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Festival TV Filmtipps für Mittwoch, 01.07.2015
Mutter, Vater, Kind: Der Traum von der großen Liebe und der perfekten Familie endet im Psycho-Horror. Regisseur Saverio Costanzo zeigt in seinem Film Hungry Hearts welche erschreckenden Dimensionen das Elterndasein annehmen kann. Jude (Adam Driver) und Mina (Alba Rohrwacher) kennen sich noch nicht lange, da wird Mina schwanger. Doch schon nach kurzer Zeit wird klar, dass die beiden unterschiedliche Vorstellungen in Sachen Kindererziehung haben: Mina will ihren Sohn unter keinen Umständen den schädlichen Einflüssen der Metropole New York aussetzen, vertraut keinem Arzt und füttert den Kleinen nur mit Öl. Als der Sohn nicht mehr wächst, beginnt Jude sich Sorgen zu machen und der Konflikt in dem engen Appartement droht zu eskalieren. Doch wer ist nun der Wahnsinnig? (HFF Kino 1, 22.30 Uhr)
Dieser Film wird Euch von der ersten Minuten an mitreißen und zu Tränen rühren. Der neuseeländische Wettbewersbeitrag The Dark Horse erzählt, nach einer wahren Begebenheit die packende Lebensgeschichte von Genesis Potini. Einst war der Maori ein erfolgreicher Schachspieler, ehe eine psychische Erkrankung seiner Karriere ein jähes Ende gesetzt hat. Nach seiner Entlassung aus der Nervenheilanstalt verschlägt es ihn in seine von Gewalt, Alkoholismus und Armut geprägte Heimatstadt, in der Weiße und Ureinwohner gleichermaßen perspektivlos am Rande der Gesellschaft leben. Das Schachgenie hat einen Plan, um den benachteiligten Jugendlichen des Ortes ein Stück Hoffnung zu geben: In nur sechs Wochen will er sie für die nationalen Schachmeisterschaften fit machen. (City 1, 19:30)
Eine Reise in eine fremde Kultur bietet auch der kirgisische Beitrag Taxi & Telephone in diesem Jahr. Regisseur Ernest Abdyaparov inszeniert in seinem Schwarzweiß-Film Familiendramen und Beziehungsprobleme dramatisch und zugleich humorvoll. In einer verregneten Nacht treffen die unterschiedlichsten Menschen in einem Taxi aufeinander. Da sie noch auf einen Fahrgast warten müssen, verlassen die Insassen immer wieder das Auto, um von einem Münztelefon ihre Lieben anzurufen. Im Split Screen werden die kalte, sterile Welt der Telefonzelle mit ihren wohnlichen Heimen entgegengesetzt. Doch der Schein trügt: Lügen und Betrug finden sich bei ihnen zuhause eher als auf der kirgisischen Straße. (Münchner Freiheit, 16.30 Uhr)
Festival TV Filmtipps für Sonntag, 28.06.15
Los geht’s mit Indie-Kino aus den USA: Kurz vor der Veröffentlichung seines neuen, vielversprechenden Romans fällt dem New Yorker Schriftsteller Philip (Jason Schwartzmann) sprichwörtlich die Decke auf den Kopf. Seine Heimatstadt taugt ihm nicht mehr, die Beziehung zu seiner Freundin kriselt. Da kommt das Angebot seines großen schriftstellerischen Vorbilds Ike Zimmerman, kurzfristig in dessen Sommerresident zu wohnen, gerade recht. Alex Ross Perry konstruiert in Listen Up Philip ein gleichwohl bissig wie komisches Porträt eines Narzissten. Der Regisseur geht den Fragen nach, wie weit sich ein Mensch in Zeiten des Erfolgs verändert und ab wann es kein Zurück mehr gibt. Die weibliche Hauptrolle besetzte Perry wie schon in seinem letzten Film – dem Psychothriller Queen of Earth – mit Mad Men-Star Elisabeth Moss. (City 1, 17:30 Uhr).
