„Ich trug dich nur kurz unter meinem Herzen, doch ich werde dich ein Leben lang darin tragen.“
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„Ich trug dich nur kurz unter meinem Herzen, doch ich werde dich ein Leben lang darin tragen.“
Wie soll ich das schaffen?
Dieses normale Leben.
Morgens zur Arbeit, abends zurück.
Die Emotionen kommen in Wellen. Du denkst es ist besser und dann kommt es mit voller Wucht zurück und reißt dich um.
Heute vermisse ich dich unendlich.
Kann die Ungerechtigkeit nicht verstehen, warum ich ohne dich weiter machen muss.
Du fehlst so sehr.
In meinem Bauch und in meinem Herzen.
Ich weiß nicht wie es weitergehen soll.
Ab und zu habe ich ein bisschen Hoffnung, dann lähmt mich die Angst, niemals ein Baby bekommen zu dürfen.
Es gibt keine Garantie.
Und das macht diesen Weg noch schwerer.
Weil man nicht weiß wann er endet und wie er endet.
Alles oder nichts, Sschwarz oder weiß.
Es gibt kein grau.
Wie kann man sich gleichzeitig so sehr freuen und trotzdem tieftraurig sein?
Ich fühle mich schlecht. Weil ich gleichzeitig so widersprüchliche Gefühle fühle. Eine gute Freundin von mir, eine von den wenigen mit denen ich im Moment mehr Kontakt habe, hat mir heute mitgeteilt, dass sie schwanger ist. Bereits fast in der 13. Woche. Auf dem Bild welches sie mir von Ultraschallbildern schickte, ist bereits ein winzig kleiner Mensch zu erkennen. Und versteht mich bitte nicht falsch. Ich freue mich unendlich doll für sie. Aufrichtig und ehrlich und wirklich sehr.
Und gleichzeitig trifft es meinen verletzlichsten Punkt im moment. Ich gönne es ihnen so sehr, und dennoch komme ich nicht drum herum heulend vor dem Bildschirmdisplay zu sitzen. Weil ich dieses Glück nicht erfahren durfte. Weil die Wahrscheinlichkeit für uns schwanger zu werden so verschwindend gering ist. Weil ich ganz sicher weiß, ich werde nicht wie andere, oder eben meine Freundin einen überraschend positiven Schwangerschaftstest in der Hand halten. Wenn ich überhaupt schwanger werden sollte, dann nach Plan. Nach Operationen, viel Geld, vielen spritzen und Arztbesuchen. Und fuck, ja es tut weh. Es tut so schrecklich weh!
Ich fühle mich wie ein schlechter Mensch, weil ich mein Leid nicht runterschlucken kann. Weil meine Freude für meine Freundin getrübt ist von meiner Trauer. Um mich, um das Kind welches ich vor einem Jahr verloren habe, über die Angst niemals eine solche Nachricht an meine Freunde und Familie senden zu können.
Ich freue mich also aufrichtig für sie, und Weine gleichzeitig um mich, um das Kind welches sich nie weiterentwickeln durfte. Um die Angst, vielleicht selber niemals Mutter sein zu können. Und nebenbei die frage, ob diese zwiespältigen Gefühle mich zu einem schlechteren Menschen machen...
Das Schlimme daran, mit schrecklichen Erlebnissen klar zu kommen ist, dass die Trauer und der Schmerz für alle anderen nur kurz bleibt, während sie für den Betroffenen nie aufhören.
Hallo Sternchen,
oh wow, wie schnell die Zeit verging, ich habe dir nun wirklich lange nicht geschrieben. Ich denke, dass ich nicht betonen muss sehr oft an dich gedacht zu haben, denn ich weis, dass du es gemerkt hast. Du bist mein Schutzengel, du bist mein Licht im Dunkeln!
Es ist einiges passiert und der Grund wieso ich nicht mehr geschrieben habe ist, weil ich versucht habe es anders zu bewältigen, das Schreiben hat mir zu sehr weh getan, es hat mir beinahe mein Herz zerrissen. Ich wollte schon immer Mama werden, ich wollte es jung werden, dieser Traum ist für mich von den einen auf den anderen Moment geplatzt.
Ebenso kam ich nicht um eine operative Entfernung deiner Fruchthöhle rum. Das nahm mich so wahnsinnig mit, ich habe meinen Körper dafür verflucht und gehasst. Ich habe es einfach nicht verstanden wieso er mir das antut. Es waren einige Höhen und Tiefen, die ich durchlebt habe in der Zeit.
