Am Weiterreisetag von León aus verbrachte ich den Morgen wieder mit einer intensiven Toilettenobservation, mal wieder hatte es irgendwas in meinen Magen geschafft was da nicht hin sollte. Dabei wollten Abhi, Linda und ich eigentlich nach Jiquilillo weiterfahren, einen Ort an der Pazifikküste, im Westen ganz in der Nähe von Honduras.
Bis Linda irgendwann sagte: "Denkst Du, es wird noch schlimmer?" Und als ich Nein sagte sah sie Abhi und mich an, rutschte auf ihrem Stuhl nach vorne und entschied: "Na, dann gehen wir jetzt einfach, wir passen auf dich auf!" Und so schleppte ich mich ins Taxi zum Bus, vom Taxi in den Bus und im Bus angekommen döste ich gleich ein. Und fast wie durch ein Wunder wachte ich später zwar sehr groggy auf, jedoch ohne Übelkeit. An irgendeinem Ort mussten wir den Bus wechseln, wir warteten lange und mussten uns die beiden (nach Ranking, wir stimmten zu dritt ab) aller nervigsten Marktschreier reinziehen, die wir in ganz Zentralamerika bisher gehört hatten.
Im letzten Bus, der nach Jiquilillo ging, machten wir die seltsamste Erfahrung mit den Einheimischen: Wir wurden durchgehend angestarrt, ich bekam mit wie sogar zwei Frauen auf mich zeigten und flüstern und der Cobrador (der, der im Bus das Geld einsammelt) versuchte, uns zu filmen - und ich schwöre, wir taten nichts Auffälligeres als im Bus zu sitzen und vielleicht noch ans Fenster gelehnt zu dösen - wie alle anderen im Bus auch. Das war wirklich nicht schön, danach wollten sie dann auch noch Geld für den Transport unserer Rucksäcke, da reichte es dann. Und dann waren wir auch schon da, pünktlich zum Sonnenuntergang am Strand.
Am nächsten Morgen erwachte ich sehr groggy, da ich die ganze Nacht das Gefühl hatte, von Bettwanzen umgeben zu sein. Wir gingen in einem Comedor frühstücken, Gallo Pinto gab's: Gallo Pinto heißt übersetzt "gefleckter Hahn" und besteht aus Reis, Bohnen, dem seltsamen Zeug, das sie hier als Käse bezeichnen, Avocado, Crema und meist noch ein bisschen Kochbanane dazu. Dieses Gericht findet man wirklich überall, an manchen Ständen ist es das einzige, was angeboten wird.
Auf dem Weg zu unserem Tagesziel kamen wir am Haus von Ramón vorbei, einem Typen in unserem Alter, der auch hier wohnt und sich sehr für die Touristen interessiert. Gerade hat er ein kleines Schildkrötenprojekt, wobei er die Schildkröteneier einsammelt und die Kleinen nach dem Schlüpfen noch etwas länger behält, um ihnen Schwimmen und Tauchen beizubringen, damit sie bessere Chancen im Wasser haben - netter Gedanke aber ehrlicherweise bin ich mir nicht sicher, ob das wirklich so sinnig ist.
Irgendwann kamen wir dann an: Von unserem Hostel aus liefen wir über den kompletten Strand bis zu dem Punkt, an dem der Fluss ins Meer mündet. War ein recht langer Weg, aber ich wusste mich vor der Sonne zu schützen. Und gelohnt hat es sich, es war wirklich schön.
Abends waren wir bei der Familie von Ramón zum Essen eingeladen, es gab selbst gefangenen Fisch, Reis, Salat und Platano. Ramón's Bruder holte uns ab und begleitete uns zum Haus, was für uns alle dann ein mehr oder weniger herber Realitätsschlag war: Das "Haus" war eher ein aus Holz und Wellblech zusammengeschustertes Konstrukt, unter dem sich Matratzen und Kleidungsstücke befanden; es gab genau ein elektrisches Licht, die Mutter kochte eher im Dunkeln. Wenn Ramón seine Familie nicht unterstützen würde, hätte die Familie gar kein Licht. Seine Mutter, die ich mittags beim Kennenlernen ganz klar für die Großmutter hielt, war auch angeblich erst 67 Jahre alt - sie hätten mir sagen können sie sei 200 Jahre alt, ich hätte es sofort geglaubt. Sie sieht wirklich lädiert aus, kocht aber wie eine 1.
Der Aufbruch von Jiquilillo war schon wieder etwas nerviger als gedacht: Der Bus kam fast zehn Minuten zu früh, sodass wir ihn verpassten. Der nächste sollte erst in zwei Stunden kommen, sodass sich der ganze Tag wieder gezogen hätte. Und so liefen wir einfach los, in der Hoffnung, dass uns vielleicht unterwegs jemand mitnimmt. Und tatsächlich: Irgendwann konnte Abhi jemanden anhalten der uns zu einer Bushaltestelle brachte, an der die Busse öfter abfuhren. Im Bus überlegten wir dann, was das nächste Ziel war. Wir wollten zwar alle nach Granada, waren aber nicht sicher über einen Zwischenstopp. Schließlich entschied ich mich, zusammen mit Linda in der kleinen Stadt Masaya zu bleiben und dort aus den Vulkan anzusehen.
In Masaya angekommen fanden wir gleich ein Hostel und machten uns dann auf den Weg zum Vulkan, erst mit dem Bus und dann wollten wir laufen - leider stellte sich heraus, dass man vom Kassenhäuschen aus nicht laufen darf. Wir konnten auf den Park-Bus warten, oder jemanden fragen ob er uns mitnahm; und weil Linda nie lange fackelt fragte sie gleich zwei Engländer, ob sie uns auf ihren Rollern mitnähmen - und das taten sie, Glück für uns. Der Weg wäre zugegeben auch um einiges weiter gewesen, als wir dachten.
Am Gipfel des Vulkans gibt es zwei Aussichtspunkte, von einem sahen wir uns die Lava an und vom anderen die Reste des Sonnenuntergangs.
Zum Frühstück gab es unter anderem strömenden Regen, der glücklicherweise genau dann leichter wurde, als wir raus gingen.
Im Park probierten wir etwas, das sich "Rellenita" nannte: Ähnlich einer Pupusa, aber eher eine knusprigere Tortilla gefüllt mit Käse, obendrauf noch mehr Käse. Und richtig gut war's.
Nach dem Frühstück erkundeten wir noch etwas das Zentrum und die Laguna de Masaya, bevor wir auf den Weg Richtung Granada aufbrachen.