Um den 30. Juli 2018
Tretboot mit Karies
Wer kennt es nicht? Du bist im Urlaub und brauchst plötzlich ein neues Zahnrad für das selbstgebaute Tretboot.
Für den Urlaub habe ich mir ein Tretboot gebaut. Beim Schraubenantrieb (keine Schaufelräder!) finden etliche Fahrradteile Verwendung, unter anderem auch ein großes vorderes Kettenrad. Kann man ahnen, dass das aus Aluminium ist und bei unsachgemäßer Verwendung schneller weggefräst wird, als man gucken kann?
Da der Urlaub gerade erst Fahrt aufnimmt, muss Ersatz her, will ich nicht die restliche Zeit Trübsal blasen. Am Urlaubsort steht mir ein kleiner Bastelraum zur Verfügung, eine Werkbank, ein Schraubstock, ein paar Feilen, eine Metallsäge, Akkuschrauber und so weiter. Ich überlege, ob ich mir ein Stück Blech besorge und einfach mit Säge und Feile loslege. Klingt nach viel Arbeit, ist es auch, und das Ergebnis könnte mangels Rundlaufgenauigkeit nicht so ausfallen, wie ich mir das vorstelle.
Da kommt der Nachbar des Ferienhauses daher, der Metallbauer ist und am Ort wohnt. Ich könnte mir das doch auslasern lassen. Die Firma um die Ecke hätte so einen Schneidlaser. Das ist die Idee! Allerdings brauche ich dafür eine maschinenlesbare Datei, genauer eine technische Zeichnung im dxf-Format. Ein CAD-Programm habe ich auf meinem Laptop dummerweise nicht.
Also rufe ich Tinkercad.com auf. Damit konstruiere ich immer meine 3D-Druckteile. Irgendwie werde ich damit schon eine 2D-Zeichnung erstellen können, und lege los. Eine halbe Stunde später sieht das erste Ergebnis schon recht vielversprechend aus:
Auf die Dicke des Teils achte ich nicht, weil ich eh nur die Draufsicht brauche. Aus Tinkercad kann ich das Teil entweder als 3D-obj, 3D-stl (das Format brauche ich immer für die 3D-Druckteile) oder als 2D-svg exportieren. svg habe ich noch nie gehört, aber 2D macht mir Mut, also los.
Als nächstes suche ich nach einer Möglichkeit, die svg-Datei in dxf umzuwandeln. Auch das geht online mit “cloudconvert”, genauer: https://cloudconvert.com/svg-to-dxf . Nun habe ich also eine dxf-Datei. Aber kann ich mir sicher sein, dass die Datei auch noch wie ein Zahnrad aussieht? Ich suche nach einem Viewer. Den finde ich nur als zu installierende Software, aber egal. Schnell den eDrawings-Viewer heruntergeladen und installiert. Siehe da: Ein Zahnrad!
Damit fahre ich gleich Montag morgens zu mir empfohlener Firma. Aber ach! Der Laserbediener hat Urlaub. Man kann mir nicht helfen. Ich frage Google nach einer weiteren Firma und werde in der Nähe in Güstrow fündig.
Es hat sich in solchen Fällen als sinnvoll erwiesen, nicht erst anzurufen oder gar eine Mail zu schicken, sondern hinzufahren, um möglichst gleich an einen Mitarbeiter der Firma zu gelangen, der Verständnis für so ein Problem und vielleicht auch ein bisschen Spaß an so einem Projekt hat. Den finde ich mit Herrn H. der Firma MKF-Metallbau GmbH & Co. KG in Güstrow.
Er schickt meine auf einem USB-Stick mitgebrachte Datei (ich hätte sie auch vom Handy aus per Mail schicken können, wenn es ein “keine-fremden-USB-Sticks-in-Firmenrechner”-Gebot gäbe) gleich an zwei Kollegen, um mal zu schauen, ob die Datei lesbar sei. Ist sie, nur die Größe passt irgendwie nicht. Sie muss von 6,94 mm auf 175 mm Außendurchmesser vergrößert werden. Irgendwo bei den diversen Formatänderungen muss es wohl zu einem Umrechnungsfehler gekommen sein. Sonst ist aber augenscheinlich alles so, wie ich es will. Man merkt noch an, dass das Mittelloch nicht rund, sondern eckig sei. Das liegt an Tinkercad. Kreise werden dort als Vielecke mit maximal 64 Ecken erzeugt. Ist halt so. Das und die Ausformung der Zähne hat man vor dem Auslasern dann sogar noch verrundet. Für die Dicke wähle ich 3 mm.
“Kommenden Freitag können Sie das Teil abholen”, sagt Herr H. mir und dass es rund 30 Euro kosten würde. Schon zwei Tage später, am Mittwoch, klingelt mein Handy, das Zahnrad sei abholbereit. Ich mache mich gleich auf den Weg und kann das wichtige Teil nach Bezahlung umgehend in Empfang nehmen.
Ich stelle zwar noch fest, dass ich die Löcher für den Kettenschutz falsch gezeichnet habe, das ist aber schnell behoben. Ansonsten passt und funktioniert alles einwandfrei, so dass das Zahnrad ruckzuck eingebaut ist.
Kurze Zeit später können die fröhlichen Tretbootfahrten weitergehen!
(Markus Winninghoff)








