März bis Mai 2026
frei/belegt-Kalender hausgemacht
Die Elternzeit neigt sich dem Ende zu – damit steigt der Bedarf an Terminabstimmung zwischen meiner Partnerin und mir. Für sie ist das zunehmend lästig: wenn sie sich verabreden will, muss sie mir erst schreiben „kannst du am Donnerstag von zehn bis zwölf das Kind hüten“ und dann auf meine Antwort warten, auf die Gefahr hin, dass ihr Gegenüber sich für den Zeitraum zwischenzeitlich etwas anderes vorgenommen hat.
Das Problem ist grundsätzlich lösbar – wir führen beide digitale Kalender. Obwohl wir keine großen Geheimnisse voreinander haben, sind wir uns schnell einig, dass es sich nicht stimmig anfühlt, dem anderen einfach Lesezugriff zu erteilen. Auch die Perspektive, dass sie – weil ich meine Termine schon sehr lange digital führe – theoretisch nachschauen könnte, mit wem ich vor Jahren... nein. Eigentlich würde es ausreichen, wenn sie meine Terminblöcke sehen könnte, ohne den Beschreibungstext. Und es sind ja auch nur die in der Zukunft relevant.
Weil mein Kalenderanbieter (mailbox.org auf Basis von OpenXchange) keine frei/belegt-Freigabe anbietet, lasse ich mich zunächst von DeepSeek beraten, ob es bereits fertige Module gibt, die nur meine Verfügbarkeit veröffentlichen. Mit ziemlicher Sicherheit gibt es irgendeinen US-Cloud-Anbieter, dem ich „nur“ Zugriff auf meinen Kalender geben müsste. Das kommt aber nicht in Frage – und mit dieser Einschränkung läuft es auf „selbst programmieren“ hinaus. Das kann ich zwar nicht, aber mit KI-Unterstützung ja dann doch.
DeepSeek erstellt mir zunächst ein Python-Skript, das meine Kalender (einen privaten und einen beruflichen) herunterlädt und alle Termine aus beiden in einen neuen Kalender hochlädt – als leere Blöcke, ohne Text. Berücksichtigt werden nur Terminserien und künftige Termine, und ich kann einstellen, wie weit in die Zukunft die Übersicht reichen soll.
Damit die Frau nun nicht nur sieht, dass ich Donnerstagsvormittags einen Termin habe, und sich dann fragen muss, ob das der Terminblocker fürs Kind-Hüten ist, oder eine dahingeschusselte Terminüberschneidung, bitte ich um eine Allowlist im Skript: wenn beispielsweise ihr Name oder der des Kindes im Betreff auftauchen, soll der Betreff im Klartext in den Verfügbarkeitskalender übernommen werden.
Leider gelingt es DeepSeek nicht, Code zu generieren, der mit meinem Kalenderserver zurechtkommt. Ich hunze ein paar Abende herum, bis ich mal wieder mit dem Freund zusammensitze, der grundsätzlich mit Claude codet und immer mit den Augen rollt, wenn ich von DeepSeek erzähle. Also installiere ich Claude, formuliere erneut die Aufgabenstellung und habe geschätzt eine halbe Stunde später ein funktionstüchtiges Skript. Ich erstelle gleich noch einen weiteren Verfügbarkeitskalender, diesmal mit leerer Allowlist. Wenn mich künftig jemand anspricht: "ich hätte gerne mal einen Termin mit dir und Person XY", dann kann ich ihm*ihr diesen Link geben und sagen: "setz’ dich mit XY zusammen und sucht euch was aus". Langwieriges Hin- und Herfragen entfällt so möglicherweise.
Tatsächlich gibt es bei mailbox.org mehrere feature requests zu einer solchen Verfügbarkeitsanzeige, daher melde ich mich in einem Anflug von Größenwahn bei Codeberg an, veröffentliche mein Skript dort unter Open-Source-Lizenz und verlinke es anschließend im Forum von mailbox.org. Ich bin gespannt, ob das noch mehr Menschen nützlich finden. Für uns jedenfalls hat es sich schon gelohnt.
(Lennart Schütz)









