Hass, Hetze, Drohungen. Viele Menschen kämpfen tagtäglich mit den ekelhaften Schattenseiten des Internets. Gerade Personen, die in der Öffentlichkeit stehen, sehen sich regelmäßig mit massiven Anfeindungen bis hin zu Morddrohungen konfrontiert. Anzeigen verlaufen oftmals im Sande und Betroffene fühlen sich machtlos.
Für viele ist die Begründung für den überdimensionalen Hass im Internet, speziell auf Social Media Plattformen wie Twitter, Instagram, TikTok, Facebook und YouTube schnell gefunden: die Anonymität. Nutzer:innen verstecken sich hinter Aliase, uneinsichtigen E-Mail-Adressen und falschen Profilfotos. Die Opfer wissen nicht, wer sie anfeindet und sind handlungsunfähig. Klar kann man die Anfeindenden blockieren, aber zum einen kann Masse an Drohungen so hoch sein, dass man mit dem Blockieren nicht mehr hinterherkommt und zum anderen ist Hürde einen neuen Account zu erstellen, um einfach weitermachen zu können, nicht hoch genug.
Für einige stellt die Klarnamenpflicht den/die Retter:in in der Not dar. Die Klarnamenpflicht würde Bürger:innen dazu verpflichten, sich mit ihren echten Namen auf Plattformen zu registrieren. Damit würde die schützende Anonymität wegfallen und die Anzahl an Hasskommentare würde sinken, doch leider ist nicht ganz so einfach. Bei dieser Regelung würden ja nicht nur die Anfeindenden ihre echten Namen nützen müssen, sondern auch die Angefeindeten. Somit würde man es Verrückten einfacher machen, Adressen ihrer Opfer ausfindig zu machen und Drohungen tatsächlich umzusetzen.
Als Alternative wird dann immer der Kompromiss der partiellen Klarnamenpflicht vorgeschlagen. Hierbei müsste man bei einer Registrierung zwar den echten Namen angeben, aber nicht öffentlich machen. Nach außen würde weiterhin ein Pseudonym zum Einsatz kommen. Damit würde man es der Polizei einfacher machen, die Hetzer:innen ausfindig zu machen, während allerdings weiterhin nicht jeder jeden Namen kennt und auf Eigenregie Wohnorte finden kann.
Das Problem hierbei ist jedoch, dass der Polizeiapparat bei Weitem nicht fehlerfrei ist. Zu oft gab es in den letzten Jahren Skandale, bei denen Polizist:innen Adressen von politischen Feinden weitergeben haben, machen auch diese Umsetzung zu einem Risiko.
Kurzum glaube ich, dass eine Klarnamenpflicht, egal in welcher Form, mehr Probleme schafft als sie löst. Daher sollte sie auf keinen Fall umgesetzt werden.