Koreanische Prepaid SIM-Karte im Test. Heute: EGSIM von der Cludes GmbH in Nettetal
In Südkorea kommt man als Ausländer mit der mitgebrachten SIM-Karte in kein Netz. Selbst wenn es gelingt, ist Roaming extrem teuer und sehr langsam. Also muss man eine koreanische SIM-Karte benutzen. Aber wo kriege ich die her?
Am Internationalen Flughafen von Incheon (ICN, dem Zentral-Flughafen der Hauptstadt Seoul) gibt es Handy-Shops, wo man Handys und Smartphones mit SIM-Karten-Verträgen von SK Telecom leihen oder kaufen kann. Aber wer will schon ein Jahresabo abschließen, nur um ein paar Tage in Südkorea ins Internet zu kommen oder zu telefonieren?
Eine Prepaid SIM-Karte für das eigene mitgebrachte Handy kriegt man dort jedenfalls nicht.
Die Firmen Olleh und Korea Telekom (KT) teilen sich den südkoreanischen Mobilfunkmarkt als Monopolisten auf und lassen niemanden dazwischen.
Eine elegante Alternative ist die SIM-Karte von EGSIM, die von KT herausgegeben wird. Man bestellt sie im Internet bei der Firma Cludes in Nettetal.
Nachdem ich von Cludes die koreanische Prepaidnummer zugeteilt bekommen habe (sie beginnt immer mit 010, der Vorwahl von Seoul), muss ich mit dem Smartphone ein Foto vom Reisepass machen und die koreanische SIM-Karte auf einer Webseite in Korea freischalten. Sie kann ab dem Tag der Einreise nach Korea benutzt werden. Außerhalb von Korea ist sie nutzlos (kein Roaming).
Die SIM-Karte ist ab dem Tag der Einreise 30 Tage gültig. Innerhalb dieser Zeit kann ich beliebig oft beliebig viel Guthaben für das Telefonieren oder für die Internetnutzung über den PC oder das Smartphone nachkaufen. Man soll sich dabei von den vermeintlich kleinen Beträgen nicht blenden lassen: Für Inlandsgespräche werden in Korea pro Sekunde 4 KRW (Koreanische Won) berechnet. Das ist umgerechnet 1 Euro für 300 Sekunden bzw. für 5 Minuten. Eine Stunde Telefonieren kostet also bereits 12 Euro! Eine Katastrophe bei den Telefoniergewohnheiten meiner Frau!
Von EGSIM kann ich mir eine App auf das Smartphone laden, so dass ich einen Überblick über das Guthaben behalte Die EGSIM-App zeigt etwas 160 MB mehr Guthaben an, als die Standard-App des Smartphones. Der Wert der EGSIM App hat sich als zutreffend erwiesen. Wenn ich ein neues Guthaben auflade, muss ich ein Refresh der App machen, sonst wird weiterhin das alte Guthaben angezeigt.
Dumm ist, dass das alte Restguthaben verfällt, sobald ich ein neues Guthaben hinzubuche. Ich muss also ständig den optimalen Zeitpunkt abpassen, an dem das Guthaben klein genug ist, um nicht zu viel zu verschenken, aber nicht so klein, dass ich nicht mehr ins Internet komme.
In den Seoul und einigen Großstädten ist die öffentliche WLAN Abdeckung recht gut, aber auf dem Land fehlt sie völlig. Da ist es ein Segen, dass ich die SIM-Karte von EGSIM auch als Hotspot für unseren Gerätezoo verwenden kann. Man nennt das Tethering. Mein Hotspot bedient fast ständig ein weiteres Smartphone, einen Laptop und ein iPad. Hierbei sollte man beachten, dass Autoupdate auf allen angeschlossenen Geräten ausgeschaltet sein sollte, sonst schmilzt das gekaufte Datenvolumen durch unbemerkte unerwünschte Downloads für Updates wie Schnee in der Sonne.
Das Internet wird in Korea überwacht. Es kann durchaus vorkommen, dass plötzlich eine Meldung auf dem Smartphone erscheint, dass der Inhalt, den man gerade sieht, von der Polizei überwacht wird. Das passiert mir z.B. mit einer harmlosen Webseite einer Online-Zeitung aus Gibraltar. Ich lese die Zeitung dennoch weiter und poste dort auch einen Kommentar, ohne dass sich irgendeine Behörde bei mir meldet oder mir das Internet abgeschaltet wird. Im Zweifel hätte ich mich darauf berufen, dass ich den koreanischen Warntext nicht lesen konnte.
Als ich wieder zuhause in Deutschland bin, muss ich im Handy nicht nur die koreanische SIM-Karte gegen die deutsche SIM-Karte tauschen, sondern auch meinen deutschen Netzbetreiber Tchibo in der Tabelle der Netzbetreiber aktivieren. Sonst nimmt das Handy an, EGSIM sei noch der Netzbetreiber und ich erhalte beim Versuch, jemanden anzurufen, die nette Allerwelts-Nachricht „kein Netz“.