Ich hab gerade ein Video gesehen, in dem ging es um den Verlust von geliebten Menschen.
Verrückt aber ich musste daran denken, dass ich mich verloren habe.
Ich war 5 als meine Erzeugerin meinen Stiefvater kennen lernte und meine kleine Schwester auf die Welt kam. Ich hab nur noch für meine kleine Schwester gelebt und versucht sie zu beschützen. Unser Stiefvater war der Horror. Gewalt (psychisch und physisch) und eine „Mutter“ die weggeschaut hat waren an der Tagesordnung. Ein halbes Jahr später wurde sie aus meinem Leben gerissen, für sie war es die Chance auf ein besseres Leben. Und das hat sie jetzt. Für mich ging die Hölle 3 weitere Jahre. Ich hab geschwiegen und es ertragen. Mit 10 bekam ich einen kleinen Bruder. Wieder hab ich alles dafür getan dass er in Sicherheit ist. Ein Jahr später wurde er aus der Familie genommen. Ich hab weiter geschwiegen. Hab versucht die perfekte Tochter zu sein, ohne Erfolg. Neben dem Chaos im Elternhaus wurde ich gemobbt, hab angefangen mich selbst zu hassen und wollte mich selbst zerstören. Mit 13 dann ein Umzug weg aus dem Umfeld in dem ich mich halbwegs stabil halten konnte. Ich bin gefallen, während ich versucht habe meiner Erzeugerin den Rücken frei zu halten damit sie meinen Bruder zurück bekommen kann. Ich war 15 als er zurück kam. Ich hab alles dafür gegeben ihn zu beschützen. Neben der Mutterrolle habe ich versucht meine eigenen Probleme zu verstecken was für mein Umfeld unsichtbar war. Mobbing, Essstörungen, Depression, Suizidgedanken, Suizidversuch.
Während alle dem habe ich meine mittlere Reife gemacht. Als ich dann mein Abi angefangen hab hab ich im 2. Jahr erfahren dass mein Vater, den ich nie kennenlernen durfte, gestorben ist. Ich hab erst recht den Boden verloren. Hab irgendwie mein Abi geschafft. Ein FSJ gemacht und dennoch war ich ein kleiner eingefallener Haufen. Mittlerweile bin ich 20 und hab eine Ausbildung angefangen. Ich hab meine ersten Panikattacken. Ich suche mir Hilfe aber außer Medikamenten und dem bisschen Gesprächstherapie bleibt mir nicht viel. Ich wohne mittlerweile in einem Wohnheim für Azubis. Mit meiner Familie hab ich einen halbherzigen Cut gemacht. Es dauert zwei weitere Jahre bis ich endgültig falle. Kurz vor den Prüfungen breche ich ein und liege 6 Wochen in der Klinik. Es war für mich eine der schlimmsten Erfahrungen. 2 Wochen auf der geschlossenen voll gepumpt mit Beruhigungsmitteln und ich esse tagelang manchmal nichts, trotz bekanntem Diabetes. Mein zweiter Tag auf der offenen Station endet mit so akutem Herzrasen dass ich Todesangst hatte, so wie das letzte mal mit 8/9 Jahren als mein Stiefvater mich würgt.
Ich schaffe es dennoch nach weiteren 4 Wochen die Klinik zu verlassen, die Prüfungen zu schreiben und zu bestehen. Kurz vor dem Schuljahresende erfahre ich vom Tod von meinem Opa. Ich war ein Opa Kind. Er hat mich immer motiviert alles zu geben und mein Potential auszuschöpfen. Ich falle kurz zurück und verliere Menschen von denen ich dachte sie wären meine Freunde. Ich bin immer noch in dem Azubi Wohnheim. 3 weitere Jahre vergehen und ich befinde mich zeitweise wieder auf dem Weg abwärts. Während dieser 3 Jahre waren 2/3 Pandemie und alles hat sich geändert auch ich hab mich extrem verändert. Zwischen depressiven Episoden schwangen Existenz Ängste mit. Wie geht es weiter? Wie kriege ich das alles auf die Reihe? Ich bin jetzt 25. Habe meinen ersten eigenständigen Mietvertrag für eine WG, einen ersten richtigen Arbeitsvertrag als Fachkraft und damit einen Job direkt nach der Ausbildung in der Tasche. Seit dem ich ein gutes halbes Jahr vergangen.
Ich bin heute 26 Jahre alt, hab mich verloren in mir selbst und an den Umständen, kämpfe jeden Tag weiter und habe mich verändert. Ich mag den Menschen der ich heute bin mehr als den der ich vor einem Jahr war. Ich schaffe es seit 849 Tagen ohne Selbstverletzungen und seit 23 Tagen schaffe ich es meiner Essstörung die Stirn zu bieten. Es ist vollkommen in Ordnung mal was nicht zu schaffen wir sind schließlich Menschen mit unseren Paketen. Aber wenn wir uns eingestehen etwas nicht alleine zu schaffen ist das der erste Schritt in die richtige Richtung.









