November 2017
Der Einzug von mittelschlauen Audiointerfaces – ich weiß nicht, wie ich da helfen kann.
Beim Kauf eines neuen schlauen Telefons, das so teuer war, dass es anscheinend selbst dem Hersteller etwas zu ungerechtfertigt erschien, gab es als kleine Entschuldigung einen Google Home Mini kostenlos dazu.
Google Home (mini) ist die baulich kleinere Variante von Googles Vorstellung eines mittelschlauen standalone Audiointerfaces für Alltagsaufgaben.
Und das mir, halte ich doch bisher von Sprachinterfaces vor allem eins: Abstand – das TT berichtete.
Aber wenn schon, denn schon – ich habe mir auch gleich noch den Konkurrent und Marktführer im mittelschlauen Sprachassistenten-Segment für den Heimgebrauch Amazon EchoDot, den es durch eine Rabattaktion gerade günstig gab, angeschafft.
Ich bin zwar auch en passant daran interessiert, meine Vorurteile gegenüber mittelschlauen Audiointerfaces zu pflegen, aber eigentlich möchte ich die heimlich in die Wohnung eingewanderten Teile des Internet Of Shitty Things über ein gemeinsames Interface mit hohem WAF domestizieren, und angeblich können das Alexa und Google Assistant geradezu revolutionär gut.
Das IOT in meinem Haushalt besteht aktuell aus
per Funk durch Zeit, Fernbedienung oder Events schaltbaren Steckdosen, die den Stromverbrauch von Geräten im Standby auf null reduzieren. Die Steuerung funktioniert nur lokal im Wlan, das ist auch ausreichend.
per App bedienbaren Lampen, so daß wir nicht mehr aufstehen müssen, wenn z.B. das Fernlicht im Wohnzimmer auf gemütliches Licht umgeschaltet werden möchte (sofern wir ein Handy in der Nähe haben) - die Steuerung funktioniert ebenfalls nur lokal im Wlan
und
einigen IFTT-Regeln, die Aktionen auslösen, wenn mein Handy nach Hause kommt (das ist ziemlich praktisch, meist bin ich da ja dann auch dabei). Das Handy hat naturgemäß zumindest ab und zu Internet.
Ich frage mich gerade, ob ein Chromecast, FireTV und ein metallicrot schimmernder Staubsaugerroboter auch zum IOT zählen – zumindest die ersten beiden treiben sich auch aktiv im Internet rum, der Staubsauger hat immerhin eine IP-Adresse, könnte also auch, wenn ein Botnet ihn zwingen würde. Es gibt noch ein paar Geräte, die sich per USB/Speicherkarte aufschlauen können, die zähle ich aber hier wirklich nicht dazu.
Neben der Vereinheitlichung der Bedienung für die o.g. Geräte stelle ich es mir angenehm vor, Musik per Zuruf über die vorhandene Stereo-Anlage abzuspielen oder auch nur einen Timer akustisch zu stellen, z.B. wenn meine Hände bis zu den Unterarmen in Brotteig stecken.
Nach dem Auspacken: Links Google, rechts Alexa - beide in Habacht-Stellung
Als erstes fällt mir auf, dass der Google Mini (ab jetzt Puck) im Gegensatz zum Amazon EchoDot (ab jetzt meistens Dot) weder einen Klinkenausgang noch eine Bluetooth-Schnittstelle bereit stellt, mit der ich an die Stereoanlage kommen würde. Er kann (ausgehend) nur Wifi. Im Google System müßte ich zur Ausgabe auf einem anderen Gerät den (tatsächlich vorhandenen) Chromecast benutzen, der allerdings nur einen HDMI-Ausgang hat, für den wiederum meine Stereoanlage aus den 90ern überhaupt kein Verständnis aufbringt. Anscheinend handelt es sich dabei nicht um einen Einzelfall von analogem Unverständnis – dafür gibt es relativ günstig entsprechende Adapter, das sind dann aber gleich wieder zwei Geräte und Netzteile mehr, die auch laufen müssen.
Die Grundinstallation läuft bei beiden ähnlich über eine App auf dem Smartphone. Allerdings erscheint mir die App für den EchoDot viel erwachsener, weniger hakelig, klarer.
Ich finde auch schneller einen persönlichen Draht zu Alexa – der Dot hat ein besseres Sprachverständnis, fühlt sich geschmeidiger und schneller an als der Google Puck, obwohl ich den zugrundeliegenden Google Assistant schon vom Handy kenne.
Bei der Einrichtung unterscheidet Google zum Beispiel zwischen Standort- und Gerätenamen, trotzdem hab ich plötzlich zwei Wohnzimmer, die auch Geräte sind (der Chromecast und der Puck). Es ist mühsam, das wieder auseinander zu fummeln. Bei Alexa passiert das nicht, obwohl es auch hier ein zweites Gerät im Wohnzimmer (ein FireTV) gibt.
Beide Geräte verorten sich erstmal an der Versandadresse, obwohl beide in mein Adressbuch gucken können und davon auch regen Gebrauch zu machen scheinen, siehe weiter unten.
