Die Zukunft der Haarfrisur
Ich lege großen Wert darauf, mit einer Frisur herumzulaufen, die mir gefällt, aber ich kann es nicht leiden, mir die Haare schneiden zu lassen. Die einzige Person, bei der ich nicht zahnarztbesuchsmäßig verkrampft auf dem Haarschneidestuhl saß, hat kürzlich den Beruf gewechselt, und seitdem muss ich zu anderen Menschen gehen, mit allen Aufschiebereien, Unzufriedenheiten und Schwarzmalereien, die dazugehören.
Ich trage seit einigen Jahren eine Frisur, die von Profis offenbar Messy Pixie Cut genannt wird. Damit das so aussieht, wie es mir gefällt, muss man es alle 6 bis 8 Wochen nachschneiden, ich gehe also ca. alle drei Monate zu eine_m Friseur_in. Mein größtes Problem ist die Kommunikation mit der Haarschneideperson: Welche Begriffe kann, darf oder muss ich benutzen, was zur Hölle bedeuten die Sachen, die mein Gegenüber sagt, und welcher Look erwartet mich, wenn ich an der falschen Stelle Ja oder Nein sage?
Diesmal wird alles anders. Wir haben 2019. Mein Handy hat einen hohen Akkustand, meine Fotos sind in Google Drive, und ich gehe bewaffnet mit einem Haufen Selfies in den Salon. "Bitte wieder kurz schneiden, ungefähr so wie hier." Beim Besprechen meiner Behandlung zeigen wir beide gelegentlich auf einzelne Stellen vom Bild und sagen "so wie hier" oder "anders als hier".
Der Prozess des Haarschneidens fühlt sich genauso an wie sonst immer. Aber diesmal werde ich am Ende wenigstens so aussehen, wie ich es mir erhofft habe!
Wir sind fertig. Man hält mir einen Spiegel hinter den Kopf, damit ich im Spiegel vor mir sehen kann, wie ich von hinten aussehe. Es ist ganz anders, als ich es mir gewünscht habe. Auf dem Selfie war ich nur von vorne zu sehen. Naja, immerhin ist die Vorderseite okay.