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Siegen, Weidenau, Juni 2023
2. September 2020
Ein neues Bankkonto ist schnell eröffnet, aber dann
Ich habe mir schon länger vorgenommen, mir eine neue Bank zu suchen – zuerst nur halbherzig, weil sich die N26-App immer weiter verschlechtert, zuletzt dann sehr konkret wegen der Sache mit dem Betriebsrat. Eine Umfrage in der Redaktion ergibt, dass Tomorrow wohl so ähnliche Dinge kann wie N26 und dabei sympathischer ist. Technisch ist mir vor allem die sofortige Benachrichtigung über Kontobewegungen wichtig, die hat mein Leben verbessert und ich möchte nicht mehr ohne sie sein.
Dass man bei Tomorrow nur dreimal im Monat kostenlos Geld abheben kann, hätte mich vor einem Jahr vielleicht noch gestört, inzwischen ist es mir vollkommen egal. Dank Corona kann man auch in Deutschland inzwischen fast alles mit Karte bezahlen, im Ausland ging das sowieso schon lange. Ich weiß gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal Bargeld abgehoben oder benutzt habe.
Ein paar Wochen schiebe ich die Kontoeröffnung noch vor mir her, weil ich nicht zu Hause bin und mir vorstelle, dass man wohl irgendwas Wichtiges zugeschickt bekommt und dieses Wichtige auf keinen Fall an eine andere Adresse als an den Hauptwohnsitz geschickt werden kann. Heute raffe ich mich auf, diese Frage mit dem Support-Chat von Tomorrow zu besprechen und erfahre, dass es tatsächlich so ist. Gleich danach teilt jemand in der Redaktion seinen Tomorrow-Neukundenwerbelink, und weil ich gerade müde vom Arbeiten bin, folge ich dem Link.
Auf der Website trage ich ein paar Daten ein und werde dann aufgefordert, die App zu öffnen, die ich optimistisch schon vor Wochen installiert habe. Ich halte meinen Personalausweis bereit und absolviere das Videoidentverfahren. Das dauert etwa fünf Minuten und danach funktioniert das Konto auch gleich. Mich überrascht das immer noch ein bisschen, obwohl es wohl inzwischen normal ist. Eigentlich rechne ich immer noch mit wochenlangen Einrichtungsfristen und dem Empfang von Papierangelegenheiten per Post.
Tomorrow setzt wieder auf das Zuschicken von TANs per SMS als Sicherheitsmaßnahme. Damit kehrt zwar ein 2015 überwunden geglaubtes Problem zurück, weil ich nicht immer die richtige SIM im Handy oder ausreichend Empfang dafür habe, aber das Sicherheitsverfahren bei N26 kam mir in letzter Zeit auch seltsam vor: Anfangs war das Handy der zweite Faktor bei der Authentisierung, wenn ich Transaktionen in der Web-Version vorgenommen habe. Da N26 aber unübersehbar die Web-Version ganz loswerden und alles in die App verschieben will (und man sich sowieso immer auch am Handy einloggen muss, um in die Web-Version hineinzugelangen), habe ich dort in letzter Zeit alles am Handy gemacht, wodurch aus 2FA, scheint mir, doch wieder 1FA geworden ist. Also meinetwegen zurück zur SMS.
Bei Tomorrow gibt es nur noch die App und überhaupt kein Onlinebanking im Browser mehr. Das kommt mir ehrlicher vor als der halbherzige Versuch von N26, so zu tun, als unterstütze man die Web-Version noch. In der App könnte ich mir jetzt doch noch aussuchen, an welche Adresse meine Karte geschickt werden soll. Vielleicht hatte der Support also gar nicht recht und ich könnte sie auch an meinen jetzigen Aufenthaltsort schicken lassen, aber das probiere ich vorsichtshalber lieber nicht aus. Ein paar Wochen werde ich sowieso beide Konten parallel betreiben müssen, und so lange kann ich auch noch die alte Karte verwenden. (Wie sich in den folgenden Absätzen herausstellen wird, ist “ein paar Monate” realistischer.)
Tomorrow bietet nicht den praktischen halbautomatischen Kontoumzugsservice an, den es bei N26 gab. Ich sehe also meine Kontoauszüge durch und lege von Hand eine Liste aller Stellen an, denen ich meine neue Bankverbindung mitteilen muss. Die Liste enthält 33 Punkte. Sie wäre noch länger, wenn nicht manche wiederkehrenden Zahlungen über Paypal liefen, wo ich nur ein einziges Mal meine neue Bankverbindung eintragen muss. Kurz denke ich darüber nach, dass es praktisch wäre, wenn es generell so eine Art DNS für Bankverbindungen gäbe, so dass ich nur an einer Stelle was ändern müsste und nicht an 33 verschiedenen. Aber wahrscheinlich verschiebt sich die Kompliziertheit dadurch nur an eine andere Stelle, so ist es ja meistens.
Vom letzten Kontoumzug weiß ich, dass es wahrscheinlich mehr als 33 Einträge sind, weil einige Beträge nur einmal jährlich fällig werden. Ich habe jetzt aber keine Lust, die Kontoauszüge aus zwölf Monaten durchzusehen. Die meisten Empfänger warnen einen ja, wenn ein Abbuchungsversuch fehlschlägt. Die einzige Stelle, die das nicht tut, ist das Finanzamt, dann passieren immer gleich unschöne Dinge oder noch viel unschönere Dinge. Deshalb versuche ich als Erstes, das Formular zu finden, mit dem ich dem Finanzamt meine neue Bankverbindung mitteilen kann.
Es sieht nicht nur so aus, als wäre “finden Sie hier (PDF) zum Herunterladen” kein Link. Da ist wirklich keiner. Aber für heute ist genug erledigt, darüber denke ich ein andermal nach.
Update: Es sind nicht 33, sondern 48 Stellen, die über die neue Bankverbindung informiert werden müssen. Mitte Oktober habe ich 39 davon abgehakt.
(Kathrin Passig)
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