Der Familienzusammenhalt ist wahnsinnig gewachsen, meine Freunde haben mich immer versucht abzulenken und ich habe endlich wieder angefangen auf mich und meinen Körper zu hören. Habe nicht versucht meine Gefühle weg zu sperren, sondern habe sie willkommen geheißen. Sobald eine Träne laufen wollte habe ich das zugelassen.
Durch dich, Kaugummi, habe ich meinen Körper wahnsinnig gut kennengelernt, dass ich nur wenige Wochen nach dem riesigen Verlust das große Glück in mir wahrgenommen habe. Es war nur ein Körpergefühl, ich dachte gar nicht, dass ich schon wieder fruchtbar wäre und doch wollte mein Körper mir wohl meinen größten Wunsch erfüllen.
Ich war so aufgeregt, wollte gleich einen Test machen, hatte aber keinen zu Hause und lag mit Corona flach. Gleich nach der Quarantäne habe ich einen Test gemacht und habe direkt einen zweiten Strich erkannt. Mein Herz ging auf, die Tränen liefen nur so über mein Gesicht, ich musste sofort an dich denken! Ich wusste, dass du es nicht zulässt, du beschützt dein Geschwisterchen und mich! Ich hatte kaum Angst, es war anders, als die Schwangerschaft mit dir. Der digitale Test zeigte 1-2 an, ich war entspannter, ich wollte noch abwarten, bis ich mich bereit fühle beim Gyn einen Termin zu vereinbaren.
In der 10. SSW hatte ich meinen Facharzttermin, an dem Tag habe ich dein Geschwisterchen gesehen und es war gesund, das Herzchen schlug, es war super entwickelt, ich konnte mein Glück nicht in Worte fassen. Ich danke dir, Kaugummi! Bitte pass weiterhin so gut auf uns beide auf.
Kaugummi, ich denke du weist es, aber Papa und ich sind nicht mehr zusammen, er hat mich seit Anfang dieser Schwangerschaft wahnsinnig schlecht behandelt, wurde auch handgreiflich. Ich habe es anfangs noch versucht zu verstehen, zu schlichten, habe Fehler an mir gesucht. Doch ich konnte nicht mehr, ich musste an den kleinen Menschen in mir denken. Ich wusste, dass ich es alleine schaffe und das besser, als mit ihm an meiner Seite.
Natürlich hatte ich Ängste, aber irgendwie hatte ich im Bauchgefühl, dass alles gut ist. Und nun? - ich bin in der 23. SSW, mit deinem gesunden Bruder und freue mich so wahnsinnig auf diesen kleinen Zwerg. Seine Tritte sind spürbar, er hat schon richtig feste Zeiten an denen ich ihn spüre, abends spiele ich ihm immer eine Melodie vor, er liebt es, genauso wie ich.
Und siehe da, euer Papa fragt nicht einmal nach dem kleinen Räuber in meinem Bauch. Ihm ist alles egal, er kennt noch nicht mal das Geschlecht. Hat ein neues Leben. Gönne ich ihm auch, aber dass er das kleine Wunder und dich so vergisst, das tut mir weh! Ich bin seit Anfang der Schwangerschaft alleine und das tut so weh. Der Gedanke, dass dieser kleine Mann ohne einen Papa aufwachsen wird. Aua. Aber ich schaffe das alleine und dich habe ich auch als Unterstützung dort oben!
Da ist einiges passiert in den letzten Monaten und dass es so schnell geht, damit habe ich definitiv nicht gerechnet, aber ich bin so froh darüber. Bei jedem Tritt wird die Liebe noch größer, Wahnsinn wie viel Liebe man empfinden kann. Bei jedem Ultraschalltermin geht mir das Herz auf. Ich weine, ich weine sogar sehr viel. Es ist hart alleine zu sein, die Freude nicht teilen zu können, ich weine aber auch, weil ich einfach so glücklich und dankbar bin. Ich danke meinen Körper, dass er es schafft diesen wunderbaren Menschen zu ernähren und wachsen zu lassen!
Morgen wäre dein ET, der 14.02.2023, es bleibt niemals unvergessen, mein Schutzengel! Du bist verewigt in meinem Herzen und irgendwann trage ich dich auf meiner Haut!
