Ich bin nie ganz wach (996)
VON KATRIN THEINER
Heute ist mir klar geworden, dass ich seit mehr als 30 Jahren benachteiligt bin: Ich vertrage kein Koffein. Dabei wäre mein Leben bestimmt ganz anders verlaufen, wenn ich auf Kindergeburtstagen zur Spezi-Fraktion gehört hätte, statt Sprite zu trinken. Ich hätte als Jugendliche mehr Taschengeld gehabt, wenn ich auf Schützenfesten eine Flasche Rum-Cola in meiner Jacke hätte reinschmuggeln können, anstatt abgestandenes Bier in schlechtgespülten Bechern zu kaufen. Meine Schulnoten wären besser gewesen, wenn ich dank Kaffee wach und aufnahmefähig gewesen wäre - von meinem Abi-Schnitt ganz zu schweigen. Mit bombigem Schulabschluss und Power am Morgen wär ich der Generation Praktikum bestimmt schneller entflohen und hätte mit 25 nicht mehr unterbezahlt bei einem Musiksender geknechtet. Ich würde gesünder und jünger aussehen, könnte ich mir Matcha-Tee mit einem Besen feudeln und länger leben würde ich auch. Und über was hätte ich heute alles schreiben können, hätte der Tag mit Kaffee begonnen.
