Das Einrichten von zusätzlichen Funktionen (Alexa: Skills, Google: Dienste/Actions) ist meiner Meinung nach beim Dot besser gelöst – mal abgesehen davon, dass Alexa sehr viel mehr zusätzliche Funktionen anwenden kann als Google Home. Wahrscheinlich liegt das vor allem daran, dass es Alexa schon deutlich länger und mit viel höherer Verbreitung gibt.
Beide können sich an mein aktuell präferierten Musikprovider Spotify anschmiegen und als Default-Musikquelle nutzen, trotzdem macht das mit dem Puck keinen Spaß – er plärrt über den winzigen, eingebauten Lautsprecher, der Dot verbindet sich ohne grosses Theater mit dem eh vorhandenen Bluetooth-Dongle der Stereoanlage und schiebt Musik und auch die eigene Sprachausgabe darüber – das klingt natürlich deutlich besser.
Ich erfahre von Nils, der ebenfalls frisch mit EchoDots experimentiert, dass die Ausgabe über Klinke problematisch ist, weil diese den eingebauten Lautsprecher mechanisch abschaltet. Wenn am anderen Ende keine Lautsprecher betriebsbereit sind, hört man folgerichtig gar nichts mehr. Fällt dagegen die Bluetooth-Verbindung weg, benutzt der Dot einfach wieder seinen eingebauten Lautsprecher.
Leider können beide Systeme nicht die Mixes spielen, die Spotify extra für mich zusammen fummelt (Deine Mixtapes, Mix der Woche, Deine Zeitkapsel, Radio’sender’ usw.) – Playlists werden gefunden, ebenso Interpreten und Titel.
Ich höre aber besonders gerne Sachen, von denen Spotify findet, dass ich sie hören sollte. Das geht also weiterhin nur per Handy oder Rechner (jeweils per Bluetooth auf die Anlage übertragen). Bei Playlists muss man deren exakten Namen wissen, beide Systeme sind nicht in der Lage, einfach mal meine Playlisten vorzulesen. Das geht also auch mit einem Bildschirm einfacher.
Spotify – Dein Mixtape1 als Audio
Der Dot löst die bestehende Bluetooth-Verbindung auf Verlangen ‘Computer, löse die Bluetooth-Verbindung’ umstandslos und verbindet sich genauso wieder.
Ein Vorteil von Google Home: Das Stichwort wird auch vom meistens nah bei mir herumliegenden Telefon aufgenommen, dadurch kommen Sprachbefehle besser beim Gerät an, auch wenn z.B. der Wasserkocher, der Kater oder die Freundin schreien. Das ist gleichzeitig auch ein Nachteil – benutze ich in meinem Zimmer Google Assistant auf dem Handy, entscheidet sich Google ab und zu dazu, auf dem Puck am anderen Ende der Wohnung zu antworten.
Der EchoDot hat eine besser sichtbare optische Rückmeldung, was er gerade tut (zuhören, denken/Antwort suchen, antworten, Nachricht bereithalten, stumm geschaltet sein). Er tut dies durch verschiedene, pulsierende Farben des LED-Rings. Der Puck hat nur vier kleine LED auf der Oberseite, die man nur aus der Draufsicht gut sieht.
Beide können mit Bring, einer kollaborativen Einkaufslistenapp, umgehen. Bei Alexa ist der passende Skill nach zwei Klicks in der App aktiv, beim Puck brauche ich sehr lange um zu verstehen, wie ich das Feature denn nun endlich nutzen kann, auch weil die Antworten vom Puck auf meine Fragen zur Aktivierung nicht besonders hilfreich sind. Irgendwann bekomme ich die Antwort auch per Text auf dem Smartphone, dort muss man nur auf den passenden, angebotenen Button klicken, aber solange eine Sprachantwort dem Anzeigen von Text vorgreift, ist der eben nicht zu finden, erst recht nicht, weil das aus der Audio-Antwort nicht hervorgeht..
Das Befüllen von Bring per Sprachbefehl funktioniert grundsätzlich, aber wir stellen beim Abhaken von gekauften Dingen im Supermarkt beide seltsame Effekte fest – es verschwinden Dinge, dafür tauchen irrwitzige andere auf – vor der Kopplung mit Dot/Puck war das noch nie ein Problem. Eventuell gibt es da noch Synchronisationsprobleme - was soll ich mit vier mal Ziegenkäse, wenn ich dafür Creme Fraiche unbemerkt von der Liste gestrichen bekomme?
Generell sind die Antworten, wenn die beiden nix mit der versuchten Interaktion anfangen können, irgendwas zwischen frustrierend und AI in hässlichen Babyschuhchen, ziemlich genau so, wie von mir erwartet.
Computer (der aus NCC-1701D) kann unterscheiden, ob mit oder über ihn gesprochen wird, Google Assistant eher nicht – Audio.
Alexa kann IOT-Lampen von Ikea steuern (angeblich kann der Puck das auch, aber ich finde die passende Action nicht, weder in der Trådfri App noch im Home Assistant).
