Ich habe dich gesehen.
Habe mit dir gefühlt.
Wollte da sein für dich – aber du hast es nicht gesehen.
Vielleicht, weil du zu sehr mit dir selbst beschäftigt warst.
Vielleicht, weil du versuchst, es allen anderen recht zu machen.
Es wirkt fast so, als würde nicht nur ich dich überfordern – wenn ich das überhaupt wirklich tue – sondern eher die Menschen, die du „Freunde“ nennst.
Freunde, von denen vorher nie die Rede war.
Von denen du nie erzählt hattest.
Und dann tauchten sie plötzlich auf – aus dem Nichts, wie bestellt. Vielleicht gab es sie vorher gar nicht.
Vielleicht war ich nur der Lückenfüller, der Zeitvertreib bis dahin.
Sie erwarten offenbar, dass du immer die starke Frau bist.
Die Powerfrau, die du am Wochenende und manchmal auch unter der Woche präsentierst.
Obwohl du mir immer wieder erzählt hast, wie krank du bist.
Für sie hattest du Zeit.
Für sie Aufmerksamkeit.
Für mich hattest du nur noch Ausreden.
Und Schweigen.
Und ich ?
Ich habe dich nie um alles gebeten.
Nur um ein kleines Stück davon.
Nur um ein bisschen mehr.
Wenn ich ehrlich bin – und ich bin es – war es seltsam:
Unsere langen Gespräche Nachts, die vielen Nachrichten tagsüber – sie hörten auf, genau in dem Moment, in dem deine Freunde plötzlich da waren.
So, als hätte jemand einen Schalter umgelegt.
Da ist C., deren Sorgen du trägst.
M., die nicht wie andere ist, die Führung braucht – die du ihr gerne gibst, wie du sie auch deinem Ex gegeben hast, der sie am Ende zerbrochen hat.
Da ist dieses Riesenbaby K., der Busunternehmer, Deine Ex-Männer bezüglich derer ich nie so richtig durchgeblickt habe, der vermeintliche Freund, der im Wohnmobil wohnt, mit Dir auf Konzerte gegangen ist, in den Du Dich verliebt hast und mit dem Du auch intim warst, der aber scheinbar nicht so richtig Bock auf mehr hatte und sich einfach nicht mehr gemeldet hat.
und sicher noch andere.
Und weißt du was ?
Ich glaube, ich wäre von all dem das kleinste Problem gewesen.
Weil ich nicht nur genommen habe – sondern gegeben.
Weil ich da sein wollte.
Einfach nur da – um dir wenigstens ein bisschen Last abzunehmen.
Eine kleine Lücke für mich in deinem Leben hätte sich gefunden. Wenn du gewollt hättest.
Ich wollte nie, dass du dich durch mich belastet fühlst.
Das Letzte, was ich wollte, war, dich zu überfordern.
Aber ich bitte dich – versuch auch mich zu verstehen.
Ich habe mich dir nicht geöffnet, weil ich jemanden gesucht habe, der mich rettet.
Ich habe mich geöffnet, weil du mir glaubhaft gesagt hast, dass ich dir wichtig bin.
Dass ich dir etwas bedeute. Dass du mich siehst. Dass du ehrlich bist.
Und genau das hat mir Hoffnung gegeben.
Keine Abhängigkeit – Hoffnung auf eine Freundschaft, wie sie selten geworden ist.
Ich wollte dich nie besitzen, nie festhalten, dich nicht einschränken, dir nichts vorschreiben.
Natürlich hatte ich Erwartungen – aber nicht an dein Leben.
Nur an das, was wir gemeinsam aufbauen wollten.
Eine Freundschaft, wie wir sie besprochen hatten.
Wie du sie auch wolltest – zumindest hast du das gesagt.
Doch plötzlich war alles zu viel.
Zu eng.
Zu nah.
Oder zu unwichtig ?
Was war denn anders ?
War es wirklich ich ?
Oder einfach der Moment, in dem ich für dich keine Rolle mehr spielte ?
Ich glaube inzwischen nicht mehr, dass du ehrlich zu mir warst.
Ich glaube, dass ich dir nie wirklich wichtig war.
Dass ich gar nichts bedeutet habe.
Dass ich nur da war, weil du gerade niemand anderen hattest.
Und wenn ich daran denke, was ich für dich gewesen sein sollte –
Der Mensch, mit dem du dir diese besondere Freundschaft vorstellen konntest.
Der erste Gedanke am Morgen.
Der letzte in der Nacht.
Der, der dir so wichtig ist – angeblich.
Ich kann mit reinem Gewissen sagen:
Bei mir war es so.
Absolut.
Aber bei dir ?
Ich zweifle.
An deinen Worten.
An deiner Aufrichtigkeit.
Und an deinen Absichten.
Deshalb sage ich:
Hier ist Schluss.
Wir beenden etwas, das nie richtig begonnen hat.
Etwas, das sich anfangs vielleicht nur in meiner – in unserer – Fantasie abgespielt hat.
Für mich wird das schwer.
Sehr sogar.
Ich werde mich oft fragen, was echt war – und was gespielt.
Ich werde darüber nachdenken, wie es hätte sein können.
Und es wird wehtun.
Lange.
Denn du hast mein Herz berührt.
Meine Seele.
Du bist in mir – und wirst es noch lange bleiben.
Aber ich verabschiede mich jetzt.
Nicht in Freundschaft.
Nicht in Verbundenheit.
Sondern mit Konsequenz.
Aus dieser Enttäuschung heraus.
Mit der Gewissheit: Dein Spiel endet hier –
Mit meiner Niederlage.