Einen anderen Blick auf eine Künstlerexistent bietet Robert Greene in seiner Dokumentation Actress. Schauspielerin, Mutter, Familienmensch – ein Leben im Glamour und Glück? Brandy Burre, die 2004 als Theresa D‘ Agostino in The Wire bekannt wurde, beschließt nach jahrelanger Pause wieder als Schauspielerin Fuß zu fassen. Ist die Balance zwischen Ehe, Kindererziehung, Vorstadtleben und ihrem beruflichen Erfolg überhaupt möglich? Die Grenzen zwischen Performanz und Familienleben verschwimmen zusehends, als die Selbstdarstellerin sogar ihre Ehe gefährdet, um ihr Ziel zu erreichen. Hautnah und ungeschminkt, jedoch stets respektvoll begleitet Robert Greene die Actress auf ihrer Reise. (Münchner Freiheit IV, 19.30 Uhr)
Mit gespielten und echten Beziehungen beschäftigt sich auch Die Maßnahme von Alexander Costea. Als der Polizist Roland in die Provinz geschickt wird, um gegen einen Mordverdächtigen verdeckt zu ermitteln, ahnt er noch nicht, welche Geheimnisse der Außenseiter Werner Seiler wirklich verbirgt. Umso mehr er über den Eigenbrötler erfährt, umso weniger glaubt er an seine Schuld. Eine innige Freundschaft zwischen den unterschiedlichen Charakteren entsteht, denn in Werners Einöde kann Roland endlich der Statik seines eigenen Lebens entfliehen. Zwischen Lügen und Schuldgefühlen muss der Ermittler sich zurechtfinden. Und der Mörder läuft auch noch frei herum. (Arri Kino, 22.30 Uhr)
Festival TV Filmtipps für Freitag, 26.06.15
Tobias (Heiko Pinkowski) und Flasche (Peter Trabner) sind beide in ihren Vierzigern, richtig erwachsen sind sie aber nie geworden. Die aufgedunsenen Saufkumpane hauen sich die Nächte mit Trinkgelagen und Diskobesuchen um die Ohren, tagsüber wird der Kater kuriert. Dabei bleiben Frau und Kinder auf der Strecke und langsam wird Tobias klar, dass das so nicht mehr weitergehen kann. Ich fühl mich Disko-Regisseur Axel Ranisch zeigt in seiner neue Komödie Alki Alki nicht nur wilden exzessiven Suff, sondern auch dessen tragische Kehrseite. (Arri Kino, 19.30 Uhr)
Von schrägen Männern handelt auch Men & Chicken vom dänischen Regisseur Anders Thomas Jensen. Die völlig unterschiedlichen Brüder Elias (Mads Mikkelsen) und Gabriel (David Dencik) erfahren nach dem Tod ihres Vaters per Videobotschaft, dass sie adoptiert wurden. Gemeinsam müssen sie nun auf der Insel Ork ihrem biologischen Vater nachspüren, lernen ihre drei hinterwäldlerischen Halbbrüder kennen und erfahren so einiges über sich selbst. (Filmtheater Sendlinger Tor, 19.30 Uhr)
Wer den Abend in einem anderen Ambiente ausklingen lassen will, hat auch die Möglichkeit die Gala Alexander Payne zu besuchen. Der US-Amerikanische Filmemacher hat neben vielen Preisen schon zwei Oscars erhalten und wird auf dem Filmfest mit einer Retrospektive geehrt. In der nächsten Woche kann man sein komplettes Oeuvre betrachten. In den unterschiedlichsten Werken – vom Familiendrama The Descendants über den Road-Movie Nebraska bis hin zur Fernsehserie Hung – kann man die sorgfältige, liebevolle Zeichnung seiner Underdog-Charaktere auf der Leinwand genießen. (Gasteig Carl-Orff-Saal, 19.30 Uhr)