1. September 2025
Der bewegte Kinderwagen
Im Frühstücksraum des Hotels im polnischen Rogowo finden wir einen Platz an den großen Fenstern, nahe einer Familie mit einer kleinen Tochter. Neben dem Tisch steht noch ein Kinderwagen. Doch „steht“ stimmt nicht: Der Kinderwagen bewegt sich die ganze Zeit vor und zurück, vor und zurück. Ungewöhnlich daran ist, dass er das von selbst tut. Da ist kein Arm eines Menschen, der ihn bewegt.
Eine neugierige Befragung unserer Nachbarn nach den Funktionen dieses Kinderwagens entfällt wegen der Sprachbarriere. Daher recherchiere ich zunächst auf einem bekannten Onlineportal, finde jedoch kein entsprechendes Produkt. Die Suchmaschine verweist mich auf einen Artikel von heise.de vom Januar 2024. Der dort vorgestellte Kinderwagen nutzt einen Elektromotor für die beschriebene Funktion namens „Rock-My-Baby“. Doch der E-Motor dient auch als Antrieb, kann selbständig abbremsen und fungiert als automatische Handbremse. Im Schiebe-Griff ist eine Kamera eingebaut und eine KI sorgt dafür, dass der Kinderwagen nur von Befugten bewegt werden kann. Sogar ein autonomes Fahren scheint damit möglich. Eine App wird zwar erwähnt, doch im AppStore finde ich sie nicht. Dieses Modell kostet rund 4.400 kanadische Dollar. Das kleinere Modell ist schon ausverkauft.
Die Hersteller von Kinderwagen haben schon länger erkannt, dass Männer eine lohnende Zielgruppe sind. Man kann sie mit schönen Design-Elementen wie coolen Felgen und mit Technik-Features gewinnen. Die „About“-Seite des genannten Anbieters formuliert das so: „The team […] is pushing the boundaries of robotics and machine learning to improve stroller safety, usability, and comfort.“
Meine Ehefrau hat das sofort erkannt und meinte: „Das kann sich wieder nur ein Mann ausgedacht haben.“
(Frank Schiersner)













