Lernprozess Genießen.
Seit einer Woche spricht Gott zu mir über das Thema Genießen. Wie passt das denn zum Pilgern?
Wie in meinem Eintrag über Freudenfunken u.a. deutlich wird, gibt es vieles, das ich auf dem Jakobsweg genieße.
Es gibt natürlich Pilger, die meinen, dass die Pilgerreise mehr zählt, wenn man Blasen oder andere Schmerzen hat, einen schwereren Rucksack trägt oder Steine zu einem Gipfel trägt, usw.
Aber zu denen gehöre ich sicher nicht. Ich glaube nicht, dass ich mir durch Anstrengung oder Schmerzen Gottes Liebe und Vergebung verdienen könnte. Dieses Denken ist mir fremd, unter anderem weil ich nicht katholisch aufgewachsen bin. Aber auch durch meine persönliche Beziehung zu Jesus, die ich mit 18 Jahren bewusst begonnen habe und die seither immer tiefer wurde.
Ich habe auch vor vielen Jahren gelernt, dass nichts was ich tue (oder nicht tue) Gottes Liebe zu mir erhöhen oder vermindern kann. Ich weiß, dass Jesus für alle meine Sünden gestorben ist und dass er mir vergeben hat. Keine Pilgerreise oder Ankunft in Santiago im Heiligen Jahr (2021) kann das verbessern. Darum muss ich auch die Pilgerreise nicht unnötig erschweren, Steine einen Berg hinauf tragen oder glauben, dass die Pilgerreise mehr zählt, wenn ich Blasen habe.
Vor einigen Tagen schien Gott mir zu sagen: "Geh so, dass du es genießen kannst." Hmmm? Interessant!
Im Nachdenken darüber merkte ich dann, dass ich trotz allem die Tendenz habe, mich unter Druck zu setzen. An dem betreffenden Tag, zum Beispiel, hatte ich provisorisch eine Übernachtung ausgemacht. Dadurch fühle ich mich verpflichtet, auch wirklich diesen Zielort der Etappe zu erreichen. Aber meine Füße machten immer mehr Probleme. Die Blase auf einer Zehe fühlte sich entzündet an. Was nun? "Jesus, wie soll ich das genießen?" Langsam würde mir bewusst, dass ich vielleicht die Etappe früher beenden sollte. Also suchte ich nach einem Quartier. Ich fand einen Camping Platz, aber musste dafür ein ganzes Stück zurückgehen. Gerade als ich mich auf den Weg machte, sprach mich eine Frau an. Ob ich auf dem Jakobsweg unterwegs bin. Ob ich schon eine Unterkunft habe. Schließlich bot sie mir ein Zimmer bei sich an. Ihr Haus war nur wenige Meter entfernt. Diese Frau schien mir wie ein Engel. Was für ein Geschenk!
In den nächsten Tagen dachte ich immer wieder darüber nach, was mir Gott damit sagen will.
Ein paar Tage später, sagte ich zu Gott: "Also im Moment fällt es mir schwer das Gehen zu genießen, weil ich so müde bin." Als ich um die nächste Biegung kam, stand da ein Bankerl mitten im Wald und ich konnte eine Rast einlegen. Die hat mir sehr gut getan.
So habe ich in den letzten Tagen immer wieder bewusst Genuss-Pausen eingelegt, bzw. hingehört, wo ich mich unnötig unter Druck setze. Dazu gehört vermutlich auch das schlechte Gewissen, wenn ich zu oft stehen bleibe, um zu fotografieren oder Pausen zu machen. Oder auch ein übermäßiges Bemühen sparsam zu sein und so wenig wie möglich auszugeben. Oder da Gefühl, ich sollte die vorgegebene Strecke schaffen. Auch wenn ich inzwischen weiß, dass ich durchaus auch 30 km am Tag schaffe, habe ich in den wenigsten Fällen die vorgeschlagenen Etappen geschafft. Aber das muss ich ja auch nicht.
