Die Erscheinung des öffentlichen Raums
Neben konkreten Orten ist auch prinzipiell die Erscheinung der Südstadt von Bedeutung für die Befragten. Diese bezieht sich zum Einen auf den gebauten Raum wie Gebäude oder Stadtmobiliar, aber auch darauf wie sich die Bevölkerung im öffentlichen Raum verhält.
Viele SüdstädterInnen beklagen die Entwicklung des Stadtteils. Diese Entwicklung wird, wie zuvor bereits beschrieben, häufig zusammen mit der Schließung des Kaufhauses am Aufseßplatz genannt. Man erinnert sich sehr gerne an die Zeit, als das Kaufhaus noch betrieben wurde und es viele kleine und nette Läden in der Gegend gab.
Seit der Schließung kommen weniger Leute in die Südstadt und alteingesessene Läden lösen sich auf. Stattdessen sind die Gewerbeneueröffnungen meist migrantisch geprägt und es gibt eine steigende Anzahl an Spielcasinos. Darin sehen einige eine einseitige Entwicklung der Gesellschaft, des Stadtteils und der Kultur.
„Ich wohn schon immer in der Südstadt, ich fühl mich da sehr wohl und auch sehr sicher, aber ich finds halt insgesamt schade, diese Entwicklung, dies halt da grad gibt.“
Die multikulturelle Bevölkerung wird nicht als negativ gesehen, aber in ihrer Völkerzusammensetzung als zu einseitig. Eine Person bemerkt, dass das Wissen um historisches Erbe aus dem kollektiven Bewusstsein verschwindet, da ein hoher Bevölkerungsaustausch stattfindet.
„Die wissen gar nicht, dass da mal das Schloss Steinbühl stand.“
Außerdem wird die fehlende Eigenverantwortung der BürgerInnen für Sauberkeit und Pflege des öffentlichen Raums bemängelt. Fast jeder weist darauf hin, dass die Südstadt stark verschmutzt ist. Und das, obwohl es ohnehin nur eine als zu gering bewertete Anzahl an Grünflächen gibt.
„Also es ist schon so, dass die Leute hier nicht so auf Sauberkeit achten.“
Aus der räumlichen Praxis heraus entwickelt hat sich vor allem die Bedeutung von öffentlichen Aufenthaltsmöglichkeiten in der Stadt, z.B. Parkbänke. Während der Intervention äußerten viele, dass sie sich auf den Plätzen kaum aufhalten, weil ihnen das Publikum unangenehm ist.
„Das Publikum verschreckt die Leute.“
Wo Aufenthaltsmöglichkeiten (Bänke) sind, halten sich Alkoholiker, Obdachlose oder saufende Jugendliche auf. So beklagt sich eine Anwohnerin darüber, dass es abends immer laut wird, weil Jugendliche sich an den Bänken treffen und trinken.