Vor nicht allzu langer Zeit erwischte ich mich dabei, wie ich auf der Toilette eines Freundes Lustige Taschenbücher durchblätterte. Da ich ein sehr großer Freund der Scheißhauslektüre bin, was hier jedoch an anderer Stelle sicherlich noch weiter ausgeführt werden wird, verbrachte ich einige Minuten damit mich in die Welten von Donald, Mickey, Goofy und Dagobert zu verlieren.
Doch schon nach einigen Sekunden fiel mir auf, dass eine bestimmte Emotion nicht in mir aufflammte, die früher doch die komplette Lektüre begleitete: Sympathie.
Ich fand jede einzelne Figur unsympathisch. Die Helden meiner Kindheit waren zu Arschlöchern mutiert. Und dann fiel es mir wie Goldtaler von den Augen: Ne nicht sie hatten sich verändert.
Also saß ich da beim Kacken und las diese abenteuerlichen Geschichten. In den Hauptrollen: Klugscheißer-/ADHSKinder Tick,Trick und Track, Menschenhasser Donald, Geizhals Dagobert und nicht zu vergessen Lucky Bastard Gustav Gans. Während ich mich selbst in mancher ihrer Reaktionen noch fand, gab es jedoch eine Figur, die mir förmlich Ekel in meinen gesamten Körper pflanzte: Mickey Mouse.
Diese kleine neunmalkluge Ratte, die immer alles besser weiß und seinen, vielleicht gar nicht mal so dummen, Freund Goofy durchgehend wie Scheiße behandelt, hat mich kurz innehalten lassen.
Doch wie es mit allem ist, eben auch Ekel, fängt man erst mal damit an, dann hört man sehr ungern wieder damit auf. Also musste die Toilettenspülung noch ein wenig warten.
Dieses Nagetier hat es sich mit seiner Klugscheißerei und Weltverbesserer Manier zur Aufgabe gemacht die vermeintlich Bösen zu bekämpfen. Das ist ja auch alles schön und gut und sogar nachvollziehbar. Aber dieser kleiner Pisser fühlt sich ja soviel besser als alle anderen. Er macht alles richtig, nie was falsch und deshalb kann er es sich ja auch rausnehmen über andere zu richten. Und plötzlich merke ich wie meine Sympathie für ganz andere Figuren steigt: Das schwarze Phantom hasst Mickey, also mag ich ihn, Kater Karlo hasst Mickey, also mag ich ihn. Und so werden langsam die Feinde der Helden meiner Kindheit meine neuen Helden, währen die alten Helden sich langsam in Feinde verwandeln.
Ich zieh die Toilettenspülung, pack das Lustige Taschenbuch zurück ins Regal und verlasse das Bad. Ganz von alleine beginne ich zu summen, weil ich zum Pfeifen zu dumm bin. Und nach ein paar Sekunden erkenne ich erst, was ich da eigentlich summe:
“Weshalb ich Menschen nicht mag?”
Und in meinem Kopf beginnt Audio 88 in einer MTV Unplugged-Version meine ganz eigene Version zu singen: