30 /Houellebecq/ Unterwerfung
Liebe Franziska,
er übertreibt mit einer Penetranz und übersteigert-arroganten Freude, mal wieder.
Der Protagonist ist Literaten-Uni-Dozent mit Liebeskummer zu Beginn. Den Liebeskummer bekämpft er wie üblich mit anderen Frauen, nur diesmal zieht seine Masche nicht: Jedes Jahr eine neue Studentin klappt nicht mehr. Denn der Islam übernimmt das politische Frankreich und findet Einzug in allen Lebensbereichen.
Der Protagonist reist durchs Land und führt Gespräche zum Islam und zur Identiären Bewegung, während Bürgerkriegsähnlichkeiten Frankreich in Angst versetzen. Als die islamische Partei für Stabilität sorgt, verliert er seinen Job, bekommt aber als Schweigegeld eine lebenslang hohe Pension. Er zieht sich, wie der Autor über den er promoviert hat, ins Kloster zurück, um dann doch jobtechnisch gelockt zu werden: Über ein Buchprojekt zum Promotionsgegenstand fasst er wieder Fuß in akademischen Kreisen. Diese bestehen zwischenzeitlich nur mehr aus Männern, die Frauen unterwerfen sich, wie es das politische System gegenüber der Religion tut.
Für mich ist Unterwerfung sehr eigen und provokativ, dafür hatte ich Houellebecq aber schon immer geschätzt und gehasst. Das Buch ist 2015 erschienen, meine Reise nach Paris war schon geplant - dann fanden die Anschläge statt. Ich bin mit mulmigem Gefühl in den TGV gestiegen während der Autor sich eine bessere, so schreckliche Werbung für sein Buch, nicht einmal mit seiner kruden Phantasie hätte ausdenken können.
Ein schreckliches Frauenbild, wie meist. Diesmal mit dem Islam begründet. Dabei mag er für Frankreich nicht ganz unrecht haben - Integration war nicht die Glanzleistung.
Gut zu lesen, viel zu denken, viel Galle.
Bye
M
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Liebe Maria,
den Aufrschrei hatte ich vernommen, mich aber bisher nicht größer mit "Unterwerfung" auseinandergesetzt. Das Buch habe ich deshalb vor allem mit Neugier begonnen.
Houellebecq nähert sich dem Thema "schleichende Islamisierung des Staates" in Romanform, sein Protagonist ist an sich unpolitisch, er ist eher mit seinem Privatleben und seiner wissenschaftlichen Karriere beschäftigt. Genau das macht ihn wahrscheinlich opportunistisch zum Opfer des neuen Systems werden.
So provokant seine Angriffe auf die heutige französische Gesellschaft und Elite sind - sicher nicht ohne Grund ist es die Sorbonne, die als Beispiel dient - finde ich den beschriebenen Ablauf der islamischen Übernahme nicht ungewöhnlich. Ein Blick auf den Verlauf der Geschichte (Nazideutschland etc) zeigt, dass dies ähnlich schon passiert ist.
In der Schnelligkeit und Extremität sicher ein eher unwahrscheinliches Zukunftsszenario, aber auch eine Demokratie kann nicht verhindern, dass sich neue (kulturelle, religiöse) Mehrheiten bilden, auf Idealismus und Opportunismus treffen und so unser Weltbild neu gestaltet wird...
In diesem Sinne stehen wir für das ein, was uns wichtig ist!
Liebe Grüße aus dem islamisch geprägten Oman
Franzi










