Mehr vom Weniger
Die Welt-Medienmarke “New York Times” ist bei der Monetarisierung ihrer digitalen Bemühungen enorm erfolgreich: 1,6 Millionen Menschen haben sich bereits für eines der digitalen Abos der Tageszeitung entschieden. Und trotzdem bedeutet jedes neue Digital-Abo auch ein neues Problem. Notizen von der Ifra Expo 2017 in Berlin.
Keine ist besser, keine ist digitaler: Rund 100 Millionen Unique Users verzeichnet die New York Times monatlich, 1,6 Millionen Digital-Abos hat die Tageszeitung mittlerweile verkauft und seit 2007 ist die digitale und gedruckte Auflage der New York Times um 121 Prozent gestiegen, während amerikanische Zeitungen im Durchschnitt seit 2007 32 Prozent an gedruckter und digitaler Auflage verloren haben.
Man könnte meinen: die machen vieles richtig. Und so ist es auch. Aber das Richtige kann in diesem hoch komplexen Mediengeschäft auch zum falschen Ergebnis führen - und genau das könnte für die New York Times zutreffen, wenn man andere Zahlen zum Maßstab macht.
Der Preis für das Printabo der New York Times liegt derzeit pro Jahr bei mehr als 900 US-Dollar. 2008 waren es noch etwas mehr als 500 US-Dollar. Das digitale Abo kostet derzeit günstigenfalls 1,25 US-Dollar pro Woche. Und nicht einmal Michael Golden, Vice-Chairman der New York Times, glaubt, dass Abo-Preissteigerungen im Print-Tempo auch im digitalen Bereich möglich wären: “Preissteigerungen für digitale Abos sind schwieriger als bei Print-Abonnements”, erzählte mir Golden am Rand der Ifra Expo 2017 kürzlich in Berlin. Was unter anderem daran liegt, dass Preissteigerungen im wichtigsten Ökosystem für den Vertrieb von Digital-Abos, jenes von Apple nämlich, eigentlich nicht vorgesehen sind. Jede Preissteigerung eines Abos im App Store wird dadurch fast verunmöglicht, dass bestehende Abonnenten dann ihr bestehendes Abo kündigen und dann wieder im App Store neu kaufen müsste. Das wiederum wäre ein riskantes Unterfangen für die New York Times. Preissteigerungen wären also nur für jene Digital-Abos möglich, die direkt über die New York Times verkauft werden.
Und es gibt noch ein Problem: jedes digitale Abo, das ein Print-Abo ablöst, bedeutet einen enormen Verlust für die Gesamtbilanz der Abo-Erlöse. “Die Print-Ausgabe unserer Zeitung wäre auch ohne Werbung profitabel”, sagt Michael Golden. Bei den digitalen Produkten wäre das - jedenfalls noch - nicht der Fall und die New York Times würde bei jeder Abo-Flucht von Print zu Digital hunderte US-Dollar pro Jahr verlieren.
Derzeit macht die New York Times mit zehn Prozent der Online-Leser rund 90 Prozent des digitalen Umsatzes. Diese beiden Zahlen müssen aneinander rücken und gleichzeitig müssen die Macher der New York Times vor allem eines hoffen: dass die Print-Abonnenten bloß nicht allzu rasch ins Digitale wechseln.