Der EchoDot erkennt schnell alle Lampen, aber nicht die bereits in der Lampen-App konfigurierten Szenen (eine Zusammenfassung von mehreren Lampen zu sinnvollen Gruppen, z.B. Zimmern), allerdings kann ich, nachdem ich mich abgeregt und etwas gegooglet habe, entsprechende Gruppen ganz einfach ein zweites Mal direkt in der Alexa App zusammenstellen, und bestimmt auch ein drittes Mal, wenn ich rausfinde, wie der Dot das nicht macht.
Beide Systeme bieten die Möglichkeit, sich auch sonst regelmäßig konsumierte Infos vorlesen zu lassen, es gibt entsprechende Skills/Actions von den großen Nachrichtenseiten, Tech-Butzen, Promi News, Verspätungsnews für die eine Buslinie in Wanne-Eickel, Anmachsprüche und natürlich auch mehrfach: das Wetter. Die meisten redaktionellen Skills sind aus technischer Sicht simple Minipodcasts. Für einen eher faden Vorgeschmack siehe alexa.amazon.de/spa/index.html#skills/?ref-suffix=nav_nav. Das fühlt sich ein bißchen so wie der frühe iTunes-Store, da gab es auch 51 Apps, deren Programmierer es tatsächlich geschafft haben, die LED per Software ein- oder auszuschalten und das ganze Taschenlampen-App zu nennen.
Anscheinend ist auch den zahllosen Skill-Entwicklern da draußen noch nicht so ganz klar, was man sinnvoll mit einem dialogfähigen Audiointerface anstellen könnte, um die eine Killerapp zu bauen.
Teile der Wetter-Skills habe ich ausprobiert – wegen des Arbeitsweges mit dem Fahrrad ist mir das Wetter gerade im Herbst und Winter ziemlich wichtig, aber so allgemein, wie beide Systeme liefern, ist es für mich nicht brauchbar. Das ist schade, weil Google auf dem Smartphone durchaus in der Lage ist, stunden- und ortsgenaues Wetter zu präsentieren – leider nicht per Audio.
Wetterbericht als Audio
Nachrichten konsumiere ich normalerweise aktiv per RSS-Feed. Wenn mich schon im Anriss was nicht interessiert, skippe ich es weg. Das liegt neben meiner Ungeduld vielleicht auch daran, dass ich viel zu vielen Nachrichtenquellen folge. Interessiert mich doch mal etwas näher, kann ich aber direkt tiefer oder sehr tief eintauchen durch diese tolle Hyperlink-Internet-Sache.
Da es beim Vorlesenlassen von Infos keine Möglichkeit zu geben scheint, uninteressant klingende Anschnitte zu skippen (do you remember, Kurznachrichtenpodcast ohne Shownotes) oder besonders interessante zum späteren Nachgraben zu merken, und man sich stattdessen einfach alles in streng monoton steigender Abfolge anhören muss, ist das nix für mich.
Alexa kann neben Nachrichtenzusammenschnittschnipseln natürlich auch die meisten Kindle-Bücher (komplett) vorlesen. Zumindest bei Romanen macht dann auch eine vom Autor vorgegebene Reihenfolge mehr Sinn.
Alexa bietet noch die Möglichkeit, mit anderen Alexa-Betreibern, die Amazon auf magische Weise aus dem eigenen Addressbuch puhlt, Sprachnachrichten auszutauschen. Habe ich mit Nils ausprobiert, aber das fühlt für mich persönlich genauso beknackt an, wie Sprachnachrichten über WhatsApp auszutauschen – mal abgesehen davon, dass man sich das Telefon nicht abgespreizt vors Gesicht halten muss. Dann kann man doch besser gleich telefonieren und die im Simplexverfahren-Sprachchat unerreichbaren Features direkt unterbrechen und vor der Pointe lachen voll auskosten.
Die von mir verwendete Funk-Steckdosen-Technologie (433MHz, gesteuert per Pilight) unterstützen beide Systeme aktuell nicht direkt, die wollte ich aber aus Zuverlässigkeitsgründen eh durch eine andere Technologie ersetzen. Dafür gibt es sowohl eine Brückentechnologie in Form von HASS, das pilight und das neue System bedienen kann als auch einen Skill (und wahrscheinlich nen TT Eintrag).
Vorläufiges Zwischenergebnis:
Insgesamt ist nach der ersten Euphorie eigentlich nur die Lampensteuerung im Alltag sinnvoll zu gebrauchen, Spotify und Bring mit den oben beschriebenen Einschränkungen.
Sicher kann man beiden Systemen als Bonus Fragen über die Welt und alles stellen, ich hab das Gefühl, dass die dahinter steckende AI bei Google cleverer sucht als die von Alexa. Aber ich kann solche Fragen deutlich präziser mit einer Tastatur formulieren oder – falls ich die Hände nicht frei habe, mit dem eh vorhandenen Google Assistant auf dem Handy sprechen.
Da bin ich mir leider nicht sicher - Audio Keine Idee zu zweit - Audio
(Alexander Stielau)













