In allen Abteilungen des Max-Planck-Institutes für wahrscheinliches und unwahrscheinliches Recht gibt es Forschungsprojekte zur Bild- und Rechtswissenschaft. Eines der Projekte führt Hoachen Ku durch, der ein fantastischer Gesprächpartner für alles und darum auch für die Geschichte und Theorie der Zeitmessung sowie die Geschichte und Theorie des decorum ist. Beides hängt zusammen, besonders, so sagt mir das Haochen, in China, weil die Musterung der Gesellschaft deutlich darauf ausgerichtet ist, Zeit passieren zu lassen.
So setzt man schon Leute in der Reihenfolge ihres Alters an eine Tafel. Rangfolgen folgen Mustern, die sich aus der Alterung ergeben, und das unabhängig von Verdiensten. Der Durchgang von Zeit, die Stelle in der Zeit ist auch gelöst vom Verdienst wichtig. Die Zeit soll wahrnehmbar sein, auch im Sinne einer Ausübbarkeit.
Hoachens Projekt ist, wie kann es anders sein, irre! Schon der Titel lässt das Herz hüpfen:
The semantic labyrinth of normative mediums:
Redefining missionary cases in multi-jurisdictional China (1842-1911)
In multi-jurisdictional China, ‘missionary cases’ were clashes of normative knowledge coming from very different agents: from the Chinese, various European states and the Church authorities. To some extent, the legal interactions that occurred in these cases can be seen as navigating a labyrinth: finding the exit (i.e. a solution) was the ultimate goal for all agents, but in the process, each party would encounter many obstacles. These obstacles are the heteroglossia of semantics: although seemingly dealing with the same legal terms, agents had a vastly different understanding of them, corresponding to their own epistemic structures. Rather than simply dealing with legal issues with specific terms, the agents were using legal terms as a lens to gain insights into each other's mindsets. Legal terms can thus be recognized as normative mediums, providing space for each party to be confused, to explore or debate, and to seek a way out of the maze – even though these ‘exits’ were often unexpected and in effect rewrote the history of Sino-Western legal interactions.
As conflicts that stirred up all levels of Chinese society during the very last years of the Chinese Empire, missionary cases show us a variety of legal terms as normative mediums: violence, property, communities, sovereignty, etc. The network composed of these terms explains why legal translation was possible in Late Qing China: new knowledge was produced in semantic practice. All cases were discussed in a highly pragmatic environment and involved various technical issues. The discussions of these technical issues not only show the different semantic contexts of normative mediums under different jurisdictional traditions, but also demonstrate how the agents strove to reach a new solution within these differences.
Thus, this project focuses on these normative mediums and the ‘semantic labyrinth’ behind them. There are abundant sources for the missionary cases: government archives, private diaries, mission reports, travel literature, etc. However, the epistemic structures behind these texts are still to be reconsidered. This project will benefit from Digital Humanities methods to deal with large amounts of text. Through the analysis and organisation of the corpus of ‘missionary cases’, this project will explore the normative mediums that were discussed by contemporary agents but are neglected today, and track how these mediums entered the later legal discourse. These efforts will help us to redefine the ‘missionary cases’, one of the most important public issues at the dawn of imperial China, from a new perspective, and to figure out how these cases presented and shaped legal keywords of China afterwards.
Follow him, follow his work!
Das Bild ist zwar auch ein visuelles Medium, es ist aber nicht nur ein visuelles Medium. Das Bild teilt schon Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit auf, macht sichtbar und unsichtbar. Es gibt darüber hinaus aber auch noch Bilder in nicht-visuellen Medien.
Gemeint sind damit nicht nur Metaphern, sondern (in Warburgs Sinne) Objekte, die wendig sind, schon deswegen, weil sie gedreht werden oder etwas an ihnen um-, auf- und zugeklappt werden kann. Warburgs Polobjekte sind teilweise Klappobjekte (Objekte, zu denen insbesondere Helga Lutz und Bernhard Siegert forschen).
Der Begriff des Bildes hängt auch am Begriff der figura und am Begriff des Schemas, die beide schon mit graphischen Operationen (auch choreographischen Operationen) zu tun haben, die Bewegung durchgehen lassen. Auf dem tumblr und Unter dem Gesetz gibt es mehr dazu zu lesen, man kann das finde, wenn man die Suchfunktion nutzt und zum Beispiel den Namen Nadia Koch eingibt, die dazu sehr interessante Arbeiten im Schnittfeld von Archäologie, Philologie, Rhetorik und Kunstgeschichte veröffentlicht hat (ich habe ein hashtag dazugefügt). Das ist eine Bewegung, die im Begriff von figura und schema auch an Vorstellung von Wendungen (im Sinne von Kehren oder Verkehrungen) hängt. Falten wäre in dem Sinne auch dann eine Bildtechnik, wenn die Falten nicht visuell sind. Haochen beschäftigt sich mit normativen Medien, die sowohl als visuelle Medien als auch als nicht-visuelle Medien vorkommen.
Wir haben einen Innenhof, eine Art Kreuzgang, da diskutieren wir manchmal. Gestern erzählt mir Haochen von Höhlen in der Wüste Gobi, in denen sich Bilder buddhistischer Kosmologien finden. Das sind Bilder in Höhlen, im Dunklen. Man kann sie mit Licht betreten, aber auch dann ist Unterschied zwischen sichtbaren Stellen und nicht sichtbaren Stellen nicht nur Teil des Besuches, er ist auch Teil derKosmologie. Und die Bewegung durch dieses Höhlen, der Wechsel der Stellen, die siichtbar sind und die unsichtbar sind, auch der istnicht nur Teil des Besuches der Höhlen, sondern Teil der Kosmologie. Die Wüste wächst, weh dem, der Wüste birgt, auf alle Fälle also auf in die Wüste Gobi, da will ich am Sehen und Nichtsehen teilnehmen.