Am Fuß des Wilden Kaisers
Die ersten drei Pilgertage hatte ich ideales Wetter. Ab heute ist jeden Tag Regen angesagt. Aber wie in Portugal heißt das noch lange nicht, dass es jeden Tag den ganzen Tag regnet.
Die letzte Nacht hat es durchgeregnet, aber heute Früh war es nur noch ein minimales Nieseln. Und so ging ich mit meinem langärmeligen Hoodie los und der Poncho blieb im Rucksack. Das Nieseln blieb minimal und hörte zwischendrin wieder auf. Um 11h kam dann die Sonne durch.
Am frühen Nachmittag hatte ich eine Regenfront im Rücken und der Wind blies scharf in meine Richtung. Trotzdem zog der Regen an mir vorbei. Über der nächsten Bergkuppe wartete bereits blauer Himmel auf mich. So blieb ich den ganzen Tag fast trocken.
Die Suche nach Unterkünften ist unerwartet schwierig, weil viele doch noch nicht aufgesperrt haben oder mangels Reservierungen wieder zusperrten nach Pfingsten.
Die Tourismus-Verbände sind darum meine wichtigsten Ansprechpartner, denn sie wissen wer offen hat. Interessant ist, wie jedes Büro anders auf meine Anfrage reagiert.
Heute schickten sie mir eine Mail mit Vorschlägen. Allerdings war nur einer davon auch nur annähernd für Pilger erschwinglich. Also rief ich dort an. Die zuständige Person war nicht da. Erst beim zweiten Rückruf erfuhr ich, dass es möglich ist, dort zu übernachten.
Das war schon toll, aber es kam noch besser. Als die zuständige Person später auftauchte, stellte sich heraus, dass sie selber schon den Camino gegangen ist. Darum fragte sie auch gleich, ob ich nicht Wäsche zum waschen habe. Wow!!! Sie weiß aus eigener Erfahrung, wie froh man darüber ist. Außerdem erfuhr ich von ihr, dass meine Blasen auf den Fußballen einen Namen haben: "Sohlenbrand" - ja, das passt. Genau so fühlt sich das an. Sie hatte beruflich damit zu tun.
Und so fühle ich mich wieder einmal reich beschenkt. Ich bin hier an einem der letzten Häuser am Fuße des Wilden Kaisers. Bereits gestern kriegte ich ab und zu einem Blick darauf, aber ab heute Nachmittag war er dann in voller Größe zu bewundern, auch wenn er sich zwischendrin in Wolken einhüllte.
At the foot of the Wilder Kaiser
The first three days of pilgrimage I had ideal weather. From today on rain is announced every day. But as in Portugal, this does not mean that it will rain every day all day long.
Last night it rained through, but this morning there was only a minimal drizzle. And so I went off with my long-sleeved hoodie and the poncho stayed in my backpack. The drizzle was minimal and stopped in between. At 11am the sun came through.
In the early afternoon I had a rain front in my back and the wind blew sharply in my direction. Nevertheless the rain passed me. Over the next hilltop a blue sky was already waiting for me. So I remained almost dry the whole day.
The search for accommodations is unexpectedly difficult, because many of them have not yet opened their doors or closed them again after Whitsun due to lack of reservations.
The tourism offices are therefore my most important contacts, as they know who is open. It is interesting how each office reacts differently to my request.
Today they sent me an e-mail with suggestions. But only one of them was even remotely affordable for pilgrims. So I called them. The person responsible was not there. It was not until the second call back that I learned that it was possible to stay overnight there.
That was already great, but it got even better. When the person in charge turned up later, it turned out that she herself had already taken the Camino. That is why she immediately asked if I had any laundry to wash. Wow!!! She knows from her own experience how happy you are about these things. She also told me that my blisters on the balls of my feet have a name: "Sole burn" - yes, that fits. That's exactly how it feels. She had to do with it professionally.
And so once again I feel richly blessed. I am here at one of the last houses at the foot of the Wilder Kaiser. Already yesterday I got a glimpse of it from time to time, but from this afternoon on I could admire it in full size, even if it was wrapped in clouds in between.
Blick vom Zimmerfenster * View from my room