Ich bitte dich von ganzem Herzen, pass auf deinen Bruder auf, beschütze und behüte ihn, so wie du es bis jetzt getan hast. Lass ihn all die Dinge erleben und durchleben, die du leider nicht erleben konntest. Du wirst trotzdem geliebt und vermisst, vergiss das nicht!
In ewiger Liebe,
deine Mama von hier unten.
Heute ist so ein Tag...
Voll mit Gedanken, was wäre wenn..
Kann diesen Verlust nicht verkraften
Diese Leere in mir 🌟
Wie kannst du nur fragen wieso mich das so mitnimmt? Natürlich verdammt! Es ist ein kleines Wunder gewesen und jetzt ist dieses kleine wunder tod..
Tabuthema: Fehlgeburt
Ich bin ehrlich.
Das hier ist kein Artikel wie jeder andere. Es wird mein persönliches Geständnis.
So ehrlich und offen ich mit vielen Dingen umgehe, so sehr habe ich mich selbst bei diesen Thema geschämt. Erst seit kurzem kann ich offen über meine ehrlichen Gefühle bei diesem Thema sprechen. Traurig aber wahr.
Im August 2018 habe ich in der 9. Schwangerschaftswoche mein Baby verloren. Meine Frauenärztin sagte mir beim zweiten Termin, dass das Herzchen nicht mehr schlagen würde.
Und ich? Ich lag dort auf der Liege, fest darauf vorbereitet erneut den Herzschlag meines Babys zu hören, und dann das. Meine Frauenärztin war sehr kalt. Keine Empathie vorhanden. Ich, völlig mit der Situation überfordert, fing an zu weinen. Und dann kam ein Gefühl, das ich nicht erwartet habe. Ein Gefühl, das mich völlig überrumpelte.
Ich spürte eine unglaubliche Erleichterung!
Wie konnte ich nur so herzlos sein? Ich hatte gerade mein Kind verloren. Bestimmt deutete ich das Gefühl nur falsch. Schließlich befand ich mich in einer Ausnahmesituation.
Aber, fühlt sich so Trauer oder Verzweiflung an? Deute ich meine Gefühle nur falsch?
Ich verließ die Praxis, rief unter Tränen meinen Mann an und fuhr nachhause.
Als erstes bin ich zu einer Freundin in meiner Nachbarschaft gegangen. Ich wollte einfach nicht alleine sein. Weinend stand ich vor ihrer Tür. Sie nahm mich in den Arm und ich erzählte ihr, dass das Herzchen nicht schlagen würde. Sie schaute mich an und sagte "Dein Verlust tut mir sooo leid!"
Mein Mann kam heim, wir beschlossen zur Ausschabung ins Krankenhaus zu gehen und dann nahm das Ganze seinen Lauf. Die medizinischen Einzelheiten einer Ausschabung erspare ich euch.
Bis vor kurzem habe ich mich für meine "falschen" Gefühle in dieser Sache geschämt. Ich war erleichtert wo ich hätte traurig sein müssen. In den Augen aller habe ich einen Verlust erlitten. Nur in meinen nicht. Für mich war es ein Zeichen des Universums. Meine Ehe war am Ende, das wusste ich. Ein zweites Kind sollte sie retten. Unterbewusst wusste ich wohl, dass das nicht das Motiv für ein weiteres Kind sein sollte. Ich wollte es mir nur nicht eingestehen.
Ich möchte euch unbedingt folgendes mit auf den Weg geben:
ALLE Gefühle sind richtig. Immer.
Wir bekommen oft ein Muster vorgegeben, indem wir uns zu bewegen haben, wenn das Schicksal zuschlägt. Befreien wir uns daraus. Reden wir offen darüber. Hören wir endlich auf uns dafür zu schämen, wenn wir nicht so reagieren, wie unsere Mitmenschen es von uns erwarten.
Niemand läuft in deinen Schuhen. Niemand kennt je alle Fakten einen anderen Menschen betreffend. Und so lange das so ist, sollten wir nicht urteilen. Nicht werten. Nur da sein.
Heute würde ich rückblickend von meiner Freundin wünschen: "Hey.. es tut mir leid, dass du das erleben musst. Wie fühlst du dich damit? Was macht es mit dir?" und keine Beileidsbekundungen zu meinem Verlust.
Am Ende war es keiner. Es war ein Gewinn. Ein Gewinn an Erfahrung und Klarheit.