24.12.1986
Ein missratenes Fest
Zum Weihnachtsfest 1986 schenken meine Eltern mir einen Commodore C128, das Nachfolgemodell des berühmten C64. Ich bin enttäuscht, hatte ich mir doch eine Atari Spielkonsole gewünscht. Der Verkäufer im Radiofachgeschäft hatte meinen Eltern geraten, keine Konsole, sondern einen richtigen Heimcomputer zu kaufen, mit dem man alles machen könne, was man mit einer Konsole machen kann und noch mehr.
Bis zu diesem Tag bin ich noch nie mit Computern in Berührung gekommen und habe keine Ahnung, was man damit anfängt. Über das Geschenk bin ich enttäuscht und will wenigstens diese merkwürdige Single anhören, die mit dem Computer angeliefert wird. Die Beschriftung “Commodore System Disk, CP/M Plus” klingt irgendwie nach DJ und nach Amerika. Ich wundere mich über die rechteckige Öffnung mit abgerundeten Ecken in der Hülle und darüber, wie schwer sich das Cover öffnen lässt. Schließlich gelingt es mir mit Hilfe einer Schere, die Single von der Verpackung zu befreien. Sie ist sehr weich und dünn und hat in der Mitte ein großes Loch, das allerdings nicht auf den Single-Adapter des Schallplattenspielers passt. Rillen sind nicht vorhanden. Ich schiebe die Platte mühsam in ihr Cover zurück und ergebe mich in ein missratenes Fest.
Erst Wochen später finde ich heraus, dass der Radioverkäufer recht hatte und dass es sich bei der Single um eine 5,25″ Floppy Disc handelt mit 170 KB Speicherkapazität, die das zusätzliche Betriebssystem “CP/M” enthielt, das man mit ihrer Hilfe auf den C128 booten kann.
(Ansgar Oberholz)













