Laue Sommernacht mit Einblick ins 2008
Es gibt sie, diese Sommerabende. Lieber Besuch aus Bern in meinem neuen Heim in Luzern. Dazu ein Risotto Ticinese (das Besondere: zum Verfeinern am Schluss ein Formaggino rein, um dem Risotto Frische und Cremigkeit zu verleihen) und natürlich die eine oder andere Flasche guten Weines.
St. Aubin - der verkannte Weissweinwert
Als Apéro hab ich einmal mehr den 2008er St. Aubin 1er Cru en Remilly der Domaine Hubert Lamy gezückt. Es ist eine wahre Freude wie dieser Wein dasteht. Nämlich wie eine Eins. Öffnen, Probeschluck, stehen lassen. Dann verwandelt sich der immer noch jugendlich wirkende, blassgelbe Inhalt von diesem überfruchtigen, mit Grapefruitton versehenen Etwas in die Sorte Wein, für die ich einiges stehen und liegen lassen würde. Nach einer Stunde ist da in der Nase bereits Mineralität spürbar. Der Geschmack von Zitruszesten setzt sich am Gaumen fort, aber da ist sie wieder diese wunderbare antrocknend-kreidig-kalkige Mineralität. Einfach nur wunderschön! Für mich fast schon mehr Puligny als St. Aubin mit einer ungemeinen Rasse und beachtlicher Länge im Finale.
Hammer: Mugniers 2008er Chambolle-Musigny
Zum Essen gabs dann zwei Rotweine. Dominik war ungemein grosszügig und ich sehr angetan von seinem mitgebrachten 2008er Chambolle-Musigny Villages von Frédéric Mugnier. Pure Femininität und Eleganz. Die Nase ungemein betörend in bester und feinster Griottekirsche. Unglaublich, dass sich soviel Duft in so wenig Farbe versteckt, auch wenn man es ja langsam wissen sollte, was die besten Winzer dieser Gemeinde zu leisten fähig sind. Der Gaumen ist pure Seide und die Texturiertheit des Weines streichelt so auch die Sinne. 2008 macht sich durch eine etwas prononciertere Säure bemerkbar, aber ansonsten ein wunderbarer Wein, der seine kühle Herkunft nicht zu vertuschen versucht aber sehr gekonnt und in sich ruhend mit einem mittellangen Abgang unterstreicht.
Solid: Gevrey Villages von Trapet
Da hat es der 2008er Gevrey-Chambertin Villages der Domaine Trapet etwas schwerer. Wie schon von meinem lieben Freund Raphael umschrieben eine Wundertütengeschichte, diese Trapetweine. Auch diesmal wieder. Die Farbe schon mit leicht anbräunendem Wasserrand, die Farbe eher etwas fortgeschritten. Die Nase ist auch schon im Wechsel in die sekundäre Phase und Sous-Bois meldet sich unweigerlich an. Mir persönlich fehlt etwas das Gevrey-Fleisch. Dafür bestach der Wein mehr durch Eleganz wie den Imperativ, den die Gemeinde sonst in ihren Weinen an den Tag legt. Am Gaumen war der Wein rund, das Gefühl gut. Die Komponenten sehr ausgewogen und im Einklang. Der Abgang mittellang und mit einer leichten Betonung der doch langsam spitzer werdenden Säure. Ansonsten aber ein guter Essensbegleiter.
Nun, es war Zufall, dass alles 2008er auf dem Tisch und dann im Glas gelandet sind. Aber auch eine spannende Einsicht. Ich finde die 08er sind jetzt wirklich schon sehr schön zu trinken. Insbesondere die Villagesqualitäten machen jetzt mit 30-60 Minuten Belüftung durchaus Spass bei den Rotweinen. Bei den Weissen finde ich, wenn man Weine des Kalibers Lamy im Glas hat, kann man nichts flasch machen. Ein kühles Jahr, das mit seinen Voraussetzungen sehr spannende und ansprechende Chardonnays entstehen lassen hat. Da kann ich jedem nur viel Spass wünschen, der so etwas in seinem Keller weiss ;-)











