Erbärmliche Netze - mit KabelBW und Kabel Deutschland
Ein Abo bei einem Streaming-Dienstleister. Kopulierende Wildtiere in der Savanne sehen in der Naturdoku-Reihe „Planet Earth“ - dank Netflix. Das ganze bitte in vollem HD. Dafür sind mind. etwa 3,5 mbit/s nötig. Bei unserem Internetanbieter Kabel Deutschland haben wir üppige 25 mbit/s. Trotzdem ruckelt der Stream immer wieder. Zu oft geht es sogar gar nicht. D.h. von den ausgemachten 25 mbit/s werden nicht mal ein Fünftel wirklich durchgeleitet. Immer wieder ist selbst das einfache Aufrufen von Websites ein Geduldakt. Bin ich mit diesem Problem ein Einzefall? Ein Einzelfall bei dem der Kundenservice Verwunderung heuchelt und ebenso Besserung gelobt?
Ich vermute nicht. Ich vermute die Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland (Vodafon) und KabelBW (Unity Media), deren Kunde ich zuvor in Stuttgart war, betrügen systematisch ihre Kunden. Versprochen wird eine „maximale Bandbreite“, beispielsweise 25 mbit/s. Sind in einem Gebiet dann 80 Haushalte am Kabelnetz mit einer Gesamtbandbreite von z.B. 200 mbit/s angeschlossen sinkt, wenn alle gerade streamen oder herunterladen sinkt die Bandbreite für jeden einzelnen auf nur noch 2,5 mbit/s. In Mainz erlebe ich regelmäßig noch tiefere Werte - dann geht nichts mehr. Ein einfacher Ping, z.B. zu google zeigt dass die Antwortzeit teilweise bei über 2000 ms liegt. Normal ist ein Wert weit unter 50 ms. Manche Datenpakete gehen sogar ganz verloren.
Paketverlust und steinzeitliche Antwortzeiten über 2 Sekunden
Das in der Werbung versprochene „Schneller als DSL“ Internet geht anders! Nicht mal im Kleingedruckten ist davon etwas zu lesen:
2) Ab einem Gesamtdatenvolumen von mehr als 10 GB pro Tag ist Kabel Deutschland berechtigt, die Übertragungsgeschwindigkeit für File-Sharing-Anwendungen bis zum Ablauf desselben Tages auf 100 Kbit/s zu begrenzen; aktuell wird eine Drosselung erst ab einem Gesamtdatenvolumen von 60 GB pro Tag durchgeführt.
Vollmundige Geschwindigkeitsversprechen bei Kabel Deutschland
Doch wer glaubt ohne Filesharing schnell zu surfen irrt leider. Gerne schieben die Netzbetreiber die Schuld auf die Streaming-Anbieter. Komisch nur, dass in Lahm-Phasen sowohl Netflix, die ARD Mediathek als auch normale Internetseiten quasi nicht benutzbar sind.
Insgesamt beträgt die Verfügbarkeit der durch Kabel Deutschland zu erbringenden Leistungen mindestens 98,5 % im Jahresmittel. Eine darüber hinausgehende Verfügbarkeit gehört nicht zur Leistungsverpflichtung von Kabel Deutschland.
Wie das Jahresmittel berechnet wird, darüber wird keine Auskunft gegeben. Aber selbst 98,5 % sind eigentlich nicht hinnehmbar. Das macht am Tag schon eine Zeit von knapp 22 Minuten. Nun ist es aber so, dass meistens in der Nacht alle braven Surfer schlafen und nicht im Internet surfen. Nimmt man großzügig an, dass pro Tag ca. 8h wenig Datenverkehr herrscht, sind auch die 98,5% nicht mehr korrekt. Die Verfügbarkeit beträgt in der relevanten Zeit dann nur noch 97,75%. Das lässt sich dann weiterreichen. Eine Ausfallrate von rund 2% heißt auch, dass in jedem gestreamten Spielfilm mehr als eine Minute fehlt. Es erscheint also marginal, tritt aber oft dann auf wenn es am meisten stört.
Die Anbieter sind in einem Preiskampf. Als Kunde darf und muss man aber die versprochene Leistung erwarten. Wenn es die Politik mit dem Ziel des Ausbaus der digitalen Infrastruktur ernst meint, müssen hier schnell strengere Regeln her. Gegebenenfalls muss man dann für 25 mbit/s deutlich mehr zahlen, aber man bekommt das was drauf steht. Mir und vielen anderen würde auch ein Anschluss über 6 mbit/s momentan ausreichen - wenn er denn diese auch zuverlässig liefern würde und nicht ständig einknickte. Das Thema mag nerdig erscheinen aber es kommen immer mehr wichtige Dienste aus dem Netz und sie werden für das Leben immer wichtiger. Hier den Anschluss mit der Einstellung „Internet ist nicht so wichtig und darf auch mal ausfallen“ zu verlieren, wäre für zukünftige Entwicklungen und Bedürfnisse kontraproduktiv.