Amerika`s beste Hausfrau vs. Kinderrechte
Endspurt in Boston. Heute ist der letzte Tag der Inbound 2014. Schade! Aber besser ist das wohl: Denn wenn ich mich so umblicke, scheine nicht nur ich geschafft von der Woche. ;-)
Der Tag beginnt mit Martha Stewart. Ich habe absolut keine Ahnung, wer das ist. Doch damit scheine ich allein zu sein. Vor allem die weiblichen Teilnehmer sind schon vorab so nervös, als würde George Clooney in wenigen Minuten die Bühne betreten. Doch statt George Clooney kommt eine schicke, selbstbewusste, konservativ wirkende Frau in den 60igern. Ihre Ausstrahlung erinnert mich sofort an Hillary Clinton. Doch sie beginnt ihren Vortrag mit der Beurteilung verschiedener Handtuchfarben (bunt ist erwünscht), spricht anschliessend über Kochrezepte und endet letztlich bei Blumengestecken. Ich bin verwirrt...
Martha Stewart wird gern als die beste Hausfrau Amerika`s betitelt. Zurecht, wie ich schnell feststelle: Seit mehreren Jahrzehnten lehrt sie die tüchtige Hausfrau zu kochen, zu gärtnern, einzurichten, zu heiraten und zu dekorieren. Dabei hat sie als Model gearbeitet, TV-Shows moderiert, Magazine produziert und bis heute mehr als 80 Bücher herausgegeben. Martha Stewart hat sich selbst zur Marke gemacht – und das weiss sie auch. Während ihren weiteren Ausführungen spricht sie daher auch immer wieder das knallharte Geschäft an, das hinter ihrem Business steht. Ich bin beeindruckt. Zugleich werde ich das Gefühl nicht los, dass ein Grossteil der Zuhörer(innen) um mich herum nur die perfekte Hausfrau in ihr sehen will/kann.
Im Anschluss an Stewart`s Vortrag recherchiere ich noch einmal und stelle fest, dass sie zwei (meiner Meinung nach) interessante Stationen in ihrem Leben unerwähnt lies:
1. 2002 wurde publik, dass Martha Stewart in einen Aktienskandal (Insiderwissen) verwickelt war. In diesem Zusammenhang wurde sie 2004 wegen Meineid und Behinderung der Justiz zu fünf Monaten Gefängnis und fünf Monaten Hausarrest verurteilt.
2. Ende 2005 erwarb sie von Courtney Love 25% der Rechte an den Songtexten der Band Nirvana - für 70 Millionen Pfund Sterling.
Auch das ist "Amerika`s beste Hausfrau." ;-)
Mittagspause: Pizza und Coke in der Sonne geniessen – awesome! ;-)
Ein weiteres Highlight an diesem Tag verschaffen mir drei junge Herren: Kazi Ahmed, Jon Ruby und Eric Williamson haben 2014 im Auftrag eines Grusskartenunternehmens einen der erfolgreichsten Viralclips aller Zeiten realisiert. (#worldstoughestjob) Er wurde mehr als 21,5 Millionen mal bei YouTube geklickt. (Nur circa 1% aller Videos bei YouTube erreichen „gerade mal“ 1 Million Views!) Und auch in diversen Social Media (Facebook, Twitter, etc.) stellte das Video neue Rekorde auf.
Ich fand es schon damals gut und freute mich auf Hintergrundwissen.
(Keine Schauspieler - alles ist echt!)
Im Rahmen der inbound 2014 wollte das Dreiergespann Tipps für einen solchen Erfolg geben. Kurz und knackig – das braucht es:
Wissen, worum geht es, wo der Fokus liegt, welche Meinung herrscht
Mit authentischen Emotionen überraschen
Suchmaschinenoptimierung und Pressearbeit (PR) ebenso umfangreich nutzen wie Social Media
Den optimalen Zeitpunkt zur Veröffentlichung finden
Sich nicht von „Kritikern“ und „Hatern“ aus der Ruhe bringen lassen
Natürlich sind das lediglich Ansätze. Am Ende muss einfach alles stimmen. Und so ist auch den drei Herren klar: ein solcher Erfolg ist und bleibt wohl die absolute Ausnahme. Ein Geheimrezept gibt es nicht. „Seriously, there is no formula.“
Zum Finale der Konferenz wurde es still. Shiza Shahid war gekommen, um über ihren Kampf für das Recht auf Bildung für Mädchen zu sprechen. In dieser Rolle hatte sie 2009 die 12jährige Malala Yousafzai in Pakistan kennengelernt, welche schon damals um jeden Preis die Schule besuchen wollte. 2012 fiel Malala deswegen einem Attentat durch die Taliban zum Opfer und überlebte nur knapp. Shiza Shahid steht ihr seither zur Seite und setzt sich als CEO der Stiftung „Malala Fund“ weltweit für die Rechte von Mädchen ein.
90 Minuten sprach die junge (25), zierliche Shiza Shahid. Knapp 5000 Menschen hörten ihr bis zum Schluss zu. Im Saal hätte man eine Stecknadel fallen hören. Ein beeindruckender Abschluss. Danke!