Schön verpackt, mitten im 4.Bezirk mit einer Glasbox als Blickfang, wird das SCHIKANEDER bereits im frühen 20. Jahrhundert von künstlerischen, kunstliebhaberischen und freigeistigen Menschen besucht. Damals noch ein Kino, ist es heute - 106 Jahre später, immer noch eines. Die Bar kam erst später hinzu und machte das SCHIKANEDER zu einer Plattform für Kunst, Kultur und afterwork amusement.
Im Rahmen des 12 festival for fashion & photography findet hier fashion in motion - a night of fashion film statt. Die Modedesignerin Maria Steiner, Kunsthistorikerin Raphaela Radl und Modefotografin Verena Ritzengruber haben das Projekt initiiert und einen internationalen Aufruf zur Einreichung gestartet. Ihre Motivation liegt sowohl im eigenen Schaffen begründet als auch darin, dass es in Österreich bisher noch keine Plattform für dieses junge Genre und seine Kreativen gibt.
Eine Jury wählt unter allen eingereichten Filmen die besten aus, die dann im SCHIKANEDER präsentiert werden.
Das Konzept aus Kino/Lokal/Bar/Lounge gefällt, das hat sich bewährt, denn längst hat sich das SCHIKANEDER zu einem sozialen Zentrum der Kreativszene entwickelt. Keineswegs bedeutet dies, dass man hier nicht auf Philosophie-, Medizin- oder Politikstudenten trifft, ganz im Gegenteil. Eben dieser Mix aus Leuten mit verschiedensten Interessen macht das einzigartige Flair des Lokals aus. Der ideale Ort um Kennenzulernen, Auszutauschen und Sehenzulassen. ..nur Wirtschaftsstudenten habe ich hier bislang noch nicht angetroffen (versteht mich nicht falsch - Wirtschaft ist eine gute Sache).
Das SCHIKANEDER ist vielleicht nicht für jedermann – es riecht nach Rauch, die Möbelstoffe sind zerfetzt und zum Mineralwasser bekommt man kein Glas (versteht mich nicht falsch - ich hab das nur beobachtet), allerdings besticht das Lokal durch den einzigartigen Charme der Unbeschwertheit und Überschaubarkeit, gepaart mit kleinen Überraschungen wie Projektionen und den wechselnden Musikrichtungen.
Als ich letztens dort war, um mir auch einige Meinungen für diesen Post einzuholen, meinte ein gutaussehender Mensch zu mir, dass ihn das Lokal in diesem Moment an eine Linke Bar in Kuba der 60er Jahre erinnere. Keine Ahnung, ob der Mensch jemals in Kuba war oder in den 60ern bereits gelebt hat. Ich sah mich jedenfalls um und fühlte mich sogleich versetzt. Er hatte Recht. Ich hatte das Gefühl, ich weiß was er meint. Das SCHIKANEDER hat die Fähigkeit Menschen zu versetzen, in Stimmungen, in Zeiten. Gar nicht mal so schlecht für ein Kino, Schrägstrich, Lokal, Schrägstrich, Bar, Schrägstrich, Lounge, nicht wahr?
Bild und Text: Elvira Greblic