Bioglas -- ein grausamer Selbstversuch
Gestern habe ich in meinem ekstatischen Wahnsinn ganze drei Bier getrunken, das beschert einer Qualle, die zu 98 Prozent aus Salzwasser besteht, natürlich ein klaffendes Elektrolythaushaltsloch. Darum musste ich mir heute früh erstmal ein fetttriefendes Börek einverleiben und der Verantwortung gegenüber meines unförmigen Quallenkörpers wegen musste ich mir auch einen Demeter Gemüsemost kaufen.
"Milchsauer vergoren" -- Auslotung der Grenzen der überhaupt irgend Menschenerträglichen oder nackter Selbstzerstörungstrieb: ich weiß es nicht.
Mit einer sanften Handbewegung riss ich den Deckel samt Gewinde vom Flaschenhals, Bioglas eben, und goss den stinkenden Sud in eine Tasse.
Ich bin gegen Agrarsubventionen, zumindest für Rote Beete, Floras Tumor, denn man könnte die widerliche Scheiße auch verheizen und statt dessen Braunkohlesaft in den Bioladen stellen -- niemand würde den Unterschied bemerken. Denn niemand, nicht einmal der scharfgedrillte Berliner Ökolegionär, mag Rote Beete.
Wer glaubt, dass er Rote Beete mag, belügt sich selbst. Woher ich das weiß? Als Qualle habe ich zwar kein Gehirn, aber dafür um so schärfere Sinne. Wer behauptet, dass er Rote Beete mag, möge bedenken, dass er mit seinen Lügen sich selbst und der Gesellschaft schadet.
Im Ernst: "Gemüsemost"??? Da wird doch wieder mit sinnloser Skurrilität Geld gemacht, mit einer Masche, auf die jeder Bioladentourist genau einmal 'reinfällt. Die Bauern tragen nicht die Schuld an einem dysfunktionalen Wirtschaftssystem, das die Produktion nutzloser Gegenstände fördert. Aber ich bin enttäuscht vom Demeter-Verband, der seinen Namen für derlei zwielichte Panschereien hergibt.
Gemüsemost... scheiße. Was hab' ich mir dabei nur gedacht. Manchmal wünsche ich mir doch ein Gehirn.