Obwohl ich mich von Anfang an gegen alles Leistungsdenken gewehrt habe, scheine ich doch nicht ganz frei davon zu sein. Anscheinend will Gott nun in diesem Bereich an mir arbeiten.
Vielleicht war es auch ein Stück Vorbereitung auf die Schweiz. Es ist immer wieder schockierend, wie teuer hier alles ist. Es widerstrebt mir zutiefst, so viel mehr für ein Bett oder ein einfaches Mittagessen auszugeben.
Ich bemühe mich, die Situation zu akzeptieren und nicht innerlich bei jeder Ausgabe zu rebellieren.
Mal sehen, ob ich lernen kann, trotzdem zu genießen. Und ich bin schon neugierig, was Gott mir sonst noch sagen möchte auf dieser Pilgerreise.
Dazu passend ein Schild am gestrigen Besinnungsweg:
Learning to Enjoy.
For a week now, God has been speaking to me about the subject of enjoyment. How does that fit with a pilgrimage?
As is clear in my entry about sparks of joy, there are many things that I enjoy on the Way of St. James.
There are, of course, pilgrims who think their pilgrimage counts more if you have blisters or other aches and pains, carry a heavier backpack, or carry rocks to a summit, etc.
But I am certainly not one of those. I don't think I could earn God's love and forgiveness through effort or pain. This thinking is foreign to me, partly because I did not grow up Catholic. But also because of my personal relationship with Jesus, which I consciously began when I was 18 and which has deepened ever since.
I also learned many years ago that nothing I do (or don't do) can increase or decrease God's love for me. I know that Jesus died for all my sins and that He has forgiven me. No pilgrimage or arrival in Santiago in the Holy Year (2021) can enhance that. That's why I don't need to make the pilgrimage unnecessarily difficult, carry stones up a mountain, or think that the pilgrimage counts more when I have blisters.
A few days ago, God seemed to say to me, "Walk in such a way that you can enjoy it." Hmmm? Interesting!
In thinking about it, I then realized that despite everything, I have a tendency to put pressure on myself. On the day in question, for example, I had tentatively scheduled an accommodation. This made me feel obligated to actually reach this destination. But my feet were causing more and more problems. The blister on one toe felt inflamed. What now? "Jesus, how am I supposed to enjoy this?" Slowly I realized that I should perhaps end today's leg earlier. So I started looking for a place to stay. I found a camping site, but would have to backtrack quite a bit to get there. Just as I was getting ready to leave, a woman approached me. Whether I am on the Way of St. James. Whether I already have a place to stay. Finally, she offered me a room at her place. Her house was only a few meters away. This woman seemed like an angel to me. What a gift!
Over the next few days, I kept thinking about what God was trying to tell me.
A few days later, I said to God, "Right now I'm having a hard time enjoying walking because I'm so tired." Immediately afterwards, when I came around the next bend, there was a bench in the middle of the forest and I was able to take a rest. It did me a lot of good.
So in the last few days, I have always consciously taken breaks of enjoyment, or watched out for where I put myself under unnecessary pressure. This probably includes a guilty conscience when I stop too often for taking pictures or other breaks. Or even an excessive effort to be frugal and spend as little as possible. Or feeling like I should be able to make the given distance. Even though I know in the meantime that I can do 30 km a day if necessary, I have rarely done the suggested distances of the guidebook. I know I don't have to.
Although I have resisted all performance thinking from the beginning, I do not seem to be completely free of it. Apparently, God now wants to work on me in this area.
Maybe it was also a part of the preparation for Switzerland. There it is always shocking for me how expensive everything is. I am very reluctant to spend so much more for a bed or a simple lunch.
I am trying to accept the situation and not rebel inwardly at every expense.
Let's see if I can learn to enjoy it anyway. And I'm already curious about what else God wants to tell me on this pilgrimage.















