law transforms... his essential point (V)
1.
Wo habe ich nochmal meinen Cliffhanger liegen lassen? Ach ja, im Zettelkasten, da wo Cliffhanger nun mal liegen sollen. Das Ende des letzten Zettels liegt ja immer im Zettelkasten. Ganz blöd ist die Frage aber doch nicht. Die Antwort ist jetzt vague und schon präzise, scharf wird sie, wie Picassos Antwort She will auf die Bemerkung hin, dass Gertrude Stein seinem Portrait von Gertude Stein nicht ähnlich sei.
Der Cliffhanger liegt im Zettelkasten, exakt da, wo der letzte Zettel endete. Man kann die Zettel mit verschiedenen Protokollen reigen, reichen, richten und regen lassen. Man kann die timeline scrollen, man kann auf die hashtags klicken, man kann über Archivfunktion eine tabellarische Übersicht schaffen, man kann sie ausdrucken und auf dem Schreibtisch nach den Protokollen von Aby Warburg anordnen, also Gestelle über Ameisenwege schieben. Man kann aber auch den Überschriften folgen, die die Zettel manchmal haben. V wird insoweit auf IV folgen. Da findet sich schnell ein Cliffhanger, nämlich die Frage, was die erste Hälfte der Passage war, deren zweite Hälfte wir als Passage aus dem Text von Yan Thomas herausgetrennt und isoliert haben. Ich wiederhole nochmal:
Wozu und worauf antwortet die Passage, die ich herausgetrennt habe?
2.
Die Passage antwortet auf eine Passage marxistischer Kritik. Das Echo ist nicht fertig. Auch die erste Hälfte antwortet, diesmal wiederum the phenomenon, denn was the phenomenon ist, geht ihr voraus. Hälften des Abschnittes antworten dem Phänomen. Beide Passagen sind phänomenologisch lesbar, wenn das Phänomen mit Gesetz und Lesung einhergeht. Wenn nicht, muss man sie anders händeln als durch Lesen. Blicken, Betrachten oider aber so lesen, wie man etwas liest, was noch nicht geschrieben steht, das Lesen kein richtiges Lesen ist, magisch und mantisch betrachten, wie das die Censoren mit der Leber auf dem Tisch und der Warburg mit den Täfelchen auf der Tafel macht, so kann man auch die Passagen betrachten. Sagen einem die Lehrer, man müsse unbedingt viel lesen, ist das ein Indiz dafür, dass die in der Methode des Zugang alles andere als großzügig sind. Wären sie in der Methode des Zugangs großzügig, lege es doch nahe zu sagen, dass man nicht viel lesen müsse, eins reiche, aber dass müsse man auf viele, viele Weise händeln. In dem Projekt Letter, oder Objekte die lassen, haben wir Beitrage, die händeln nur ein a, nur ein o, nur ein i oder nur ein z, sogar nur einen Punkt (.). Da schärfen sich die Limits des Lesens doch sehr scharf, viel schärfer als wenn man Mengen an Literatur liest und deswegen den Begriff des Lesen fahren lassen muss. Man soll ja auch beim Skifahren sich nicht auf den Begriff des Skifahrens konzentrieren, da muss man halt gleiten. Schreiben, auch ohne Schrift begriffen zu haben: sowas. Das ist juridische Kulturtechnik und es soll rekursiv, via detour und kooperativ sein. Schärfer als scharf ist mehr da als da, auch wenn dadurch am Sinn etwas eingeschränkt wird. Das ist DADA, surreal, lettristisch und situationistisch. Das ist Präsenz, die entgleitet. Roberto Ohrt nennt sowas Phantom Avantgarde.
3.
