percy gothein
Der Idealtypus des Jüngers
Die Gestalt des Schülers Gothein war für George mehr als ein Philologe; er war ein „Erscheinender“. In der strengen Hierarchie des Kreises nahm er die Rolle des edlen, geistig empfänglichen Jünglings ein, dessen äußere Erscheinung und innere Haltung zur Deckung kommen mussten. Er verkörperte jene Pädagogik des Eros, die George verfolgte: Die Erziehung des jungen Menschen durch die Bindung an das Schöne und das Vorbild.
Philologie als Dienst Sein Wirken war kein trockenes Gelehrtentum. Gotheins Arbeiten, etwa über den Staatsmann Francesco Guicciardini oder seine Studien zur Renaissance, waren stets vom Geist des Kreises durchdrungen. Geschichte war für ihn kein abgeschlossener Raum, sondern ein Reservoir lebendiger Kräfte, die in die Gegenwart hineinwirken sollten. Er suchte in der Vergangenheit nach dem „heroischen Individuum“, jener starken Persönlichkeit, die dem Chaos der Masse trotzt.
Das bittere Ende Die Tragik seines Lebens spiegelt den Untergang jener Welt wider, die der Kreis beschwor. Gothein, der aus einer jüdischen Familie stammte, geriet nach 1933 in die Mahlmahle der nationalsozialistischen Verfolgung. Er, der das „Geheime Deutschland“ mitbegründet hatte, wurde von jenem Deutschland ausgestoßen, das sich fälschlicherweise auf die Begriffe von Macht und Ordnung berief, die George geprägt hatte. Percy Gothein starb 1944 im Konzentrationslager Neuengamme – ein Opfer jener Barbarei, vor der der George-Kreis mit seiner „geistigen Herrschaft“ gewarnt hatte.


















