Der automatische Informationsaustausch der Finanzbehörden – mittlerweile sogar weltweit. Welcher Brief dich demnächst erwarten könnte, erfährst du in diesem Artikel.
Seit dem Jahr 2016 gibt es den internationalen Datenabgleich der Finanzbehörden. Dieser ist nicht nur sehr umstritten, sondern auch für einige Steuerpflichtige in Deutschland mit Nachteilen verbunden. Was passiert da eigentlich genau? Jedes Jahr findet zum 30.09. ein Abgleich der Bankkonten weltweit statt. Hier wird geschaut: Okay, hier haben wir einen Steuerpflichtigen in Deutschland – hat der denn ein Konto in der Schweiz, Liechtenstein, Bahrain, Panama und ähnliche?
Jetzt wirst du sagen: Panama und ähnliche sind doch nicht dabei. Doch! Beim nächsten Datenaustausch zum 30.09.2020 sind diese Länder dabei. Inzwischen sind 108 Länder im Datenabgleich vertreten, um zu prüfen ob Steuerpflichtige Konten im Ausland haben.
So kann es sein, dass du in Zukunft einen bösen Brief bekommst. Das Finanzamt hat über die letzten Jahre Millionen von Daten gesammelt und ist seit Juli dabei, diese Informationen zu hinterfragen und abzugleichen, ob Einkünfte, Zinsen u. ä. in der deutschen Steuererklärung angegeben wurden. Oder auch im Falle einer Erbschaft, ob das Ganze bei der Erbschaft- & Schenkungsteuer richtig erklärt wurde.
D.h. für Menschen, die in den letzten Jahren Steuerhinterziehung begangen haben, könnte der automatische Informationsaustausch zum Nachteil werden, denn nun fliegt immer mehr auf. Jetzt wird keine CD mehr gekauft, wie beim letzten Mal, sondern die Daten werden von Banken und anderen Unternehmen frei zur Verfügung gestellt.
Dementsprechend solltest du dich darauf vorbereiten. Das Problem ist aber, dass du keine Selbstanzeige mehr erstatten kannst. Eine ordnungsgemäße Selbstanzeige musst du schon abgegeben haben, bevor sozusagen ein Beamter überhaupt einen Stift in die Hand nimmt. Da es jedoch ähnlich wie bei den CDs ist, dass hier schon Daten bearbeitet worden sind und womöglich schon eine Kontrollmitteilung rausgegangen ist, wäre das mit Problemen für dich verbunden, denn eine sogenannte strafbefreiende Selbstanzeige wäre für dich nicht mehr möglich.
Kommen wir zu einem weiteren Punkt, den man auch erwähnen muss: Der internationale Datenabgleich ist nicht nur mit positiven Effekten verbunden, sondern auch mit negativen. Staaten, die nicht ganz so demokratisiert sind, profitieren davon. Länder, in denen eine Diktatur herrscht, bekommen ebenfalls Zugriff auf diese Daten und können z.B. Konten im Ausland einfrieren lassen. Wenn sich beispielsweise ein Widerstand in einem Land formiert, hat der Staat Informationen über die ausländischen Konten und kann schneller agieren und der Widerstand bekommt ein Problem.
Quellenverweis: Zeitung „Der Westen“, 04.07.2019, „Wenn du diesen Brief bekommst, droht dir jede Menge Ärger“
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