Hinweise bitte an...
In meiner WG ist der Fernseher die meiste Zeit nur ein ungenutzter Staubfänger, was nicht etwa an einer prätentiösen, pseudo-intellektuellen “Fernsehen ist für Dumme”-Mentalität, sondern einer “Serien auf Netflix lassen sich einfach besser im Bett bingen"-Bequemlichkeit liegt. An Sonntagabenden wird davon jedoch eine Ausnahme gemacht. Als wäre er ein anachronistischer Röhrenfernseher, wird ihm von der Tatort-schauenden Fraktion sogar eine ausreichende Aufwärmphase gegönnt und so läuft er bereits vorab als Geräuschkulisse im Hintergrund.
Auf RTL sucht Sandra Eckart nach vermissten Angehörigen, und auch wenn ich zwischen Gesprächen über das sich gen Ende neigende Wochenende, Streit über den neuen Putzplan und den Vorbereitungen für das gemeinsame Essen nicht viel mitbekomme, verdrehe ich gelegentlich die Augen: Eine Tochter sehnt sich nach ihrem Vater, der kurz vor ihrer Geburt verschwunden ist - so oder so ähnlich. Es fallen Sätze wie “Ich möchte erfahren, wer ich bin, indem ich meine Wurzeln finde” oder “Ich habe mir immer einen Vater gewünscht”. Sandra Eckart nickt mitfühlend und bietet im Flüsterton ihre Hilfe an. Coldplay singt vom Verlorengehen. Werbung.
Ich bin Realist: Das Leben endet nicht nach der ersten Umarmung. Die Freudentränen trocknen und was bleibt, sind die viel zu hohen Erwartungen, ein krampfhaftes Bemühen um Verständnis für klägliche Erklärungsversuche, wieso es überhaupt so weit kommen konnte und Enttäuschung darüber, dass der Fremde eben bloß ein Fremder ist. Kurz muss ich an den Handwerker und seine zurückgekehrte Schwester denken, dann schalte ich um. Im MDR fahndet gleich Axel Bulthaupt nach Straftätern.










