls hat er gefesselt. Da ergießt sich der gute Mann in zehn durchaus fundierten Tipps für das B2B-Marketing und die PR-Branche und versenkt eifrig und zielsicher in Tipp 4 seine eigene Branche und seine eigene wirtschaftliche Existenzberechtigung:
Der Tipp nämlich lautet:
"PR-Maßnahmen nicht ohne Media-Budget
Immer mehr Fachmedien entwickeln sich von Earned Media zu Paid Media: Für Berichterstattung setzen sie Produktionskostenzuschüsse, Anzeigen oder Advertorials voraus – zu Lasten ihrer Glaubwürdigkeit. Da redaktionelle Beiträge im Marketingmix aber kaum ersetzlich sind, müssen PR-Manager zunehmend eigene Media-Budgets einplanen, um eine breite Präsenz in den Fachmedien aufrechtzuerhalten."
Dem Herrn Plümer ist also offenbar gar nicht blümerant zumute, wenn er - was ja durchaus eine richtige Beobachtung ist - konstatiert, dass manche Fachmedien zuweilen für Berichterstattung Anzeigen oder Advertorials voraussetzen. Und noch richtiger bekennt er: "Zu Lasten ihrer Glaubwürdigkeit".
Plümers Schlussfolgerung daraus: PR-Agenturen sollten bei ihren Kunden auch gleich Media-Budget herausleiern, um "eine breite Präsenz" in Fachmedien aufrechtzuerhalten.
Da wird mir aber blümerant - stellvertretend für den Herrn Plümer: Wenn PR-Agenturen ihre Aufgabe neuerdings so definieren, dass sie über den einen oder anderen den Medien zugeschobenen Euro ohnehin die vom Kunden gewünschte Berichterstattung steuern können, wozu braucht der Kunde denn dann überhaupt noch die angebliche Kernkompetenz einer PR-Agentur; nämlich Geschichten zu erzählen, Themen zu setzen, bei der Entwicklung von Geschichten behilflich zu sein? Wenn ohnehin Media-Budget der bestimmende Faktor für inhaltliche Relevanz ist, dann braucht es auch keine Story-Erzähler aus Agenturen mehr. Dann reichen auch Media-Planer oder Marketing-Abteilungen in den Unternehmen.
Und wenn es stimmt, dass manche Fachmedien dadurch ihre inhaltliche Glaubwürdigkeit - das wichtigste Pfund, das sie haben - aufgeben, dann muss man auch fragen: warum sollten dann die Kunden der PR-Agenturen überhaupt noch darauf Wert legen, in diesen Fachmedien redaktionell vorzukommen? Sie würden damit ihre eigene Marke schwächen und die der Fachmedien gleich mit.
Der Tipp ist also vielleicht kein Tipp. Die anderen neun sind dafür ganz gut.
(Unentgeltliche Einschaltung für Herrn Plümer. In seinem Interesse)











