Kritik: Himmelskind (Miracles From Heaven)
Der Film Himmelskind basiert auf einer wahren Begebenheit und handelt von der christlichen Familie Beam aus Texas. Die Familie, bestehend aus Vater Kevin (Martin Henderson), Mutter Christy (Jennifer Garner) und den drei Töchtern Anna, Abbie und Adelynn wird in ihrem Glauben und in ihrer Stärke auf die Probe gestellt, als die zweijüngste Tochter Anna (Kylie Rogers) schwer erkrankt.
Ab hier folgt der Film genretypischer Handlung. Das verzweifelte Rennen von Arzt zu Arzt, das Problem der Finanzierung der teuren, medizinischen Behandlung, die aufkommenden Zweifel an der Genesung des Kindes, der Handlungsablauf bietet wenig Neues. Das Problem des Films ist allerdings nicht die Handlung, sondern die Charakterentwicklung. Abseits der Mutter und der Tochter Anna machen keine Charaktere eine Entwicklung durch.
Dabei werden viele Möglichkeiten verpasst den Film interessanter zu gestalten. Ein Streit zwischen Mutter und Vater, die ältere Tochter, die ins Fußball Allstar Team kommen möchte, die Zimmernachbarin im Krankenhaus, es gibt viele angedeutete Konflikte und Nebenhandlungen. Leider bleibt es bei den Andeutungen, kein Konflikt abseits der Haupthandlung wird tiefergehend thematisiert, obwohl es durchaus interessante Konstellationen hätte ergeben können.
Schauspielerisch leisten Jennifer Garner und Kylie Rogers ganze Arbeit. Beide tragen diesen Film und ihren Darstellungen ist es zu verdanken, dass der Film nicht in die Belanglosigkeit abdriftet. Queen Latifah als Freundin Angela und Eugenio Derbez als Doktor Nurko geben dem Film mit ihren Charakteren eine gewisse Leichtigkeit, die den Unterhaltungswert des Films ungemein steigert. Die anderen Darsteller bleiben durchweg blass, auch weil ihnen das Drehbuch wenige Chancen gibt sich schauspielerisch zu zeigen.
Der Film hat eine Soap-Opera Ästhetik, mit knalligen Farben und viel seichter Popmusik. Es gibt es zwei Sequenzen, die an Musikvideos erinnern, welche völlig fehl am Platz wirken. Eine Sequenz gegen Ende des Film, die aus Spoiler-Gründen nicht genauer beschrieben wird, mag der christlichen Vorstellung durchaus gerecht werden, wirkt allerdings äußerst kitschig und stellt die religiöse Nachricht des Films komplett in den Vordergrund.
In jeder Szene wird durch Musik vermittelt, wie der Zuschauer zu fühlen hat. Ob Trauer, Freude, Ausgelassenheit, die Musik ist allgegenwärtig und lässt Garner und Rogers nie den Raum nur durch ihre Schauspielerei zu berühren.
Der Film drückt dazu in fast jeder möglichen Szene auf die Tränendrüse. Am Ende des Films wird eine berührende Szene an die andere gereiht. Es wirkt als wolle Riggen auf keinen Fall jemanden mit trockenen Augen, aus dem Kino lassen.
Abschließend lässt sich sagen, dass der Film eine durchaus interessante, wenn auch nicht sonderlich originelle Ausgangslage, durch seine Inszenierung ruiniert. Die verpassten Chancen die Handlung interessanter zu gestalten, ziehen sich durch den kompletten Film. So wird das Potential der Nebenhandlungen komplett verschenkt. Die äußerst kitschige Inszenierung steht immer im Vordergrund und lässt den Schauspielern keinen Platz zur Entfaltung. Riggen verpasst es hier ein Familiendrama mit Wirkung zu erzählen.
Trotz allem wird der Film sein Publikum finden. Wer mit Nicolas Sparks Verfilmungen, Kitsch und christlichen Botschaften kein Problem hat, der wird auch hier unterhalten werden. Allen anderen ist zu empfehlen den Gang ins Kino zu vermeiden.