Covid und die Kultserien - Projekte, in die Leben kam, weil wir keines mehr haben dürfen
Letzte Woche haben wir uns mit den Serien beschäftigt, die in der Folge von Covid unter die Erde gebracht werden, diese Woche geht es um das Gegenteil. Während den diversen Lockdowns hatten viele kreative Köpfe und Schauspieler Zeit über ihre unmittelbare Zukunft nachzudenken, darüber, was sie wirklich machen wollen, und während manche wie Ruby Rose oder Anna Faris beschlossen haben ihren aktuellen Job hinzuschmeißen, habe andere beschlossen lange verschobene Herzensprojekte endlich zu verwirklichen oder einfach das wieder zu machen, was ihnen einst wirklich Spaß gemacht hat. Und oft sind diese beiden Dinge das Selbe. Und das bedeutet auch: Vorhang auf für diverse Fortsetzungsserien, Reunion-Specials, und Reboots.
Während viele von den derzeit anstehenden Projekten bereits vor Covid geplant waren, sind andere eindeutig erst deswegen entstanden. Tatsächlich ist der letzte Welle von Fortsetzungsserien - die uns unter anderem die “Gimore Girls”-Filme und “Heroes Reborn” und eine verspätete fünfte Staffel von “Prison Break” beschert hat - jetzt schon einige Jahr her. Das zeigt sich am Besten duch einen Blick auf das erfolgreichste dieser Projekte: “Fuller House”.
Die Neuauflage von “Full House” war ein Soft-Reboot, der die Serie einfach Jahrzehnte später fortgesetzt hat und die Geschlechterrollen neu verteilt hat: Danny Tanners Tochter D.J. ist nun Witwe mit drei Söhnen, zieht in das Haus ihrer Familie ein, wo ihre Schwester Stefanie und ihre beste Freundin Kimmi ihr dabei helfen ihre Kinder als alleinerziehnde Mutter aufzuziehen. “Fuller House” fand letztes Jahr nach fünf (!) Staffeln auf Netflix sein Ende. Das ursprüngliche Reunion-Special sowie die darauf folgende 1. Staffel wurden 2016 online gestellt.
Also ja, es kommt uns vor als wäre das alles erst gestern gewesen, doch in Wahrheit war die große Welle der Wiederbelbungen von Kultserien 2017 schon wieder vorbei, auch wenn noch einige Nachzügler gab. Es hatte sich nämlich gezeigt, dass all diese Projekte nicht immer von Erfolg gekrönt waren. Oft blieben sie nach einer Staffel ohne Fortsetzung und büßten den ursprünglichen Erfolg schon in der zweiten Staffel wieder ein. Übrig von der ersten Welle sind heute eigenltich nur noch “The Connors”, die bisher noch nicht für eine vierte Staffel verlängert wurden und ja eigentlich als verspätete neue Staffel von “Roseanne” begonnen haben und sich seit dem mit mehr als nur einem Hinter den Kulissen-Problem herumschlagen mussten.
Möglicherweise hat man daraus gelernt, die die neue Generation von Fortsetzungen von zu Ende gegangenen Kultserien scheint sich von Anfang an als limierte Kunstform anzusehen. Zumindest sieht es jetzt, wenn die ganzen Dinger noch nicht veröffentlicht wurden, danach aus.
