Ungefähr 2009
Die extrem gut versteckte Funkklingel
Unsere Abteilung sitzt im Souterrain eines Bürogebäudes. Wenn man raus will, kann man entweder den offiziellen langen Weg einmal durchs Gebäude, im Erdgeschoss raus oder man nimmt halt den Fluchtwegausgang, der direkt nach draußen führt. Der Fluchtwegausgang ist eine Tür, die in einen kleinen Zwischenflur führt und dann die Tür nach draußen. Raus kommt man immer, rein nur, wenn einem von innen jemand beide Türen öffnet.
Dementsprechend muss man am Gebäude entlanglaufen, bis man ein Büro findet, in dem jemand sitzt, ans Fenster klopfen und ihn oder sie um Einlass bitten. Manche Leute nutzen dann diese Gelegenheit, um einfach direkt durchs Fenster zu steigen, das kommt aber eher selten vor.
Weil die Sucherei und Klopferei uns irgendwann zu doof sind, besorgen zwei Kollegen im Baumarkt eine Funkklingel. Die Klingel selber befestigen sie unauffällig an der Rückseite einer Säule neben dem Eingang, den Empfänger verstecken sie unter einer Deckenplatte im Büroflur vor der Tür.
Jetzt haben wir eine eigene, gut versteckte, im höchsten Grade nicht genehmigte und vermutlich gegen sämtliche Bürosicherheitsregeln verstoßende Geheimklingel und müssen nicht mehr an Fenster klopfen oder den Umweg durch den Haupteingang nehmen.
Irgendwann geht die Klingel nicht mehr. Vermutlich ist bei dem Empfängermodul die Batterie leer. Die Kollegen steigen auf Stühle, fummeln unter Deckenplatten, fummeln unter anderen Deckenplatten, fummeln nochmal unter der ersten Deckenplatte. Das Modul ist unauffindbar. Offensichtlich haben sie sich beim Verstecken sehr große Mühe gegeben und jetzt müssen wir halt wieder ans Fenster klopfen.
(Anne Schüßler)











