Daß Sie mich nicht falsch verstehen - ich verachte den Schriftsteller durchaus nicht, der Buch um Buch produziert, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, ohne Ambitionen, ohne Ehrgeiz, ohne Leidenschaft. Es ist eine harte Arbeit, sie verdient nicht weniger Respekt als die eines Zugschaffners oder Bauern. Sie sollte aber nicht in einem Glanze gesehen werden, der ihr nicht zusteht, nicht mit einer Verklärung, die einmal berechtigt gewesen sein mag, zu einer Zeit, als Literatur sich noch der Alphabetisierung verpflichtet fühlte und nicht, wie heute zunehmend, dazu diente, das sich ausbreitende Analphabetentum zu vermehren und zugleich zu verschleiern. Es ist eine dürftige Ausrede zu erklären, die Leser wollten es nicht anders, wir lebten in einer Gesellschaft ohne kulturelle Interessen, das Publikum wünsche sich nichts so sehr wie unterhalten zu werden, und darauf habe die Buchproduktion sich einzustellen. Das ist, glaube ich, keine grundlegend neue Situation. Neu aber ist, daß auch die meisten der Literaturerzeuger das kulturelle Interesse verloren haben, daß sie sich in ihren Büchern dieser Entwicklung nicht nur anpassen, sondern die allgemeine geistige Bedürfnislosigkeit repräsentieren.