Über die dinglich-sinnliche Kompetenz
Früher brauchte es für das Fotografieren eine ganze Reihe bewusster Entscheidungen: Man wählte eine Kamera, ein bestimmtes Objektiv, einen Film – und man musste die äußeren Bedingungen beachten, vor allem das Licht. Heute übernimmt all das die KI des Fotoapparats. Ich kann ihr exakt vorgeben, welches Gerät, welchen Film oder welche Beleuchtungssituation sie simulieren soll.
Dabei wird deutlich, dass auch unser Gehirn im Grunde ein Datenverarbeitungsinstrument ist. Die Kamera erzeugte damals – durch die konkrete Situation, das verwendete Objektiv, das Licht, die chemischen Prozesse – eine sinnlich-materielle Qualität. Ich erinnere mich an das händische Entwickeln und Vergrößern im Labor, an den Geruch der Chemikalien, das körperliche Tun. Fotografieren war ein physischer, greifbarer Vorgang, ein Arbeiten mit Dingen.
Heute verschwindet diese Ebene zunehmend. Die technischen Prozesse sind virtuell geworden; die materielle Erfahrung, das Tun, wird durch Rechenvorgänge ersetzt. Im Ergebnis entsteht zwar ein Bild, doch im Entstehungsprozess fehlt die körperliche Beteiligung. Unser Auge liefert ebenfalls nur Datenströme an das Gehirn, das diese verarbeitet – der Unterschied liegt also nicht in der Wahrnehmung selbst, sondern im Handeln, im Herstellen.
Vielleicht ist das der Kern des Problems: dass immer mehr Formen sinnlicher und körperlicher Erfahrung verschwinden. Schon früher baute man Spielplätze als künstliche Natur, damit Kinder überhaupt noch Bewegung, Material und Körpergefühl erleben konnten. Wie weit wird sich diese Entwicklung fortsetzen? Und was geschieht, wenn der Mensch den haptischen, leiblichen Zugang zur Welt ganz verliert?