Marxistische Kritik, d.i. Marx's Kriseln, Kreischen, Kreisen und Kreten (protokollieren und dabei tun, was Kreter tun, so nach Grimms Wörterbuch). Thomas wendet marxistische Kritik in eine Kritik des Marxismus, doppelter Genitiv, doppelt sehen, wozu hat der Mensch schließlich zwei Augen? Er trifft was, aber er hat ja auch gezielt. Thomas' Schreiben gerät hier an eine juridische Kulturtechnik, die mich in den nächsten zwei Wochen besonders beschäftigen wird, weil wir einen Workshop zum homo rhetoricus/ in its brazilian versions machen. Die Technik ist im Spiel, wenn Menschenfassungen im Spiel sind und das Juridische mit dem Anthropologischen kooperiert. Auch beim homo juridicus, beim homo digitalis läuft diese juridische Kulturtechnik mit anthropologischer Kooperation. Jemand hat für diese Technik einen Begriff aus der archäologischen Fundgrube juridische Kulturtechnik gefischt, den der Hypostase. Thomas hypostasiert den Marxisten, um überhaupt jemanden zu haben, der eine Kritik haben und damit kreischen, kreisen, kriseln und kreten zu lassen. Wenn der Jurist keine living voice absoluter Imperative ist, ist dann Marx wenigstens eine living voice des marxistischen Dogmas? Oder wäre es nur der Marxist, eine Art Jurist oder legal artifex unter den Followern von Marx und dessen Kritik am Überbau?
4.
An solchen Stellen, das sind Aporien, bin ich an Roberto Ohrt geraten. Wieso das denn? Ganz einfach:
In seinem Buch zu der Frage, wo dem Recht der Kopf steht. da kommt Merlin Eichele an den Passagen, die mir so attraktiv ins Auge sprangen, dass ich sie gleich verzettelt habe, auf die Situationisten zu sprechen. Er erwähnt Bataille jenseits der Rinne Baseler Archäologie und Benjamin diesseits der Rinne Baseler Archäologie.
Eichele schreibt melancholisch, als sei eine Zeit verloren gegangen, die keinen Ersatz gefunden habe. Benjamin tot und ohne Nachfolger. Die Frankfurter Schule, Abteilung Nichbenjamin fest im Sattel und selbst das ist nich untertrieben gesagt. Die sitzen ja nicht auf den Lehrstühlen, das sind die Lehrstühle, und sie können damit gar nicht aufstehen. Die Attraktion der Passage bei Eichele (am Anfang das Kapitels über das Ensetzen, wie es in entsezlicher Schriftsätzlichkeit vorkommt, dort auf der zweiten Seite des Kapitels), die lebt von ihrer Einzigkartigkeit, davon, dass sie etwas Einzigartiges herausschält, hier den Walter Benjamin.
Aber bei den Attraktionen kann man es nicht belassen, man muss sie ja händeln und dann wohl kontrahieren und distrahieren lassen. Roberto Ohrt gibt es, der ist quicklebendig, internationaler Situationist und sogar eine Institution. Die Tür zum 8. Salon steht vielleicht nicht immer offen, aber verabreden kann man sich. Haben wir ja gemacht und dort die erste Ausstellung zu Warburgs Staatstafeln mit großem Erfolg organisiert. Nur weil es nicht im Diskurs vorkommt, ist es ja nicht existent. Nur weil eine Anzahl meiner Kollegen da nicht auftauchte und die Schlechtachter, Verhinderer und Abratgeber mal wieder Phantasie genau dann bewiesen haben, wenn sie es immer tun, nämlich ausgerechnet dann, wenn ihnen Gründe dafür einfallen müssen, etwas nicht zu tun, heißt das ja nicht, das wir es nicht tun und dass wir nicht auftauchen. In die Falle bin ich ein paar mal zu oft genug getappt: darauf zu achten, ob Kollegen einen achten. Man tut es doch selbst limitiert, soweit steht es immer 1:1 und nur 1:1 und auf ewig 1:1.
Roberto Ohrt ist einer, der aus der Aporie Passagen macht. Aus der Aporie von Yan Thomas, aus der Aporie des legal artifex macht einer wie Roberto Ohrt den zwar lieben langen, aber nie lange genug dauernden Tag und die liebe lange, aber nie lange genug dauernde Nacht Passagen. Der lässt die Hypostasen tanzen, trinken, essen, scheißen, pissen, paaren und streiten. Dass Roberto Ohrt neben Axel Heil einer der beiden ist, die mit einem kleinen Haufen Leute ins Archiv gingen, um nach erstaunlicher Weise ungefähr 80 Jahren exzessiver Ungeduld das Selbstverständliche zu tun und Warburgs Atlas betrachtbar zu machen, das nenne ich zwingend und notwendig, trivial. Und es ist doch ein Scheideweg.