Die neue Welle unterscheidet sich von der alten, denn ... irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass hier oft einfach was gemacht wird, weil man das Gefühl hat es eben tun zu müssen. Deswegen sind es überwiegend Krimi-Formate die fortgesetzt werden sollen. Von “Dexter”, über “CSI”, und “Criminal Minds” - das waren im Grunde Serien, die um einiges standartmäßiger und einfacher zu produzieren waren als “Akte X”, “Heroes” oder “Prison Break”. Selbst “Sex and the City” dürfte leichter zu machen sein als es “Gilmore Girls” jemals war. Desweiteren wird dieses Mal von Anfang an klar gemacht, dass es sehr anders weitergehen wird. “Dexter” bringt laut bisherigen Angaben gerade mal Dexter Morgan zurück. “CSI” und “Criminal Minds” mischen alten Figuren mit neuen Charakteren und tun anders als damals im Fall von “Heroes Reborn” gar nicht erst so als würden sie die alte Serie wirklich forstetzen wollen, sondern wollen eben nur von deren Erfolg profitieren. Außerdem sind sie allen Anschein nach als “Event”-Serien konzipiert - “Criminal Minds 2.0″ will kein Procedural mehr sein sondern einem Fall eine ganze Staffel widmen. Und ja, man verzichtet auch freiwllig und öffentlich auf ehemalige Stars, wenn es sein muss. Während Fans sich während Staffel 5 von “Prison Break” über die Abwesenheit von Alex Mahone gewundert haben, wissen alle dass Kim Catrall nichts mehr mit der Serie zu tun haben will, die sie einst groß gemacht hat (nun, sie ist vermutlich der Meinung, dass sie damals schon groß war, was genau genommen nicht falsch ist, aber sie wäre heute vergesssen, wenn sie damals nicht für die Serie gecastet worden wäre). Und zuletzt versprechen viele Reunions gar keine solche zu sein, sondern einfach nur den Cast wiederzuvereinen und über die Serie zu reden, wie das etwa der “Prinz von Bel-Air” getan hat und die langerwartete “Friends”-Reunion tun möchte. Da das sicherer ist als eine Fortsetzung zu produzieren, die denen, für die man sie macht, dann am Ende nicht gefällt.
Doch mit all diesen Punkten geht natürlich die Frage einher: Wollen wir das überhaupt zu sehen bekommen? Bei “Dexter” haben die Fans zumindest die Hoffnung auf ein besseres Ende, aber all der Rest? “Criminal Minds” ging gerade mal vor einem Jahr zu Ende (!). Wozu brauchen wir jetzt schon eine Neuauflage? “CSI” war mal total in, aber was wäre es heute als eine weiteres Procedural unter hunderten? Ja, natürlich freut sich das Fanherz über Christopher Melonis Rückkehr zur “Law and Order”-Franchise, aber ist ihm eine eigene neue Serie zu geben nicht ein wenig Overkill? (Anderseits sind die meisten anderen “Law and Order”-Serien ja inzwischen eingestellt, und die andere neue muss auch erst noch starten und wurde angesichts der Aussicht auf eine Christopher Meloni-Serie in der Priorität zurückgestellt).
Und dann gibt es natürlich die Aussicht auf all diese Neuauflagen der Neuauflagen. Sollte Gillian Anderson jemals ihre Meinung ändern, wird uns ein neue “Akte X”-Fortsetzung bevorstehen, ob als Film oder Serie sei dahingestellt. Wir bekommen vielleicht eine “Prison Break”-Staffel ohne Michael Scofield (warum?!), und wir warten immer noch auf die Aufklärung dieses Cliffhangars von “Gilmore Girls” (die wir wahrscheinlich nie bekommen werden, weil das das ursprüngliche Serienende hätte sein sollen).
Und während all das geschieht, warten wir immer noch ohne Aussicht darauf, dass es jemals passiert, auf den “Community”-Film und die vierte Staffel von “Hannibal.” Stattdessen haben wir nun doch die “Clarice”-Serie bekommen, die Hannibal Lecter nicht erwähnen darf, ähnlich wie Clarice Starling eben nie in “Hannibal” erwähnt werden durfte.
Und während Paramount Plus Neuauflagen zu ungefähr allem aus ihrem Backkatalog zu planen scheint, ist die “Lizzie McGuire”-Forsetztungsserie engültig tot.
Also ja, irgendwie läuft bei dieser Optik einiges schief. Aber immerhin, wer schon immer von einer Realserien Version von “Powe Puff Girls” geträumt hat, kommt nun vermutlich endlich auf seine Kosten. Der Rest von uns ist eher der Meinung, dass zur Zeit irgendertwas schief bei der Frage läuft, was wie verspätete Fortsetzungen bekommen soll und was nicht.