Das Blaue vom Himmel lügen
Die Fotobearbeitung am Rechner erledigt inzwischen richtig vieles blitzschnell, was noch vor einigen Jahren richtig mühselig war. Zum Beispiel kann ich bei Landschaftsbildern der künstlichen Intelligenz einfach sagen „Hier, mach mal einen schickeren Himmel!“ – zack, ist der Himmel schicker. In wenigen weiteren Schritten kann ich dann die Belichtung des Bildes der neuen Himmelssituation angleichen. Die Bilder sehen mit den neuen Superhimmeln sofort wahnsinnig dramatisch aus oder zumindest wesentlich interessanter. Manchmal sieht es auch sehr künstlich aus, weil die Lichtstimmung und Lichtrichtungen gar nicht zusammenpassen. Das irritiert dann und wirkt sehr artifiziell und gelegentlich auch interessant. Würde es mich stören, gäbe es auch für dieses Lichtproblem mit der AI relativ schnelle zufriedenstellende Lösungen.
Obwohl ein neuer Himmel also ganz schnell installiert ist, veröffentliche ich bislang fast gar keine Bilder, die auf diese Weise manipuliert sind. Zwar optimiere ich auch sonst Kontrast, Farbsättigung, Schärfe etc., das Ersetzen des Himmels kommt mir aber irgendwie gelogen vor. Das eine, scheint mir, schmückt die tatsächlich so passierte Geschichte nur aus. Das andere kommt mir vor, als würde man von einem Spaziergang berichten und dann eine Tigerbegegnung zur Geschichte dazuerfinden. Es macht die Erzählung vom Spaziergang sicher spannender, aber eben auch unwahr.
Sicher gewöhne ich mich noch daran. Ich habe mir jetzt für den Anfang ein paar nicht ganz so spektakuläre Himmel besorgt, mit denen ich die ganz langweiligen ersetzen werde, Von da aus kann ich langsam steigern. Das ist dann zuerst wie „Und auf dem Weg sah ich ein Katzenbild“, dann vielleicht „Und auf dem Weg begegnete mir eine getigerte Katze“. Wenn ich dann beim Tiger angelangt bin, kann ich das nächste AI-Tool einsetzen. Das ergänzt den ersetzten Himmel um Objekte, etwa Vögel, Flugzeuge, Planeten oder Horizontgiraffen. Und so eine Horizontgiraffe wertet sicher jedes Landschaftsfoto auf.