Gegen Vormittag brachen wir auf, um am Busterminal den Bus nach Juayúa zu finden - was nicht zu schwer war, denn in El Salvador sind alle Menschen so unglaublich freundlich und hilfsbereit, sobald man auch nur ein bisschen verloren aussieht wird man gefragt wo man hin muss und im schlimmsten Fall sogar begleitet. An dieser Stelle möchte ich eine Hymne auf die Salvadorianer halten: Noch an keinem Ort habe ich bisher so grundauf hilfsbereite und freundliche Menschen kennengelernt, egal wen man nach was fragt, man bekommt immer eine freundliche Antwort oder einen Tipp, falls jemand etwas nicht weiß fragt er gleich den nächsten, um aushelfen zu können.
Wen traf ich direkt im Bus wieder? Jordan, die ich am Vortag noch am See kennengelernt hatte. El Salvador ist klein, das hatten wir beide noch gesagt als wir uns verabschiedeten.
In Juayúa landeten wir bei Jeaneth im süßesten Hostal aller Zeiten: Es heißt Hostal Doña Mercedes und wenn man rein kommt und Jeaneth einen empfängt hat man eher das Gefühl wieder nach Hause zu kommen als in ein Hostel einzuchecken. Sie ist einfach super entspannt, lässt einen sich sehr willkommen fühlen und das ganze Hostal hat eher die Atmosphäre einer sehr großen WG. Mit Jordan gingen wir Kuchenessen im Bourbon Hostal, von dessen Dachterrasse aus man auf ganz Juayúa sehen kann und bei gutem Wetter auch den ein oder anderen Vulkan.
"Juayúa" könnte übersetzt "Fluss der lila Orchideen" bedeuten, aus dem Nahuatl-Akzent (Maya) könnten jedoch auch andere Bedeutungen abgeleitet werden. Die Ruta de las Flores ist theoretisch die Hauptstraße 8, die zwischen den Orten Ahuachapán und Sonsonate verläuft und insgesamt sieben kleine Kolonialstädte einschließt - Juayúa liegt ziemlich mittig. Der Name kommt tatsächlich auch von Blumen, jedoch blühen diese nur zu einer bestimmten Zeit im Jahr, natürlich nicht dann wenn ich dort bin. Wichtig war diese Strecke früher wohl auch für den Kaffee-Tourismus und zu Zeiten des Bürgerkrieges eine der Gegenden, die als am sichersten bezeichnet wurden.
Abends gingen wir Pupusas essen, ein paar Leute aus dem Hostal und ein paar andere Bekannte von anderen Bekannten, wie man halt Reisende so trifft. Einer kam zum Essen dazu, der mir gleich sehr bekannt vorkam, den ich aber nirgendwo richtig einordnen konnte. Das sagte ich ihm direkt und er gab auch zu, mein Gesicht zu kennen, jedoch nicht mehr zu wissen woher. Und so ging das wohl interessanteste Ratespielt überhaupt los: Erst dachten wir, es wäre vielleicht in Guatemala gewesen, klapperten die Orte ab die wir besucht hatten und vergleichten dann die Daten um festzustellen, dass wir gar nicht zur gleichen Zeit dort waren. Irgendwann kamen wir auf Mexiko als gemeinsamen Nenner vom Zeitraum her, gingen wieder Orte durch und fanden schließlich heraus, dass wir im gleichen Hostal in Palenque waren, als ich meinen Zwischenstopp von Guatemala nach Puerto Escondido hatte. Im Hostal redeten wir nicht mal miteinander, liefen am nächsten Morgen nur in der gleichen Gruppe vom Hostal zum Bus. Überrascht stellte ich fest wie gut man sich dann doch an jemanden erinnert, den man gar nicht kennt.
Am nächsten Tag machten wir mit ein paar Leuten aus dem Hostal die Tour de las 7 Cascadas, über die sieben Wasserfälle. In der Nähe Juayúas ist das wohl eine der Hauptattraktionen, da sie einfach fußläufig zu erreichen sind. Es sind keine sieben richtig großen Wasserfälle, wie man sie sich vorstellt, sondern eher kleinere, die aus der gleichen Quelle entspringen und an den steilen Felswänden entlangplätschern. Die Wanderung geht durch den Wald, vorbei an dunkelgrünen Kaffeeplantagen und durch die Flüsse der Wasserfälle. Den letzten Wasserfall kann man tatsächlich raufklettern, um von dort wieder auf einen Weg zu kommen der einen in die Stadt zurückbringt.
Nach der Tour gingen wir auf den Markt und einkaufen: Jeaneth gab uns eine Einkaufsliste, denn wir fragten sie nach Pupusas und sie sagte, sie macht welche mit uns im Hostal. So hatten wir an diesem Abend einen salvadorianischen Kochkurs, der super lustig war weil es 1. nicht soo einfach ist und man ein bisschen basteln muss und wir 2. sogar Tomatensauce und Curdito selber machten.
Eine neue Köstlichkeit, die ich kennenlernte: Horchata de Maní. Das Getränk Horchata, wie ich es bereits beschrieben habe, jedoch anstatt Reis- mit Erdnusswasser zubereitet. Und es ist einfach gut.
Mein letzter Tag in Juayúa fühlte sich eher wie ein Tagesausflug mit der Familie an. David, Jeaneth's Sohn, nahm Jordan, Abhi (der erste indische Reisende, den ich getroffen habe, lebt aber in Frankreich und ist auf einem Segelschiff per Anhalter Richtung Mittelamerika gefahren), Pablo (aus Chile, ist schon seit 3,5 Jahren unterwegs und kennt wohl mehr von Europa als ich) und mich mit an den Playa Cóbanos, einen Strand der mit dem Auto ugf. 1,5 Stunden von Juayúa entfernt ist. Es war Ebbe als wir dort waren, so traten die großen Steine hervor zwischen denen sich Wasser sammelte, sodass es fast wie mehrere Badewannen war da sich das Wasser sicher bis auf 30 Grad aufheizte.
Nach unserem Strandausflug gingen wir auf den Markt und kauften ein, Abhi ließ sich dazu breitquatschen Curry für uns zu kochen. Und abends schauten wir einen Film zusammen an, das war super schön. Wie ein Familientag, nur ohne Streit.